Blood Red Shoes

Berlin ist für die beiden aus Brighton stammenden Musiker Laura-Mary Carter und Steve Ansell eigentlich nichts Neues, schon seit Jahren sind sie hier stetig auf Tour. Dafür ist es umso spezieller, dass sie sich ausgerechnet im Kreuzberger Kiez in einem leergefegten Tonstudio einquartiert haben, um ihr selbstbetiteltes Album „Blood Red Shoes“ unter Eigenregie zu produzieren. Unweit davon stellten sie dieses gestern endlich in großer Manier im Astra Kulturhaus einem ungeduldigen Publikum vor…

Als Support hatten die Blood Red Shoes ihre Freunde The Wytches mit vor Ort, welche ihre psychedelischen Riffs geübt durch die Halle strömen ließen und die musikhungrigen Menschen dabei in eine Art kafkaesken Zustand versetzten, der den trashigsten Parts aus Quentin Tarantions „From Dusk Till Dawn“ hätte entnommen sein können. Es fühlte sich leider ein bisschen wie auf einer Halloween-Party mit Augapfel-Bowle und blutverschmierten Wänden an, war aber dennoch irgendwie treffend.

Blood+Red+Shoes++twin+peaks+sho

Die Blood Red Shoes betraten kurz darauf stillschweigend die Bühne, auf der mehrere Glühbirnen vor einem samtroten Vorhang von der Decke hingen. Die Atmosphäre knistert, als sie sich schließlich an ihre Instrumente setzten und den Opener „Welcome Home“ ihrer neuen Platte erklingen ließen. Das Publikum ist schlagartig wach und dreht, springt und wendet sich. Ganz allein zwei Menschen schaffen es in Sekundenschnelle eine von Hunderten gefühlte Halle in ihren Bann zu ziehen und das mag schon was heißen.

Sowohl der Bühnenaufbau und die visuellen Eindrücke, als auch die ungehemmte Art Musik zu präsentieren, tragen dazu bei den Blood Red Shoes ewige Treue zu schwören. Im Gegenzug schenken sie diese nach all den Monaten, die sie in Berlin verbracht haben, auch uns: „Berlin is close to our heart“, schwörte Laura-Mary und knipste nach dem letzten Song „Heartsink“ noch einige Fotos mit ihrer Kamera von uns.

Aber so schnell waren sie dann doch nicht weg, schließlich folgten noch drei Zugabe-Songs, bei denen sich Steve Ansell und Laura-Mary auf die Drums stellten und sich restlos dem Rausch der Gefühle hingaben. Und weil das nicht genug ist, wirft sich Steve abschließend noch zum Stage-Diven in das jubelnde Publikum, welches in verliebt durch die Halle zurück auf die Bühne trägt und mit Taschentüchern winkt, als die Glühbirnen dieses Abends vollständig erloschen sind.

Playlist:

  1. Welcome Home 
  2. I Wish I Was Someone Better 
  3. Don’t Ask 
  4. Speech Coma 
  5. Everything All At Once 
  6. It Is Happening Again 
  7. This Is Not for You 
  8. Cigarettes In The Dark 
  9. Cold 
  10. The Perfect Mess 
  11. Say Something, Say Anything 
  12. Black Distractions 
  13. An Animal 
  14. Light It Up 
  15. Heartsink 

Zugabe:

  1. It’s Getting Boring by the Sea 
  2. Red River 
  3. Je Me Perds 

 

 

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