The Uzi Way.

11 Jun

Vorsicht – heute bin ich auf die passende Ausrüstung für jeden Nike Air Max 90-Abhängigen und Nike Air Max BW-Liebhaber gestoßen, die bei neidischen Blicken aufs Schuhwerk sofort abfeuert. Der australische Grafikdesigner Filfury hat sich wohl auch gedacht, warum teure Brands nicht mal mit spielerischen Ansprüchen verbinden. Auch wenn ich die Moral von Waffen nicht unterstütze, gehen diese Dinger bestimmt trotzdem gut als Wasserpistolen für´s nächste Festival und jeden Partyspaß durch. JUST PROVE IT.

>>Hier könnt ihr die Designer-Guns erwerben!

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Erdlinge.

7 Apr

Mark Twain: “Von allen je geschaffenen Geschöpfen ist der Mensch am verabscheuungswürdigsten. Er ist das einzige Wesen, das für den Sport Schmerzen zufügt – und weiß, dass es Schmerzen sind.”

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Soeben bin ich auf eine Webseite im Netz gestoßen, die mir unfassbar sensationsgeil, töricht und naiv erscheint und wahrscheinlich auch eben jenes ist.

Auf der Seite PETA tötet Tiere wird dem Tierschutzverein vorgeworfen, dass er selber dem “Leben” und der “Freiheit” eines Tieres nicht mehr nachkomme, sondern ganz im Gegenteil, dass er Tiere verwahrlosen ließe, quäle und gar morde.

Grund dafür, soll die Hohe Einlieferungsrate streunender Tiere in den Heimen Amerikas sein. Ein Problem, das seit Dekaden, ich möchte fast sagen Jahrhunderten, weltweit bekannt ist und bis dato nicht eingedämmt oder nur unzureichend reduziert wurde. Warum? Weil Menschen, der Meinung sind, sie beschaffen sich Tiere und wollen sie dann doch nicht. Und genau hier fängt es an:

Millionenfache Tiere werden auf unserem Planeten wie ein Ding behandelt, dass man käuflich erwerben und nach eigenem Ermessen und Belieben behandeln und benutzen kann. Sie dienen als Spielzeug für Kinder. Doch wir wissen, sie sind vielmehr als das. Sie sind lebende Wesen, die ein Herz, eine Seele und meist noch mehr Verstand als die Menschen haben. Wo es Ratio gibt, ist auch Emotio nicht weit, auch wenn diese nicht unbedingt jedem einen Begriff ist…

Wer dieses Video schaut, weiß was ich mit “Gefühlen” meine und denkt vielleicht einmal mehr nach, bevor er sich ein Tier anschafft und noch vielmehr darüber, ob das Leben eines Tieres wirklich unter unserem steht oder ob wir “Erdlinge” nicht alle die gleiche Luft zum Atmen sowie Nahrung, Liebe und Anerkennung brauchen, um ein natürliches und würdiges Leben in einer eigentlich wunderbaren Welt führen zu können. Denn dann gäbe es so etwas wie Schlachthäuser, Fleischereien oder Tierfabriken in der Zukunft unserer Kinder nicht mehr. Und wir könnten leben und leben lassen.

Zurückführend auf die eingangs schockierende Entdeckung und Annahme PETA tötet Tiere, möchte ich noch einmal betonen, dass diese Organisation wohl weitaus mehr Leben geborgen und gerettet hat als manch einer von uns überhaupt je an das Leben eines Tieres gedacht hat!

Midway Journey

5 Mär

Menschen behaupten, sie lieben Tiere, während sie sie essen.

Menschen behaupten, sie kümmern sich um die Umwelt, während sie sie verschmutzen.

Menschen behaupten, sie lieben die Natur, während sie sie zerstören.

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Die Doku Midway Journey des amerikanischen Aktivisten Chris Jordan spiegelt eben jenes Phänomen in erschreckender, jedoch reflektierter Art und Weise wider, was die ganze Geschichte umso erschreckender macht…

Der knapp vierminütige Trailer zeigt einen Ort, den wie bisher womöglich gar nicht kannten. Das Midway-Atoll im Nordpazifik, das 2000 km Entfernung zur nächsten Insel misst und fernab jener menschlichen Zivilisation existiert. Und trotzdem kommt es nicht umhin, sich in vegetativer Form entwickeln und fortpflanzen zu können.

Stattdessen werden Unmengen von Müll an die Insel gespült. Zahnbürsten, Plastikflaschen, Feuerzeuge, Filzstifte – all das findet sich nicht nur an der Küste der Albatrosse wieder, sondern auch in deren Bäuchen. Auf der Suche nach Nahrung für ihre Jungtiere stoßen sie kaum noch auf Fische, da diese die Verschmutzung der Gewässer selten überleben oder in andere Gewässer umsiedeln.

Somit droht auch den Vögeln der Tod, da sie den Müll im Ozean für Nahrung halten. Sie füttern ihre Kinder und Familien mit Plastikabfällen und sterben einen grausamen und qualvollen Tod. Eine Geschichte, die nahezu unaufhaltsam ist.

Der Film erscheint Ende diesen Jahres in Deutschland.

Menschen lachen und manchmal weinen sie…

Stadt der verbrannten Hirne

10 Feb

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Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billig-Flug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Daseins in einem anderen Land brutzeln zu lassen. 34 Euro nach Faro. Hin- und Rückflug. Fünf Tage. Check. Drei Shirts, zwei Röcke und meine löchrigen Keds sollten mir zu einem akuten Freiheitsgefühl für die nächsten 120 Stunden ohne Schlaf verhelfen. Mark Ronson & The Business INTL. hüllten mich nebenbei in eine, ja sagen wir „ohrgasmische Reiselaune“. Und ohne Bier wird’s sowieso schnell langweilig. Also, Sonnenbrille auf, Zigarette an und los ging es!

Faro ist eine niedliche und gemütliche Hafenstadt, die sich extrem gut in einer Stunde auf der To-Do oder To-See-Liste abstreichen lässt und das sogar als Pack-Esel, kriechend auf allen Vieren. Doch ich will mehr als nur ein Pack-Esel sein. Ich will Action, Menschen und Strand. Der Bus bringt mich in die Haupt- und größte Stadt Portugals – Lissabon. Jetzt kann das Leben der Visionen und Impressionen beginnen…

Ich steige aus. Es ist nachts um eins an einem Freitagabend. Der Plan lautet: Hostel finden, Klamotten in die Ecke schmeißen, Friese stylen und auf ins Viertel Bairro Alto. Hier hält sich die moderne Wegwerf-Gesellschaft Lissabons auf, die nach jeder Sause von der Stadtreinigung die Straße runtergespült wird, wenn sie den Absprung nach Hause nicht mehr schafft oder den Weg ins Krankenhaus nicht mehr findet. Die Devise lautet: Ein Drink = Ein Euro. Kann das gut gehen? Hier schütten die Leute schon fünf Cuba Libre weg, während in Berlin noch die Limette vom Barmann im Glas zerstoßen wird. Das gleicht wohl einer noch viel absurderen Mentalität als der auf Mallorca. Ich halte mich davon fern und trinke bescheiden meinen Jägermeister. Doch mein Körper möchte das nicht – Epic Fail. Deswegen gibt’s ab sofort im Wechsel dazu das gute, ehrliche Bier Sagres. Schließlich möchte ich mich noch daran erinnern, warum ich am nächsten Morgen zerknüllt im Mülleimer aufwache und meine Haare kahl rasiert sind. So weit kommt´s zu meinem Glück aber nicht, denn ich wurde scheinbar zu etwas Besserem auserkoren – einer spontanen Komparsenrolle in Francis Ford Coppolas neuestem Streifen „The Godfather of Lisboa“.

Ich stehe in einer versifften Imbissbude und genehmige mir einen kleinen Snack zwischen circa vierzig farbigen Einwohnern. Und fühle mich ein bisschen unangenehm beobachtet wie ich da nun sitze mit blonden Haaren und weißer Haut. Doch im nächsten Moment soll die Aufmerksamkeit auf mich, durch einen Waffenschuss in die Luft, abgelöst werden. OH. MY. GOD! Ein Schuss! Ich wende mich in die Richtung des Terrorgewitters und entdecke einen durchgeknallten Typen, der wie irre seine Waffe durch die Gegend schleudert, schreit und spuckt. Kaum kann ich mich zu Boden werfen, umzingelt die Polizei den Laden und greift sich den schusswütigen Psychopathen. In dem drei-minütigen Kopfkino sehe ich meinen Namen im Abspann laufen. Die erste Sicherheit ist gegeben, ich atme auf und die Menschen um mich herum verlassen im Affenzahn das Gebäude. Nur ich nicht. Ich sitze stumm hinter der Theke und wage mich nicht zu bewegen. Bis mir jemand von oben zuruft: „Move! Go away! We will close now!“ Aha, vielen Dank für die Aufmerksamkeit und freundliche Anweisung, denke ich pissig und trotte wie ein nasser Hund von dannen. Ich zittere immer noch als ich ins Taxi einsteige, der Taxifahrer mich idiotisch angrinst und ins Hostel fährt.

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Der erste Kulturschock ist überwunden. So derbe hab ich noch nicht mal den 01. Mai in Berlin erlebt, aber da werden meist auch nur die Autos in die Luft gejagt und nicht die Menschen. Aufgrund der Umstände der letzten Nacht gibt’s ab sofort eine neue Strategie im Ausgeh-Verfahren. Weil in Lissabon die Bars um drei schließen und die Clubs erst dann öffnen, halte ich mich einfach solange in einer Bar auf, bis mein Wecker klingelt und mich aus dem Bier-Bett wirft. Dann renne ich schnell in den nächsten Club und bleibe dort bis dieser schließt und so weiter und so fort. Mission possible.

Neue Runde, neues Glück. Wie geplant, geht’s gleich in die Kneipe, bevor ich überhaupt der tödlichen Ein-Euro-Versuchung zum Opfer fallen kann. Hier mach ich es mir bequem an der Bar, lausche den elektronischen Klängen des im Batik-Look gekleideten japanischen DJ´s und fühle mich zum ersten Mal sicher. Ich bestelle Getränke mit lustigen Namen und genieße die Ruhe. Der Barmann wundert sich über meinen fatalen Geschmack alkoholischer Drinks und hat Sorge, dass mir der Magen ausgepumpt werden müsse, wenn ich das Namensspiel fortsetze. Ich sage: „Ich habe doch keine Ahnung.“ (Auf Englisch natürlich.) Er horcht auf und fragt wie ich dazu komme hier unterwegs zu sein und dann auch noch alleine. Das ist doch schon ein bisschen lebensgefährlich. Haha, nichts im Gegensatz zu meinem gestrigen Erlebnis. Das glaubt mir keiner! Der Barmann schon. Alfonso heißt er. Er bietet mir an, später mit ihm und seinen Amigos um die Häuser zu ziehen.

Wir gehen in jeden Club. Nach dem fünften Besuch brauch ich eine Pause. Sitzen und essen und so, sage ich. Die Jungs warten brav und wollen auch kurz in einem Store vorbeischauen und ein bisschen Energie abholen. Ich hab keinen Plan und gehe mit. Vor dem Laden sitzen drei Leute und gucken mich schief an. Sie zupfen an ihren verkrusteten Röhrenhosen rum und richten die neonfarbenden Sonnenbrillen als sie mich grüßen. Und nun ist warten angesagt. Mehr und mehr Menschen versammeln sich. Ich bin kurz vorm einnicken, wegen eines ewig langen Portugiesen-Palavers, bis der Laden endlich auf macht. Die Menschenmassen stürmen das Geschäft als wäre Ausverkauf bei Media Markt. Ich kratze mich vom Bordstein ab und betrete diesen völlig zertreten. Als Erstes werfe ich einen Blick in die Vitrinen. Eine Apotheke? Es gibt kleine Tütchen, worauf Teufel, Totenköpfe und irgendein Typ, ich vermute Nikki Sixx, abgedruckt sind und komme schnell zur Besinnung. Ich stehe in einem Drug-Store. Alfonso erzählt mir hier wäre alles legal. Schon seit 2001 wird der Konsum in Portugal nicht mehr bestraft oder verfolgt. Das gilt nicht nur für weiche Drogen sondern auch für schwere Suchtmittel wie Heroin. Seitdem ist die Kriminalitätsrate extrem gesunken. Sonst hätte mir hier wahrscheinlich auch schon ein Arm gefehlt.

Nachdem sich nun jeder seines Spaßes bedient hat, geht es weiter zur After-Hour an den Strand. Hier scheint nun die Tochter Coppolas, Sofia, an ihrem neuen Film „Lost in Fascination“ gewerkelt zu haben. Der beige-rote Sand glänzt in der Sonne, die Füße werden vom kalten Wasser erfrischt und der Dancefloor bietet schattige Plätzchen vor dem munter wackelnden Musikspender. Wir tanzen und lachen und schwitzen und sind glücklich. Irgendwann falle ich erschöpft zu Boden und schlafe ein. Als ich aufwache sind alle weg, die Menschen, die Musik, die Sonnenschirme, der Alkohol und die Drogen. Was zurückbleibt ist ein Sonnenbrand der Superlative. So sehr, dass jeder Schritt auf dem Heimweg wehtut und ich meine kross gebratenen Beine erschöpft hinter mir her schleifen muss. Und genau das habe ich nun wirklich auf dieser Reise gelernt: Use sunblocker, feel safe!

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Die wilde 13

6 Jan

5080 9Ich weiß noch als ich dreizehn war. Da ging das Leben grad so richtig los, zumindest in meinem Kopf und was die soziale Bypass-OP um mich herum betraf, da hatte die ganze Familie was von.

Der Supermarkt, der uns krampfhaft köstliche Kirschliköre eigens in der Lagerhalle dank Überstunden eines nicht allzu ernstzunehmenden Angestellten zubereitete, war die Rettung aller jugendlichen Universen im Betonblock.

Tagsüber verkrochen wir uns dutzendweise in viel zu kleinen Familienwohnungen und ließen den Amiga heiß laufen, bis die Siedler sich vor uns versteckten.

Oder wir kochten Spülmittel mit Reisbeuteln, bis der Topf explodierte. Oder wir aßen Zimt. Einfach nur, um zu gucken was so passierte. Letzteres hatte meist einen übernatürlichen Erguss des Mageninhalts von Kirschlikör und den letzten drei Wochen Nahrungszufuhr zur Folge.

In gewisser Hinsicht habe ich mich mit 13 erst selbst kennengelernt (ja, auch mein Inneres), aber das müssen wir alle irgendwann einmal. Und lieber früher/später als nie.

So auch das Jahr 2013, das ganz harmlos mit der Zubereitung einer Kirsch-Wodka-Bowle für den Nachbarschaftstreff im “Kleine Elfen helfen”-Verein, einer Benefizveranstaltung meiner Oma zum Neujahrsempfang, im Kreis der Familie und alter Freunde stattfand.

Dieser jährlich zum 01.01. daherkommende Besäufnis-Auftakt ist natürlich immer wieder aufs Neue unfassbar günstig für eine gemütliche Runde im Grünen mit Hund und Katz gelegen. Da macht meine Oma keinen Hehl draus, da kann selbst der Opa nur debil grinsend nicken und sich dem Gesäusel der lieblichen Stimme seiner kettenrauchenden Frau beugen.

Um 10 Uhr hatte der Wecker bereits 100 mal geklingelt, um mich aus dem Konfetti-Bett zu werfen. Um 11 Uhr hatte ich noch 10 Minuten, um mich von der Jägermeister-Infusion abzuklemmen und im Turbo-Modus an das Phänomen Licht zu gewöhnen. Um 12 Uhr musste ich mit allen Körperteilen bei meiner Oma erscheinen.

Auf dem Pfandfinder-Weg ins “Kleine Elfen helfen”-Paradies begegnet mir so gut wie niemand. Nur ein paar abgebrannte Raketenwerfer und jede Menge Kompost, der seine Tage schon hinter sich hat, schmücken die seelenlosen Kopfsteinpflaster.

Der Regen peitscht mir immerzu ins Gesicht und durchtränkt meine nigelnagelneue Jacke, die ich doch am Vortag noch feinsäuberlich an der Garderobe abgegeben hatte, um sie präventiv von jeglichen Witterungen fernzuhalten. Wie auch immer, ich warte auf den Bus. Der schon bald anrückt, um meinen Fahrschein zu sehen und mich mit trostlosem Blick hereinzubitten.

Nun sitze ich da und beobachte schlaftrunken die anderen Gäste, die ihre Party schlichtweg ins trockene Fahrgestell verlegt haben. Mir werden Tablettenschieber und Asthma-Sprays unter die Nase gehalten, die ich mit verzerrter Stimme immer wieder von mir schiebe.

Meine Kirschlikör-Freunde sind auch da, sie schreien belustigt “Hier müssen wir raus, Endhaltestelle!” Ich stehe auf und springe in die Luft, meine Oma steht schon vorm Bus. Sie empfängt mich mit einem vertrauten Lächeln und klopft mir verzückt auf die Schultern.

Ich blicke ihr glücklich ins Gesicht und kuschle mich in ihre widerstandslosen Arme, bis sie mich in eine warme, schwere Decke einhüllt, die mich nicht mehr sehen, aber insgeheim wissen lässt, das die 13 schon längst gekommen ist.

Happy New Year!

Happy Fistmas!

10 Dez

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Bereits Ende des Sommers begrüßen uns die ersten apokalyptischen Reiter als Schoko-Weihnachtsmänner oder Marzipankugeln im Supermarkt unseres Vertrauens. Die Sonne räumt das Feld und der Schnee rollt erbarmungslos auf uns zu.

Die große Schlacht um die Weihnachtszeit kommt jedes Jahr aufs Neue. In allen Ecken stinkt es nach Glühwein, Zuckerwatte und Erbrochenem mit einer süffisanten Note von Zimt. Auf Weihnachtsmärkten halten anonyme Alkoholiker ihre Treffen ab, um ihre eigene Achterbahn zu fahren. Familienväter kaufen 100 Lose, um dutzende Plüschtiere gigantischer Ausmaße in einer vollen Bahn auf dem Kopf geschnürt nach zu Hause schleppen.

Einkaufstüten flitzen mit Menschen panikartig von Geschäft zu Geschäft, als wenn es keinen Morgen gäbe. Shopping-Arkaden ähneln Kriegsschauplätzen, wo jeder bereit ist bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Die Weihnachtszeit wird dazu dramatisch von Songs untermalt, die uns seit Jahrzehnten die Ohren bluten lassen und „Last Chrismas“ heißen, als würden wir es nie wieder erleben.

Ein sabberndes Kind schmeißt dir seinen abgekauten Kandisapfel vor die Füße und rennt schreiend weg. Farben überschlagen sich wie in einem Kunstwerk von Kandinsky und der Geruch von abgestandenem Glühwein penetriert dich unentwegt.

Du stehst da, ziellos zwischen beschwipsten Jugendlichen, liest die weihnachtliche Botschaft über einem Geschäft: „Ein Fest der Gefühle und Besinnlichkeit“ und spuckst in ihr hektisch-blinkendes Gesicht. Wie jedes Jahr. Gefühle sind immer noch Intimsphäre und können sich auch in Form von Magenbeschwerden bis hin zum Kotzreiz äußern. Besinnlichkeit zeigt sich durch spekulative Beobachtungen der Menschen auf der Eiskunstlaufbahn, in der Hoffnung sie würden irgendwann Stunts wie bei „Jack Ass“ präsentieren.

Als Kind liebte ich diese ganze Aufregung verbunden mit Krach und Bums. Schon am ersten Dezember bin ich hektisch im Kreis gesprungen, wenn ich morgens aufwachte, um die Nummer 1 meines Kalenders zu öffnen. Und das wurde mit Blick auf den 24. Dezember nur schlimmer. So schlimm, dass nicht mal eine chronische Krankheit mithalten könnte.

Der Weihnachtsmann war mein Idol. Ich wollte mit einem Kugelbauch, rot-weißen Mantel bekleidet und stets den Sack voller Geschenke auf dem Rücken, durch die Stadt laufen. Im Dezember schaffte ich es immer pünktlich zur Schule, in Erwartung von Süßigkeiten, Kränzen und Kerzenkram. Sobald ich erfuhr, wann der Weihnachtsbaum in der Schule aufgestellt werden würde, wollte ich vor dem sonst üblich verhassten Gebäude zelten. Ganz klar.

Meinen Eltern gingen am Heiligabend die Haare zu neige. Während ich eine wilde Party mit Weihnachtsschleifen und Paketen feierte, saßen die Beiden auf dem Sofa und aßen ausdruckslos Kartoffelsalat. Ich schleppte alles mühsam in mein Zimmer und suchte a la Gollum 1 A-Verstecke für meine Schätze. Teilen war nicht so mein Ding. Das hat sich inzwischen geändert. Zum Glück.

Auf Geschenke gebe ich nicht mehr so viel. Wo früher die Quantität zählte, ist heut eher die Qualität von Interesse. Es kommt nicht auf Preis oder Größe an, sondern viel mehr um den Wert und Gedanken des anderen. Ich bin großer Fan von Selbstgebasteltem. Das sind die wahren Geschenke, die die vom Herzen kommen.

Doch Eingepacktes hin oder her, was nützt der größte Stress, wenn es doch „gefühlvoll und besinnlich“ sein soll? Nichts. Eben. Zurücklehnen, Beine hoch und Glüh-Tee trinken. Meinetwegen auch Plätzchen backen und bitte nicht jeden Tag aufs Neue den Kontostand verfolgen, inwieweit jetzt der Flat oder Mac für den Sohnemann gekauft werden kann. Denn dann sollte das Weihnachtsfest doch bitte „kopflos und kapitalistisch“ heißen.

Und überhaupt, Neo-Disco-Christmas-Songs, ein Schokoladen-Supermarkt und Weihnachtsfeiern in der Firma, die mehr Geld verschlingen als ein wohlverdientes Weihnachtsgehalt, sind einfach nur gesundheitsschädlich und nervenaufreibend. Was hat das noch mit Weihnachten zu tun?

Es ist schön, die Zeit mit seiner Familie im kleinen Kreis zu verbringen, noch einmal kurz inne zu halten und die Ruhe vor dem kommenden Jahr zu genießen. Keine Frage. Wir kochen gemeinsam, gehen ins Theater und flüchten vorm Alltagsleben. Für einige Tage und das ist auch gut so. Aber muss man diesem ewigen Kampf der affektierten Freude und Schenkerei nachhängen wenn das Konto partout im Dispo ist?

Dann verkrieche ich mich lieber zu Hause unter meiner kuschelig warmen Decke und träume. Träume von meinem eigenen Glitzer-Weihnachtsfest mit meinen Liebsten und davon, dass dieser Alptraum bald vorbei ist und die Menschen wieder bei Sinnen sind. Denn dass können wir doch am besten, unseren alltäglichen Späßen nachgehen. Auch ohne Lametta.

Ohnmacht

12 Okt

Blut. Das ist alles was ich sehe als auf meine Hand hinabschaue. Okay. Punkt 1: Ruhig bleiben. Das Messer vorsichtig aus dem Daumen ziehen. Nur Blut. Punkt 2: Atmen nicht vergessen. Der Finger ist bestimmt noch dran. Plötzlich dieses Knacken als die rot glänzende Schneide des Küchenmessers schleichend zum Vorschein kommt. Es brennt wie Feuer. Ich stöhne lautlos auf. Die Säure einer verfluchten Limette ätzt meine offene Wunde skrupellos wie ein rohes Stück Fleisch in einer Coca-Cola-Lache weg. Was hilft jetzt? Punkt 3: Schreiend im Kreis rennen und… Pflaster. Das Messer fällt klirrend zu Boden während ich mich schwebend in einer 180°C-Drehung mit blutverschmierten Händen dem Erste-Hilfe-Koffer im Regal zu wende und panisch mit den Armen in der Luft wirble, im gleichen Moment den Umriss einer Person im Augenwinkel wahrnehme, doch trotz angestrengt zugekniffener Lider nicht mehr als den weißen Schleier meiner Imagination registriere, der sich sanft und gemütlich in meinem Kopf ausbreitet und mich partout zu einer leeren Blase im Universum werden lässt. Dazu ertönen The Smiths mit „There is a light that never goes out“. Der Song, der auf meiner Beerdigung laufen sollte…

„Kati! Wir müssen zum Notarzt“, brüllt mich jemand hysterisch im fahrenden Auto an. „Ich bin doch nicht taub“, sage ich als wäre nichts und werde mir mit meinem Spiegelbild in der Windschutzscheibe sogleich darüber im Klaren was überhaupt gerade vorgefallen ist. Schockiert reiße ich die Hände wie bei einer La Olá im Stadion in die Höhe und fange auf dem Beifahrersitz laut an zu heulen. Gegnerisches Tor und, noch viel schlimmer, nur NEUN Finger. Ich zähle entsetzt noch mal nach, rechnen war noch nie meine Stärke. Aber weiterhin… NEUN. „Keine Sorge“, murmelt mein Fahrer „wir haben alles dabei“ und grinst mich, mit einem Frischhaltebeutel vor meinem Gesicht wedelnd, dämlich von der Seite an. Das kann doch nicht wahr sein, denke ich und spucke ihm wütend ins Gesicht. „Jetzt hab dich doch nicht so! Wir fahren dich schnell ´rüber und dann wird das Ding wieder ´rangetackert“ kommt ein gütiger Zuspruch von der Rückbank. Überrascht drehe ich mich um und sehe einen Hund. Einen sprechenden Hund. Brian? Sieht zumindest aus wie Brian. „Wo kommt der Hund aus Family Guy her?“ frage ich den Fahrer, der im Übrigen mein Kollege von dem Ort des Verbrechens ist, an dem mich eine olle giftgrüne Limette fast mein Leben gekostet hätte. Doch eine Antwort darauf erhalte ich nicht.

Mit qualmenden Reifen hält der Leichenwagen mehr oder weniger vor dem Krankenhaus und ich flitze, a la Roadrunner vom Koyote verfolgt, an die Rezeption und erblicke keuchend zwei aufgedunsene, wasserstoffblonde Damen in pinken Overalls. „Hallo“ sage ich ganz gewöhnlich zur Begrüßung und warte auf eine Reaktion. Nichts. Nicht mal ein Nicken. Die Kleinere der Beiden, ihres Zeichens Kompottschalen-Brillenträgerin, hebt gähnend ihren weißen, fleckigen Arm und beträufelt lustlos die längst verstorbene Sonnenblume mit einer Pipette. Mein Blick schweift entgeistert auf ein Pamphlet vergilbter Akten, woran sich die French-Nails der anderen Dame, begleitet von den Worten „Alles in den Wolf“, zu schaffen machen. Kurze Stille. Ich öffne hastig meinen Mund, um eine weitere Grußformel in den Raum zu werfen als das Telefon schrillend meine Stimme übertönt. Die Diamant-besetzten Nägel wandern an den Hörer, führen ihn sacht an das faltige Ohr und die fettigen Lippen pressen spitz „Sie sprechen mit Grütze“ hervor. Mein Mageninhalt steigt mir ruckartig zum Hals empor. Mit zusammengepressten Zähnen sehe ich die Brillenträgerin im Eierlauftempo auf mich zu kommen und im nächsten Moment meine Broccoli-Pasta auf den Kompottschalen vor ihren Augen haften. Wie ein Käfer kippt die alte Dame auf den Rücken und bleibt reglos liegen. Schach matt. Mir egal, ich bin jetzt dran, mein Finger wurde schließlich von meinem Körper getrennt. „NEUN!“ Kaum komme ich zur Sprache, landet eine Faust in mein Gesicht und befördert mich zu Boden.

Als ich aufwache liege ich in einem Bett. Ich setze mich vorsichtig auf und analysiere misstrauisch meine Umgebung. Es ist dunkel und kalt. Meine Gedanken sind erloschen. Was mache ich hier? Wer bin ich und überhaupt? Über mir summt etwas, dass ich im schwarz nicht ausmachen kann. „Die Sicherung ist durchgebrannt“, erklingt plötzlich eine Stimme hinter mir. Erschrocken zucke ich zusammen und spüre den Atem der Person in meinem Nacken, so sehr, dass sich meine Härchen zurück in die Poren drängen wollen. Ich bleibe starr sitzen und spüre wie mein Herz schmerzhaft gegen meinen Brustkorb hämmert. Laut entzündet sich eine Flamme an meinem Gehör. Licht. Ein Gesicht. Nein, eine Maske. Die eines Hasen. Meine Hände ballen sich verstört zu Fäusten. Doch ich kann meine Finger nicht bewegen. Ich kann plötzlich nichts mehr bewegen. Mein Körper ist eingehüllt, in etwas, dass mir von allen Seiten tonnenschweres Gewicht aufdrückt. Ich möchte schreien, aber es geht nicht. Der Hase hüpft um das Bett herum und fängt an mit Gläsern zu klirren. Ich erkenne ihn nur im Halbdunkel. Er fängt an sie zu sortieren und zu putzen und schenkt mir nun keinen Funken Beachtung mehr. Immer wieder von Neuem greift er mit seinen schneeweißen Pfötchen ein Glas, sortiert und putzt. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und beobachte dieses Spektakel unendlich lang. Zu lang. Meine Lungen füllen sich langsam mit Luft, ich kann wieder atmen. Meine Sinne kehren zurück. Der Raum nimmt Gestalt an. Töne dringen in mein Ohr. Doch trotzdem wende ich den Blick von dem Hasen keine Sekunde ab und kette meine ganze Kraft an ihn. Er kommt mit einem Behälter auf mich zu und erzählt irgendwas von „Wasser“ als ich von einer monströsen Welle klargespült werde. Ich schließe für einen Moment die Augen und lasse meine nassen Lider ruhen. Und plötzlich ertönt seine Stimme wieder, diesmal ganz klar und deutlich: „Kati!“ Ist das mein Name? Blitzartig öffne ich die Augen und blinzele als ich einen Menschen vor mir stehen sehe. Es ist mein Kollege, der mich im Leichenwagen zum Krankenhaus gefahren hat und er sagt: „Kati! Wir müssen zum Notarzt.“

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