Blood Red Shoes

11 Apr

Berlin ist für die beiden aus Brighton stammenden Musiker Laura-Mary Carter und Steve Ansell eigentlich nichts Neues, schon seit Jahren sind sie hier stetig auf Tour. Dafür ist es umso spezieller, dass sie sich ausgerechnet im Kreuzberger Kiez in einem leergefegten Tonstudio einquartiert haben, um ihr selbstbetiteltes Album “Blood Red Shoes” unter Eigenregie zu produzieren. Unweit davon stellten sie dieses gestern endlich in großer Manier im Astra Kulturhaus einem ungeduldigen Publikum vor…

Als Support hatten die Blood Red Shoes ihre Freunde The Wytches mit vor Ort, welche ihre psychedelischen Riffs geübt durch die Halle strömen ließen und die musikhungrigen Menschen dabei in eine Art kafkaesken Zustand versetzten, der den trashigsten Parts aus Quentin Tarantions “From Dusk Till Dawn” hätte entnommen sein können. Es fühlte sich leider ein bisschen wie auf einer Halloween-Party mit Augapfel-Bowle und blutverschmierten Wänden an, war aber dennoch irgendwie treffend.

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Die Blood Red Shoes betraten kurz darauf stillschweigend die Bühne, auf der mehrere Glühbirnen vor einem samtroten Vorhang von der Decke hingen. Die Atmosphäre knistert, als sie sich schließlich an ihre Instrumente setzten und den Opener “Welcome Home” ihrer neuen Platte erklingen ließen. Das Publikum ist schlagartig wach und dreht, springt und wendet sich. Ganz allein zwei Menschen schaffen es in Sekundenschnelle eine von Hunderten gefühlte Halle in ihren Bann zu ziehen und das mag schon was heißen.

Sowohl der Bühnenaufbau und die visuellen Eindrücke, als auch die ungehemmte Art Musik zu präsentieren, tragen dazu bei den Blood Red Shoes ewige Treue zu schwören. Im Gegenzug schenken sie diese nach all den Monaten, die sie in Berlin verbracht haben, auch uns: “Berlin is close to our heart”, schwörte Laura-Mary und knipste nach dem letzten Song “Heartsink” noch einige Fotos mit ihrer Kamera von uns.

Aber so schnell waren sie dann doch nicht weg, schließlich folgten noch drei Zugabe-Songs, bei denen sich Steve Ansell und Laura-Mary auf die Drums stellten und sich restlos dem Rausch der Gefühle hingaben. Und weil das nicht genug ist, wirft sich Steve abschließend noch zum Stage-Diven in das jubelnde Publikum, welches in verliebt durch die Halle zurück auf die Bühne trägt und mit Taschentüchern winkt, als die Glühbirnen dieses Abends vollständig erloschen sind.

Playlist:

  1. Welcome Home 
  2. I Wish I Was Someone Better 
  3. Don’t Ask 
  4. Speech Coma 
  5. Everything All At Once 
  6. It Is Happening Again 
  7. This Is Not for You 
  8. Cigarettes In The Dark 
  9. Cold 
  10. The Perfect Mess 
  11. Say Something, Say Anything 
  12. Black Distractions 
  13. An Animal 
  14. Light It Up 
  15. Heartsink 

Zugabe:

  1. It’s Getting Boring by the Sea 
  2. Red River 
  3. Je Me Perds 

 

 

Fleischlose Kunst

16 Jan

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Seit Beginn dieser Woche dreht sich in der Hauptstadt ungefähr alles um dieses eine Thema – Fashion. Und genau aus dem Grund folgt jetzt kein Artikel über Fashion. Richtig. Aus Protest-Gründen des Tierschutzvereins peta jedoch, der sich eben genau diesem Brennpunkt widmet, indem er die Herstellung von einigen Designs kritisiert, soll an dieser Stelle eine Annäherung an das Thema “Fleischlose Kunst” vorgenommen werden. Die Fotos, die bezüglich des Protestes vor dem Brandenburger Tor von der Presse publiziert wurden, sprechen für sich. Dazu kann und soll sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich will an dieser Stelle eher noch die Grundsätze der Protestanten präsentieren und aufzeigen, wie diese immer noch von unserer Gesellschaft dargestellt und immer noch negiert werden.

Die ewige Diskussion

Erst neulich saß ich zusammen mit meinem Chef in der Mittagspause in einer kleinen Pizzeria, die sich aufgrund nächster Nähe und günstiger Angebote für einen schnellen Verzehr anbot und wählte, ohne große Entscheidungsgefälle die Speisekarte zu studieren, die Nummer eins, da sich eben nur diese, als einziges vegetarisches Gericht darauf finden ließ. Mein Chef hingegen arbeitete sich durch die Spalten über Schwein, Rind und Fisch und riet mir unterdessen etwas richtiges zu bestellen, da wir ja schließlich noch einen langen Arbeitstag vor uns hätten. Und da war wieder dieser Moment, dem ich seit geraumer Zeit aus einem automatisiertem Schutzmechanismus heraus versuche zu entfliehen, aber in dem ich dann trotzdem sage: „Ich esse kein Fleisch.“ Denn ab dann verläuft jedes Gespräch darüber, immer wieder gleich.

Die fehlenden Nährstoffe: „Ohne Fleisch fehlt einem doch was“ bekomme ich oft zu hören und werde gefragt, wie ich denn meinen Eisenwert oder Vitaminhaushalt ausgleiche, um meine körperlichen Konditionen bei Laune zu halten. Die Kette kann sicherlich noch unendlich lang weitergeführt werden, aber muss sie das überhaupt, wenn es mir damit gut geht?

  1. Der Trendsetter: „Ich mach da gar nicht erst mit“ ist das kaum zu überhörende zweite Argument, dass gleich dem ersten hinterher geworfen wird. Irgend jemand kam daher, hat “fleischlose Kunst” für gut befunden und nun müssen alle mitziehen und sich an der neuesten Mode ausprobieren, wird behauptet.

Aber geht es überhaupt darum? Der Mensch kann auch ohne Fleisch ganz gut leben und das ist wissenschaftlich bewiesen, da kann der Gedanke mit Jäger und Sammler noch so schön aussehen. Ich weiß, fleischlos hin oder her, ich bin kein besserer Mensch, dennoch kann ich meinen persönlichen Beitrag für eine zukunftsorientierte Umwelt leisten. Das kann jeder andere auch. Sei es durch vegane Produkte wie Seife, Make Up oder Bekleidung, doch anscheinend kennt sich ja fast jeder damit aus, wird behauptet.

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Die weiße Weste 

Schließlich wird dann nach den Missetaten der Menschen gesucht, die sich nur im geringsten darüber äußern, ganz ohne voreingenommen zu sein. Schon allein die Entscheidung des fleischlosen Lebens sorgt oft für Widerspruch, wo sonst keiner kommt. Ich rauche nicht. Okay. Ich trinke nicht. Ach so. Ich dusche gerne nackt. Ähm ja. Warum wird nur diese Entscheidung so dermaßen verkannt, dass sie einem Trend gleich kommt? Warum wird nicht geurteilt, statt zu verurteilen? Warum kann sich nicht jeder, so ernähren wie er will? Mit Fleisch. Oder ohne. Ganz egal. Nur die Toleranz ist hierzulande kaum da.

Während einige sich ein Steak in der Pfanne zubereiten, wird bei anderen die Möhre angebraten. Klingt jetzt wie ein absonderlicher Vergleich, aber das Prinzip ist ganz einfach und es funktioniert. Ich bin satt, glücklich und kann ohne das Stück Fleisch als Zusatz leben. Dennoch wird gerne die Gefühlswelt einer Karotte aufgestellt. Es könnte sie schmerzen, wenn ich in sie beiße. Und auch dieser Gedanke ist möglich. Und wir müssen lernen ihn zu tolerieren. Ohne uns zu derangieren.

 Der globale Vergleich

Es erscheint mir noch nicht mal die Tradition oder Angewohnheit als das grundlegende Problem, sondern vielmehr noch das fehlende Verständnis oder der Wille, sich mit Ernährung bewusst zu befassen. Es gibt genügend Länder, die stets als Beispiel grausamer Tierquälerei dienen und in dem Fluss beziehungsweise Frust der Argumentation vorgeschoben werden, um von unserer Lebensmittelindustrie abzulenken. Daran ist ja auch nichts falsch, so machen es Länder wie Japan mit illegalem Walfang oder China mit illegalem Tiermissbrauch oft genug in den Medien vor. In Deutschland wird da am wenigsten genörgelt, schließlich können wir ja unsere Schuld viel schneller rein waschen, indem wir mal ab und zu ein Bioei im Supermarkt unseres Vertrauens kaufen. Dann ist das Thema abgetan und wir können mit dem Konsum von billigem Hackfleisch weitermachen. Ohne zu pauschalisieren.

Konsum zum Überfluss

Inzwischen leben über 800.000 Veganer und rund 7 Millionen Vegetarier in Deutschland, die Tendenz: kontinuierlich steigend. Und das ist ein Trend, der für unsere Gesellschaft mittlerweile unverzichtbar geworden ist. Obschon sich auf unserer Welt alles bietet, wir auf nichts verzichten müssen und zu dem greifen können, worauf wir Lust haben, schließt sich vielleicht gerade deswegen die Frage nach dem Überfluss an der eigentlich doch so unscheinbaren Debatte nicht aus, denn es ist alles in unserer Konsumgesellschaft mittlerweile zu einer begrenzten Ressource geworden. Auch Tiere.

Eine moderne Gesellschaft wie unsere heutige, hat das bisweilen größte Mitspracherecht in Europa und übt den meisten Einfluss auf globale Geschehen aus. Warum sitze ich also mit meinem Chef in einer Pizzeria und führe nebensächliche Diskussionen darüber, ob es meinem Körperhaushalt an Vitaminen mangelt, wenn sich diese eine Thematik, neben all den anderen, unlängst zu einer fortschreitenden Kulturtheorie des 21. Jahrhunderts formiert hat? Diese Frage stelle ich mir manchmal. Nur so.

Also auch diesen Beitrag, trotz Fashion Week, sollte man kurz wirken lassen, um dann zurück zum Headliner zu kehren: Warum werden Menschen, die in jeglicher Hinsicht auf Fleisch verzichten und sich dem Leben der Tiere widmen, indem sie sich gegen Pelze aussprechen, angegriffen? Vor allem in unmittelbarer Nähe von Modemessen, wo es doch eigentlich ganz besonders um die Nachhaltigkeit von Produkten gehen sollte?

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The extreme life of a sugar glider

7 Nov

Heute packe ich mal Kontrastprogramm aus, da die meisten ja lieber gucken statt lesen. Ja, ich auch! Doch nun Vorsicht, Spoiler: Kurzer Text ohne Sinn. Aber als ich die Entdeckung dieses kleinen fabelhaften Wesens machte, war klar, katimaniac.com braucht ein intravenöses Gemisch aus Buzzfeed, flickr und cheezburger. Und nach intensiver, übernächtigter und visueller Tüftelei ist es nun soweit: Ich präsentiere “Das-niedliche-Tiere-gucken-Dings”. Puh. Und die Story dazu lautet in etwa: Ein ganz normaler Tag aus dem Leben eines Sugar Gliders… und weil es auf englisch noch cooler klingt, nenne ich sie dann doch: The extreme life of a sugar glider. Oder so.

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Künstlerkrieg an der East Side Gallery

22 Okt

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Und wieder steht die East Side Gallery im Fokus des gesellschaftskritischen Geschehens in Berlin. Zurecht! Denn vorgestern startete das Pop-Art-Multi-Künstlertalent Jim Avignon eine Nacht und Nebel Aktion, bei der er sein einstiges Kriegs-Kunstwerk “Doin It Cool For The East Side” zu einem brisanten, fröhlich dreinstrahlenden Baumännchen-Komplex namens “Bild 83″ umgestaltete.

So schnell wie es an die Mauergalerie, die sich von der Oberbaumbrücke zum Ostbahnhof zieht, gesprayt wurde, genauso schnell zog sich die dunkle Gewitterwolke über Avignon auf. Schließlich habe er damit den Denkmalschutz der East Side Gallery verletzt, heißt es. Dafür soll ihm nun eine dickes Bußgeld vom Senat drohen und weil das nicht genug ist, soll er seine “Kunst” wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Ja nee, ist klar!

Avignon hingegen beruft sich auf seine Urheberrechte und stellt sich quer. Denn wie sich jeder vorstellen kann, war und ist Kunst schon immer da gewesen, um zu provozieren oder auf sich aufmerksam zu machen. Und genau diesem Zweck geht sein “denkmalgeschützes” Werk seiner Meinung nicht mehr nach. Viel wichtiger ist es in der Zeit zu leben, omnipräsent zu sein, über die Zukunft hinwegzudenken. Aus diesem Grund hat sich Avignon auch für das “Bild 83″ entschieden. Es kritisiert eben genau jene Gesellschaft und stellt sich der Veränderung, die Berlin logischerweise mit sich bringt.

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“So funktioniert das Gesetz der Straße”

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Bild an der East Side Gallery zu übermalen?

Jim Avignon: Erst einmal ist das gar nicht mehr mein Bild. Ich habe mein ursprüngliches Bild im Jahr 1991 übermalt. Später wurde es dann von Kunsthochschülern wieder zurückgemalt. Meine emotionale Bindung zu dem Bild ist daher nicht sehr groß. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, das Werk erneut zu übermalen. Und dann kam Arte mit der Idee auf mich zu, einen Flashmob anzuzetteln.

Verstehen Sie die Kritik, die gegen Ihre Aktion geäußert wird?

Wer auf der Straße malt, weiß, dass seine Bilder nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Ich habe schon überall auf der Welt gezeichnet, und oft wurden meine Bilder nach einer Zeit von anderen Künstlern übermalt. Das ist okay – so funktioniert das Gesetz der Straße. Es ist reaktionär, einen alten Zustand krampfhaft aufrechtzuerhalten. Deswegen habe ich mich auch von Anfang an nicht an den Renovierungsarbeiten an der East Side Gallery beteiligt.

Was erhoffen Sie sich davon, nun ein neues Bild an der East Side Gallery erschaffen zu haben?

Ich möchte damit gern eine Diskussion anregen – aber niemanden bevormunden. Ich hänge einfach nicht sehr an meinem Bild, das ich mit Anfang 20 erschaffen habe. Ich habe mich als Künstler weiterentwickelt und käme mir albern vor, ein altes Werk noch einmal Strich für Strich nachzuzeichnen. Aber das soll jeder Künstler für sich selbst entscheiden. Es könnte doch eine charmante Idee sein, jedes Jahr die Mauer für Künstler aus aller Welt neu auszuschreiben. So könnte man den sich ständig wandelnden Zeitgeist gut einfangen.

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Quelle Interview: © Berliner Morgenpost 2013

Das erste Mal

9 Sep

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Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor den kurzen und simplen Fragen, die sich durch Interpunktion nicht minder von einer Antwort unterscheiden und suchen nach den besten, als auch unkompliziertesten Lösungswegen. Ich spreche weder von akribischen Wurzeln der Mathematik, noch vom Flexionssystem der nominalen Wortarten. Wir sitzen hier nicht im Unterricht von Frau Müller-Meier, sondern im unbändigen Schoß von Mister Life.

Der orangefarbene Anzug nimmt mir die Luft. Und das Augenlicht. Da nützt die tollste Rot-Grün-Schwäche nichts. Dieser furchtbare Anzug muss doch einfach Augenkrebs verursachen, denke ich, während mich jemand auf der Ladefläche eines Mini-Flugzeuges absetzt. Wie kann die BSR mit solchen Anzügen arbeiten, die werden doch alle blind. Unmöglich eine Antwort auf meine Phrasen findend, blicke ich verdutzt durch die verschmutzten Scheiben und beobachte unbewusst, wie ich mich im Sekundentakt von der Erdoberfläche entferne.

„Kann man damit auch ins All fliegen?“ scherze ich doof in Richtung Pilot und fummele nervös an meinem Anzug herum. Ich öffne den Reißverschluss und schnappe überfordert nach Luft. Der große Mann, der mich grob auf die Ladefläche geschleudert hat, trägt den gleichen bescheuerten Anzug und verfolgt konzentriert den Luftdruck auf seinem Tacho. „Stop!“ brüllt er den Piloten an und grinst mich dazu gespannt an. Hilfe, ich schwitze und bin blass und rot und sterbe in genau jenem Moment.

Wozu noch springen? Nein, das war eine dämliche Idee „Haha, na klar“ zu einer lebensbedrohlichen Situation zu sagen. Warum will ich bloß immer so cool sein? „Uncool sein ist das neue In“, lege ich in meinen Kopf fest, doch dafür scheint es nun auch zu spät. „Komm schon“, der Apfelsinen-Mann zieht mich an einem Arm hoch und schreit dreimal durch den überlauten Luftdruck in mein Ohr: „Denk an die Banane!“ Er stellt mich an den Ausgang des Flugzeugs. Die riesige Fliegertür öffnet sich und es wird weiß. So weiß, dass mir vor Augen schwarz wird.

Das einzig Sichtbare in meinem Umfeld sind Wolken, in allen erdenklichen Formen und Farben. Kurz blitzt der grüne Erdball unter mir auf, als ich benebelt hinunterschaue. 4000 Meter, denke ich, den Brechreiz kontrollierend und spüre wie mich jemand kurzerhand und unüberlegt nach vorne schiebt und hinunterstößt. Und nur noch hilflos schreiend fliege ich durch die dicke Wolkendecke hindurch…

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Das war mein erster Sprung aus einem Flugzeug. Sky-Diving nennt man sowas, damit es „cool“ klingt. Ist es aber überhaupt nicht! Dachte ich, bis ich mich wie ein Vogel schwebend in der Luft drehte. Als ich damals an meinem zweiten Aufenthaltstag in Sydney aufwachte, fragte mich mein Mitbewohner ganz nebenbei: „Kati, morgen Sky diven?“ Schlaftrunken, einer Pro-Contra-Konversation dieser Uhrzeit noch nicht fähig, streckte ich meinen Gefällt-mir-Daumen hoch und sabberte „Haha, na klar“ in mein Kissen. So passieren solche Sachen immer. Schläfrig, betrunken, bewusstlos… Nämlich in einem anderen Zustand als einem solchen, in dem man bei diesen Entscheidungen eigentlich sein sollte. Dinge, die man einfach so tut, ohne dass jemand danach gefragt hätte. Oder es irgendwie cool wäre.

Schlimme Sachen passieren immer

Ich habe mehr idiotischen Schwachsinn in Australien gemacht, als irgendwer in meiner Familie oder unter meinen Freunden oder gar ich selbst, vermutet hätte. Ich wurde in einem Käfig herab getaucht und habe Haien zugewinkt, stand einem Krokodil in einem „Betreten verboten“-Moor gegenüber und bin halbnackt, just mit einem Topf auf dem Kopf bekleidet, in der Küche eines Vier-Sterne-Hotels aufgewacht. Und nun fragt ihr euch – Ist die total bekloppt? Doch zu meiner Verteidigung – all das habe ich seitdem nie wieder getan. Vielleicht bin ich mittlerweile erwachsen geworden oder es war so furchtbar, dass ich es nie wieder kann oder es liegt ganz einfach daran, dass ich mich nicht mehr in einem Land aufhalte, in dem mich keiner kennt. Die Problematik der Ja oder Nein-Entscheidungen liegen meist auch nicht fern anderer, an uns gebundener, Personen.

So stellt sich dieses Scheininstrument auch oft als Klarinette, statt Flöte in einer Beziehung heraus. Fremdgehen. Da kann man so oft man will aus dem Flugzeug springen, diese Entscheidung wird dich noch viel länger mit einem Gewissen verfolgen, als du möchtest. Nur das Schlimme daran ist, zu einem Seitensprung sagt die Menschheit schneller Ja, als zum Sprung aus 4000 Meter Höhe. Kostet ja nix. Einmal das kurze Rein-Raus-Spiel durchziehen und das war es dann auch. Als wäre quasi nichts passiert. So denken einige, aber so einfach ist der Fauxpas nicht zu revidieren oder ad acta zu legen. Vorher wird die Beziehung erst zu einem ungemütlichen Knäuel an Intrigen, Rachefeldzügen, bis hin zum Exitus Letalis. Manchmal findet der Seitensprung auch ein gutes Ende. Aber dieser ist kein unüberlegter Luftsprung, der einer Spontanität der Leichtigkeit des Seins entspringt.

Die Insel der Einzigartigkeit

Das erste Mal Sex. Das mag noch eine ganz andere Liga sein. Da ist alles so spannend, so neu, so geplant oder auch so großartig spontan. Eine schöne erste Erfahrung, die unter uns schon jeder gemacht hat. Ob früher oder später. Aber mindestens genauso wichtig und interessant. Diese Entscheidung wird uns im Teenie-Alter ganz automatisch abgenommen. Wir strömen mit dem Fluss des Erwachsenwerdens auf die Insel der Einzigartigkeit zu. Wer dazu Nein sagt, der ist irgendwie kaputt. Oder sechs Jahre alt.

Daraufhin folgt die erste Zigarette, der erste Job, die erste Wohnung und irgendwann haben wir alles schon das erste Mal getan und erfreuen uns an den kleinen Dingen, die wir nur einmal im Leben machen und die uns dennoch prägen und formen, nämlich zu dem was wir sind. Mal einmal. Mal zweimal. Vielleicht aber auch ein Leben lang…

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„I put my money where my mouth is“

14 Aug

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James Franco machte es wohl in dem schlechtesten Film diesen Jahres vor – Grillz sind de facto Modethema 2013. Dabei ist dieser Trend doch spätestens seit 2006, als Rapper Nelly angab sich mehr auf seine “Schauspielerkarriere” für Rollen wie in Beverly Hills 90210 konzentrieren zu wollen, dahin. Dachte man, aber nun tragen auch Pop-Diven wie Miley Cyrus, Madonna oder Beyoncé den diamant-besetzten Zahnspangenersatz Deluxe als hätte es nie etwas Besseres gegeben. Besonders die AK-47, die Rihannas Gebiß verziert, ist durchaus kritisch zu betrachten.

In den USA wurde auf vier Schul-Districten ein Verbot ausgesprochen, mit der Begründung dass das Tragen von Mundjuwelen zu einem Wettkampf an der Schule ausarten und sich kriminelle “Gangs” formieren könnten, die die Schule zu einem Kriegsschauplatz gestalten würden. Die aktuellere, durchaus friedlichere, Version wurde anhand des Funkelns der Zähne festgemacht, das schnell vom Lehrstoff ablenken ließe. Nicht nur Disziplin spricht dagegen, sondern auch die Geschichte…

Dabei verhält es sich mit den Grillz wie mit Fitness-Studios, Piercings und Tattoos. Sie kamen einst aus der Unterschicht, galten als Domäne von Zuhältern, Schaustellern, Matrosen. Bis das Bürgertum sie als Insignien einer verlorengegangenen Körperlichkeit entdeckte, sodass heute selbst Biedermänner abends in der Muckibude ihre Tribal Tattoos entblößen. Alles nur Auswuchs eines spätkapitalistischen Narzissmus-Wahns?

Aber Grillz bedeuten mehr. Im rauen Klima des Ghettos symbolisieren die Schmuckleisten eine magische Rüstung – und den Willen sich über alle Widrigkeiten hinweg als Individuum in Szene zu setzen. Nicht zufällig waren es Rapper aus den ärmsten Vierteln von New Orleans, die Bling Bling zur internationalen Modewelle machten. „Es ist im Süden Tradition, sich Goldzähne machen zu lassen“, erklärt etwa Rapper Juvenile. „Vater, Onkel, Opa: Sie haben es alle im Mund. Ursprünglich war es ein Zeichen der Armut, ein Behelfsmittel, weil man sich keinen Zahnarztbesuch leisten kann. Bis die Hustler, Zuhälter und Gangster daraus ein Symbol des Respekts machten.“

Doch was sagen die HipHop-Alternativen, die einst Ledermedaillons statt Goldketten propagierten? Hatten gesellschaftlich engagierte Rapper wie De La Soul, A Tribe Called Quest oder KRS-One nicht einst versucht via Ledermedaillons, Perlenketten und Beduinenkleider die HipHop-Couture an das afrikanische „Mutterland“ und eine schwarze „Natürlichkeit“ zurückzubinden? „Wir Schwarzen machen eine Menge, um gesehen zu werden und den mangelnden Respekt, der unserer Hautfarbe entgegengebracht wird, zu kompensieren”, hat Chuck D mal kürzlich erklärt.

Die Schüler aus Texas mit ihren Gold-Spangen würde es kaum jucken, doch sie dürfen nicht. Und so können sie nur die Welle, die frisch auf der “ghettoisierten Pop-Insel” angekommen ist,  begutachten und sich fragen, brauchen wir die Art Respekt überhaupt noch, wenn sie der naive Mainstream á la Spring Breakers oder die stilbewusste-Waffenträgerin Rihanna zugrunde richtet?

Solange lehnen wir uns lieber im wohl-temperierten Whirlpool auf unserer Jacht zurück und gucken uns den wahren Meister der Grillz an, während unsere Zähne klassisch weiß im Glanz des Sonnenscheins erstrahlen.  Yeah, Boi!

http://www.myvideo.de/watch/4610416/Nelly_featuring_Paul_Wall_Grillz

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Im Gespräch mit Marteria

18 Jul

“Grüner Glanz, viel Feuer und jede Menge Wahnsinn!”

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Dieser Mann kann einfach alles. Modeln, kicken, angeln, tanzen, gut aussehen und ach ja RAPPEN! Nicht ohnehin hat es Marteria mit „Lila Wolken“ feat. Yasha & Miss Platnum letztes Jahr auf Platz Eins der deutschen Charts geschafft. Der bescheidene Typ von nebenan, lässt das Segel nie locker. Wir haben Marten auf dem aufgeheizten SPLASH! getroffen, um mit ihm über das erste Tattoo, soziale Projekte in Uganda, gutes Karma und sein Alter Ego Marsimoto zu reden…

Du wirst auch immer bunter. Aus welcher Motivation heraus entstehen deine Tätowierungen eigentlich?

Pure Trotteligkeit. Das erste Tattoo ist auf dem SPLASH! entstanden. Man kann sich hier im Backstage tätowieren lassen und da habe ich gedacht, warum nicht.

Wenn du schon von Trotteligkeit sprichst, scheint dabei ja nichts Gutes rumgekommen zu sein?

Es ist der Name meines Fotografen – Paul Ripke, den trage ich jetzt für ewig auf dem Rücken. Im Gegenzug dessen, muss er das auch mit meinem Namen tun.

Wunderbar, das ist wahre Bromance!

Allerdings, hehe.

Mit Paul Ripke und Maeckes warst du erst kürzlich in Uganda, um das Projekt BLUganda von Viva con Agua zu unterstützen. Was war das für eine Erfahrung?

Sehr besonders auf jeden Fall. Dabei kann man sich bewusst werden, was richtige Werte im Leben sind und was wirklich zählt. Andere Kulturen und Länder sind etwas ganz spannendes und ich bin der Meinung, dass man Schulen, dazu motivieren sollte, dass man Kinder aus der 9. oder 10. Klasse aus kultivierten Ländern wie Deutschland im Form von Projekten in Entwicklungsländer schickt. Dann würden sich die Welt um einiges bessern.

Gerade als Vorbild, dass du ja für viele Kids bist, nimmt diese Reise sicher einen hohen Stellenwert für dich ein oder?

Und wie sie das tut, es geht eben darum aufmerksam zu machen. Viele Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht einmal, dass es so ein Land wie Uganda überhaupt gibt. Wenn man sich gezielt damit auseinandersetzen würde, dann würden viele Sachen ganz anders laufen. Hier wird so vieles als selbstverständlich angesehen. Warum müssen Austauschjahre in den USA stattfinden, wenn sie ebenso nach Uganda gehen könnten? Das wäre schon ein erster Schritt.

Suchst du dir selbst soziale Projekte heraus oder ist es dein Management was da steht und sagt: Mach mal was für´s Karma! Oftmals ist dies ja eine kritische Sache, um den „lässigen Rapper“ zu einer guten Tat zu bewegen. Wie sieht das bei dir aus?

Das ist bei mir gar nicht so. Es gibt keinen Mensch, der einem sagen sollte, tu mal das, um soundso dazustehen. Genauso wenig gehe ich auf Angebote ein, bei denen es unfassbar viel Geld gibt, um in irgend einer Casting-Show in der Jury zu sitzen und Menschen zu beurteilen. Das ist nicht Sinn der Sache. Da steht auch mein Management auf und applaudiert, wenn ich in 0,3 Sekunden sage: Nein. Es geht nicht um Geld, sondern um Leben, Familie, Freundschaft und Zusammenhalt.

Du spricht gern von Familie und Freundschaft. Ist auch das SPLASH! für dich ein Stück davon geworden?

Das SPLASH! ist ein äußerst wichtiger Teil in meinem Leben geworden. Es ist das, wo ich schon immer war. Bisher habe ich es, bis auf einmal, jedes Jahr besucht. Bereits mit 15 Jahren bin ich mit 30 DM in der Tasche, meinem kleinen Zelt und großer Aufregung hingefahren. Ich habe schon vieles mitgemacht auf dem SPLASH! Angefangen vom jugendlichen Wahnsinn bis hin zum großen Act auf der Bühne.

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Heute steht dir definitiv ein großer Spaß bevor. Du bist Headliner und spielst als Main-Act auf der Main-Stage nach A Tribe Called Quest. Wie sehr Wahnsinn ist das für dich? Springst du weiterhin von Level zu Level oder ist das Ziel irgendwann erreicht?

Das ist es nie. Meine Mutter ist Lehrerin und selbst als sie in Rente ging, hat sie noch Fortbildungen besucht. Genauso ist es mit der Musik, es ist harte Arbeit. Wir haben stetig Action abgeliefert und uns diese Position erkämpft. Vor zwei Jahren waren wir Drittletzter von oben, letztes Jahr mit Marsi Co-Headliner und nun sind wir da wo wir stehen und werden das auch nutzen.

Vor dem Interview habe ich euren einstündigen Soundcheck mitgenommen. Wie es aussah, wird es viele Überraschungen und ein bisschen Marsimoto geben?

Oh ja, wir haben viel Action geplant. Es wird grünen Glanz, viel Feuer und Support von MC Fitti geben. Wir wollen es heroisch und emotional…

Geilo, wir freuen uns. Letzte Frage: Was passiert, wenn nichts mehr geht? Welche Karrierepläne kommen noch?

Reisen, Angeln, Familie. Und natürlich Präsident vom F.C. Hansa Rostock werden. Das wird mein nächstes großes Ziel!

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