„I put my money where my mouth is“

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James Franco machte es wohl in dem schlechtesten Film diesen Jahres vor – Grillz sind de facto Modethema 2013. Dabei ist dieser Trend doch spätestens seit 2006, als Rapper Nelly angab sich mehr auf seine „Schauspielerkarriere“ für Rollen wie in Beverly Hills 90210 konzentrieren zu wollen, dahin. Dachte man, aber nun tragen auch Pop-Diven wie Miley Cyrus, Madonna oder Beyoncé den diamant-besetzten Zahnspangenersatz Deluxe als hätte es nie etwas Besseres gegeben. Besonders die AK-47, die Rihannas Gebiß verziert, ist durchaus kritisch zu betrachten.

In den USA wurde auf vier Schul-Districten ein Verbot ausgesprochen, mit der Begründung dass das Tragen von Mundjuwelen zu einem Wettkampf an der Schule ausarten und sich kriminelle „Gangs“ formieren könnten, die die Schule zu einem Kriegsschauplatz gestalten würden. Die aktuellere, durchaus friedlichere, Version wurde anhand des Funkelns der Zähne festgemacht, das schnell vom Lehrstoff ablenken ließe. Nicht nur Disziplin spricht dagegen, sondern auch die Geschichte…

Dabei verhält es sich mit den Grillz wie mit Fitness-Studios, Piercings und Tattoos. Sie kamen einst aus der Unterschicht, galten als Domäne von Zuhältern, Schaustellern, Matrosen. Bis das Bürgertum sie als Insignien einer verlorengegangenen Körperlichkeit entdeckte, sodass heute selbst Biedermänner abends in der Muckibude ihre Tribal Tattoos entblößen. Alles nur Auswuchs eines spätkapitalistischen Narzissmus-Wahns?

Aber Grillz bedeuten mehr. Im rauen Klima des Ghettos symbolisieren die Schmuckleisten eine magische Rüstung – und den Willen sich über alle Widrigkeiten hinweg als Individuum in Szene zu setzen. Nicht zufällig waren es Rapper aus den ärmsten Vierteln von New Orleans, die Bling Bling zur internationalen Modewelle machten. „Es ist im Süden Tradition, sich Goldzähne machen zu lassen“, erklärt etwa Rapper Juvenile. „Vater, Onkel, Opa: Sie haben es alle im Mund. Ursprünglich war es ein Zeichen der Armut, ein Behelfsmittel, weil man sich keinen Zahnarztbesuch leisten kann. Bis die Hustler, Zuhälter und Gangster daraus ein Symbol des Respekts machten.“

Doch was sagen die HipHop-Alternativen, die einst Ledermedaillons statt Goldketten propagierten? Hatten gesellschaftlich engagierte Rapper wie De La Soul, A Tribe Called Quest oder KRS-One nicht einst versucht via Ledermedaillons, Perlenketten und Beduinenkleider die HipHop-Couture an das afrikanische „Mutterland“ und eine schwarze „Natürlichkeit“ zurückzubinden? „Wir Schwarzen machen eine Menge, um gesehen zu werden und den mangelnden Respekt, der unserer Hautfarbe entgegengebracht wird, zu kompensieren“, hat Chuck D mal kürzlich erklärt.

Die Schüler aus Texas mit ihren Gold-Spangen würde es kaum jucken, doch sie dürfen nicht. Und so können sie nur die Welle, die frisch auf der „ghettoisierten Pop-Insel“ angekommen ist,  begutachten und sich fragen, brauchen wir die Art Respekt überhaupt noch, wenn sie der naive Mainstream á la Spring Breakers oder die stilbewusste-Waffenträgerin Rihanna zugrunde richtet?

Solange lehnen wir uns lieber im wohl-temperierten Whirlpool auf unserer Jacht zurück und gucken uns den wahren Meister der Grillz an, während unsere Zähne klassisch weiß im Glanz des Sonnenscheins erstrahlen.  Yeah, Boi!

 

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