You melt my ice cream

Ferropolis-

Ankunft bei 36° c, vollem Zeltplatz und warmen Bier lassen erst einmal die Mundwinkel nach unten klappen, aber sobald alles steht, stehen auch wir und machen uns auf zum legendären Hangar. Rein in den Shuttlebus und raus aufs Festivalgelänge. Dort schnuppern wir die ersten frische Klänge von DELPHIC, die sich von den Menschenmassen nicht beeindrucken lassen und ihren Sound von „Doubt“ einbandfrei über die Gemini-Bühne bringen. Hochmotiviert gehts weiter zum Big-Wheel-Stage ins Elekro-Geflüster. Hier feiert BEN KLOCK ordentliche Vibes und wird von verkleideten Karneval- Fans angejubelt. Nettes sowohl für die Ohren als auch für die Augen. Leider lässt die Running Order kaum Zeit zu atmen, denn partout hat man das Gefühl etwas zu verpassen und … THE XX – Schnell, Platz in der Crowd auf dem Main-Stage sichern, kurz warten und da sind sie schon. Heißgeliebt, aber nicht soooo überragend wie ich finde. Ebenso hätte man Pappfiguren aufstellen und Playback abspielen können. Naja, Hauptsache nicht verpasst. Viel spannender ist der darauf folgende Act: FOALS. Grandios, alles stimmt. Die Band zieht das Publikum mit ihrem Math-Rock- lastigem Stil unmittelbar in den Bann. Spanish Sahara entpuppt sich als absolut tanzbar trotz der ruhigen melancholischen Einflüsse. Das Herz will bleiben, aber der Körper muss weiter zu AUTOKRATZ und sich zum King of Africa- Remix auslassen. Getanzt und gewackelt wird überall, kein Mensch steht still, alles ist in Bewegung. Außer bei solchen, die zu tief ins Glas oder zu hoch in die Sonne geguckt haben, denn irgendwo schläft immer irgendwer, selbst der „Sleepless-Floor“ hat mit seinem Namen zu kämpfen. Schlaf ist für uns jedenfalls erst einmal Nebensache. Am Desperados- Beach sehen wir Feierwütige auf einem Floss und Badewütige im Wasser dem Sonnenaufgang entgegenschwimmen, passend dazu erfrischen BONAPARTE mit Wasserpistolen das Publikum. Bevor es zu RICARDO VILLALOBOS geht, trinken wir einen Chai-Tee im Indian-House of Relaxing und lassen uns milde Shisha- Gerüche um die Nase wehen. Es ist nahezu 6.30 – der erste Melt-Tag ist um… außer für die Sleepless- People natürlich. Wir kehren erschöpft zu den Zelten zurück, wo uns unsere Camping-Nachbarn bereits mit ihrem Megaphon erwarten: „Guten Morgen!“ Whoooat? Was ist da los „Schon wach oder immer noch wach?“ ist meine Frage. „Noch wach.“ deren Antwort. Na gut, früher oder später werden sie auch auf ihren Stühlen einnicken und bis dahin sind meine Schafe im Schlaf  schon 100 Mal über den Zaun gesprungen…

Der nächste Tag beginnt schweissgebadet. Im Zelt sind geschätze 80°c. Sauna-  Nein, danke! Ab zu den Duschen, aber hier ist auch die Hölle los. Anstehen – Nein, danke! Also wird unter dem Wasserhahn im Freien geduscht, funktioniert super und erfrischt extrem. Ein wirklich belastendes Problem auf diesem Zeltplatz bei eigentlich wunderbarem Sonnenschein ist, dass es keinen Schatten gibt. Ein Pavillon ist unabdingbar. Aber was tun wenn keiner vorhanden ist? Müllsäcke über Zelte spannen hilft oder Regenschirme über den Kopf halten oder im See stehen und mit nassen Klamotten einwickeln. Also, Lösungen gibts immer und an die halten wir uns bis es Abend wird und wir uns wieder dem Programm-Plan widmen. Erster Act: HURTS. Hmmm, okay… ähnlich wie The xx. Was soll man machen, weiterziehen! Das Intro-Zelt wird von DARWIN DEEZ bespielt. Schon viel besser. Eine Bühneschau mit Hip Hop- Tunes und eine glasklare Stimme vom Radar- Detector persönlich werden geboten. In jeden Fall sehenswert. Next one: Jamie T, oh my dear, awesome. Tanzen, tanzen und nochmals tanzen. Noch kurz beim genialen MIIKE SNOW und dann zu mir unbekannten DJ SHADOW zurück zum Main- Stage. Aber dieser bleibt aus. Stattdessen wird CHRIS CUNNINGHAM vorgezogen. Just die Menschenmassen überzeugen uns und wir warten… und warten… eine ganze Stunde passiert nichts. Ich werde ungedulgig und miesepetrig. Nicht mal mehr Musik wird gespielt. Der Main- Stage, die größte Bühne von allen, liegt komplett auf Eis. Fehlanzeige! Aber dann lässt sich doch noch Chris Cunningham blicken und es kann losgehen – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Meiner ist es nicht. Ich empfinde sowohl musikalisches und noch viel mehr visuelles als alptraumerregend und penetrierend. Sein Konzept „Bild und Ton als untrennbare Einheit“ mag tatsächlich aufgehen wie man auch bei seinen Videos für Björk oder Aphex Twin sehen kann. Aber meine Frustation und Demotivation können die cunninghamsche Bildästethik nicht wirklich aufsaugen sondern nur ausspucken. Brechreiz. Toiletten. Okay, jetzt ist wohl die Zeit für das stille Wasser eingetreten, dass hier mittlerweile schon einige literweise zu sich nehmen. Aber weiter gehts nichtsdestotrotz, die Running Order ruft zu actionreichen Taten auf. Nächster Zapfenstreich: CHROMEO plärren schon aus meterweiter Entfernung „Needy Girl“. Whoop whoop! Die Electro-Funk-Vibes stimmen zum Köpfe schütteln an und die Partyanimals füllen die Halle. Wir sind wieder drin, ich bin wieder am Start und weil es so gut war gehts gleich weiter mit A-TRAK und und und…

Sonntag – 3 h Schlaf, 2 Kopfschmerztabletten, 1 Dusche. Der Tag beginnt böse und verkatert. Aber nach und nach schüttet der Körper freiwillig Adrenalin aus. Wenn man sich in Bewegung hält, sei es ein Kopfstand oder Fange- Spielen auf dem Zeltplatz, dann wird das und spätestens dann wissen auch die Hormone wo sie hinmüssen – und zwar zum Hangar! Ein Melt-Graffiti wird noch eben auf den Arm gesprayt, damit auch jeder weiß wo wir sind und dann gehts zu BROKEN BELLS, die den letzten Festivaltag erst mal geschmeidig einklingen lassen. Wir wollen noch mehr Krach und da sind wir bei TURBOSTAAT gerade richtig. Leider nur zu spät. Das Intro-Zelt platzt aus allen Nähten, da gibts kein raus und rein mehr. Also begutachten wir das Spektakel durch die Zelteingänge mit Blick auf die Bühne. Es ist eine extrem lebendige Show, die die Jungs da liefern. Das macht gute Laune und Lust auf mehr – und nun ist es auch schon soweit für den absoluten Hauptact des Melts: MASSIVE ATTACK. Man hat das Gefühl als wären alle 20.000 Festivalgäste versammelt und auf der Mainstage als Komplettpaket zusammengeschnürt. Die Trip- Hop- Band rauscht auf die Bühne und es wird gefeiert. Alle sind eins mit der Musik und zappeln friedlich zu den seichten Klängen, die mehr und mehr animieren und die Menschen durchdrehen lassen. Leider bekomme ich nicht soviel mit wie gewünscht, aber dieses unbeschreibliche Extremum an Leidenschaft für die Sounds geht nicht verloren. Es ist ein bisschen wie in einer Endlosschleife zu hängen, nur das man aus dieser nicht mehr raus will. Der Abend geht noch lange weiter, keiner will gehen. Wir taumeln nach diesem wunderbaren Abschiedskonzert zum Sleepless vor und feiern mit der aufgehenden Sonne noch bis zum Schluss weiter. Ein Blick auf die Uhr und das kaputtgefeierte Outfit sagen: 9uhr. Der Akku ist leer, wir wandern zurück zum Zeltplatz. Ein letztes Mal laufen wir den schönen bierflaschenübersäten Weg am See zurück zum Zelt und feiern mit unseren britischen und schwedischen Nachbarn die Abrissparty auf dem „Wohngelände“… ein Beweis für jedermann das die Extase bis ins Kleinste ausgekostet wurde. Danke Melt, wir sehen uns 2011!

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2 Gedanken zu “You melt my ice cream

  1. Hey Katinka. Guter Eintrag. N bisschen lang, und jede Band abgearbeitet, aber schön zu lesen. Freu mich auf deinen nächsten Post! =)

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  2. Und ich bin auch dabei!!!! Das ist Fakt!!
    wieder einmal ein super Text, es macht Spaß sie zu lesen.
    Freu mich schon auf mehr von dir!!

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