M.I.A. ist zurück und rechnet mit „Borders“ ab

Flüchtlinge in Booten, Flüchtlinge an Grenzen, Flüchtlinge ohne Hilfe. M.I.A. spricht mit „Borders“ ein politisches Thema an, welches auf den bitteren Nerv der Zeit trifft. In ihrem neuen Musikvideo geht es nicht um Parties bis in die Puppen, sondern um die Wahrheit, die keiner wahrhaben will.

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Neue Single „Borders“ © M.I.A.

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Palina & Co sprechen bei WIRGEFÜHL über eigene Flucht

Das Foto-Projekt „WIRGEFÜHL“ zeigt Flüchtlinge, die vor Jahren oder gar schon Jahrzehnten nach Deutschland kamen und sich mittlerweile ein erfolgreiches Leben aufgebaut haben. Dennoch hatten sie nicht immer eine gute Zeit und berichten über ganz intime Momente ihres Lebens – Ein Leben auf der Flucht, das ist es was „WIRGEFÜHL“ ausmacht.

Flüchtlinge verdienen Würde

In Tagen wie diesen, lässt sich nicht mehr wegsehen. Es betrifft uns alle, auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen. Die momentane Flüchtlingskrise hat ein Ausmaß erreicht, was in Jahrzehnten nie da gewesen ist. Die Politik wurde erst wachgerüttelt, nachdem die Lawine sie überrollt hat. Viel zu spät kam die Hilfe und nun ist zwischen Empfang, Pädagogen und Zeltlager eine enorme Durchhaltekonsequenz gefragt. Viele helfen mit Kleidung und Amtsgängen aus oder nehmen Flüchtlinge bei sich zu Hause auf, um ihnen ein würdiges Leben zu sichern. Doch was bedeutet das für die Flüchtlinge selbst? Wie sieht es in deren Köpfen aus?

Den Kampf des Überlebens gewonnen

Das Projekt „WIRGEFÜHL“ widmet sich diesen Fragen und trifft dafür Menschen, die vor Krieg und Elend nach Deutschland geflüchtet sind. Alle von ihnen sind längst integriert, haben einen festen Job, einige von ihnen sogar Karriere gemacht. Darunter sind Menschen wie du und ich. Sie haben nur ganz andere Situationen durchmachen müssen. Den Kampf des Überlebens haben sie gewonnen und sprechen nun darüber.

„Galaxie ohne Anarchie“

Palina Rojinski, Thomas Kretschmann, Hadnet Tesfai oder Amiaz Habtu – alle haben die Flucht auf ihrem eigenen Weg erlebt und wurden dadurch ihr ganzes Leben geprägt. Palina flüchtete mit ihren Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion und sagt dazu: „Ich hatte überhaupt kein Bild vor Augen – nur Freiheit. Ich dachte, Deutschland sei wie eine andere Galaxie ohne Anarchie, in der man nicht mehr unter Repressalien lebt.“ Es ist eine Geschichte, die auch die Geflüchteten, die wir heute empfangen, zu erzählen haben. Ein Leben, welches schon alles erfahren hat und endlich einen Neuanfang beginnen darf.

The Libertines: Schwäche ist Stärke

Am vergangenen Wochenende haben sie sich das erste Mal seit ihrem Zusammenschluss auf großer Bühne in Deutschland blicken lassen. Das Lollapalooza hätte das perfekte Sprungbrett für ihren Neuanfang werden können, doch Pete Doherty litt unter gesundheitlichen Problemen. Diese gingen auch am Publikum des Mainstream-Festivals in Berlin nicht vorbei.

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The Libertines 2015 @ Universal Music

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Twin Peaks: Dale Cooper lädt zu Kaffee & Kuchen

Die Kult-Serie aus den 90ern Jahre lädt ab August zum persönlichen Dinner nach London ein. Wer einem „verdammt guten Kaffee“ genauso wenig wie FBI-Agent Dale Cooper widerstehen kann, sollte sich schon jetzt einen Tisch in dem legendären Restaurant, welches bald eröffnet wird, reservieren!

Mystery, Seifenoper und Kaffeekränzchen zugleich – während das nächste Opfer seinem Mörder in die Hände fällt, startet der legendäre Dale Cooper, dargestellt von Kyle MacLachlan, mit einem wirklich sehr guten Kaffee und vermutlich einem wunderbaren Stück Kirschkuchen entspannt in den Tag. Nur so lässt es sich vernünftig als FBI-Agent in einer Kleinstadt wie Twin Peaks arbeiten, ganz klar.

Da kommt ein Restaurant mit dem extraordinären Namen „The Owls Are Not What They Seem“ doch wie gerufen, schließlich hat sich jeder Zuschauer vor dem Fernseher schon einmal gefragt, wie der Kaffee oder Kuchen von Agent Cooper wohl so schmecken mag, wo er doch permanent davon schwärmt.

Diese Frage soll nicht länger Rätsel bleiben, denn nun könnt ihr euch von den appetitanregenden Delikatessen selbst überzeugen. Wer sich einen Tisch in dem Twin Peaks-Restaurant sichern möchte, kann sich hier anmelden. Zunächst wird man dann auf eine Warteliste gesetzt, denn vorerst ist das kulinarische Happening nur vom 27. August bis zum 17. Oktober geplant.

Inzwischen steht fest, dass 2017 die dritte Staffel ausgestrahlt wird, die Dreharbeiten wiederum sollen noch im September beginnen, gab Produzent Mark Frost kürzlich bekannt. Der verschobene Staffelstart ohne Filmemacher David Lynch sorgte erst für Furore bei den Fans. Doch mittlerweile ist bekannt, dass es nach 25 Jahren Drehpause zu einigen Unstimmigkeiten gekommen ist und David Lynch nun doch ganz traditionell den Regiestuhl für Twin Peaks besetzen wird.

Ob einer der Kult-Figuren im neuen Restaurant höchstpersönlich anzutreffen sein wird, bleibt noch bei einer Tasse Kaffee abzuwarten. In jedem Fall habe ich mich aber schon mal auf die berühmte Warteliste setzen lassen.

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Fotos: tumblr

„Gentrifizierung, ich fick´ deinen Vater“

Lassen wir ein vergangenes Ehrendenkmal der Graffiti-Szene in unseren Köpfen Revue passieren, erscheint vermutlich ein nicht allzu altes, aber dennoch legendäres Gesamtkunstwerk vor unseren Augen. Genauer gesagt, denken wir an die Cuvry-Brache, die einst von dem Künstler Blu verziert wurde, um der Gentrifizierung an genau jenem Ort den Kampf anzusagen.

Doch trotz aller Protestaktionen, ob in Form von Kunst oder Kritik, findet die Bebauung der großflächigen Brache in der Cuvrystraße nun trotzdem statt. Und dafür müssen die vielen Bewohner des kleinen selbst bebauten Kiezes unfreiwillig weichen. Einige davon haben ihren Wohnort nun in Bauwägen um die Straße herum verlegt oder sitzen aktiv mit Transparent und Flagge vor der Brache und wollen den Investoren damit illuster ins Gesicht spucken.

Ende letzten Jahres schwand das Kunstwerk dann plötzlich und kein Mund stand still. Wir fragten uns, waren es Investoren, die dieser Ära ein Ende setzten? War es Bürgermeister Michael Müller (himself natürlich), dessen Amt gerade bekannt wurde? War es eine neue Crew, die auf Kriegsfuß mit Blu stand? Oder war es sogar Blu himself, warum auch immer?

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Stück für Stück schwand das Mural und letztlich blieb nur ein Protest-Mittelfinger zu sehen. Doch auch dieser wich einige Tage darauf, zurück blieb einzig und allein eine schwarze, triste Wand. Gerüchten zufolge, soll Blu das Bepinseln des Mauerwerks selbst angeordnet haben. In seinem Blog schrieb er dazu später:

„In 2007 and 2008 i painted two walls at Cuvrystraße in Berlin (with the support of Lutz, Artitude and its volunteers). In 2014, after witnessing the changes happening in the surrounding area during the last years,
we felt it was time to erase both walls“

Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen, bis dieses Mural mit neuem Anstrich und (wir wagen mal zu sagen) altem Statement an dem befleckten Investor-Mauerwerk entstanden ist. Wer hier so rege die Dose gezückt hat, wissen wir selbst noch nicht. Aber eines ist sicher: Sofern Blu nicht dahinter steckt, wird er Dutzende von Freudentränen weinen, als auch lachen.

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Neues Video von CARIBOU – Musik für die Herzen

Passend zu warmer Luft, funkelnden Sonnenstrahlen und guter Laune präsentiert uns CARIBOU sein neues Video, welches bunt und metaphorisch für den Lauf des Lebens steht. Oder so.

Schaut rein und lehnt euch im Park, auf der Bank oder wo auch immer ihr gerade steht oder sitzt zurück und genießt den aufkommenden Frühling mit dieser tollen Musik:

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Nachts um halb 4

Nachdem ich seit einigen Tagen stets bewusstlos ins Bett kippe, aus übernächtigten Gründen nicht vor um 15 Uhr aufwache und den Postboten für einen Mitarbeiter der Müllabfuhr halte, ist klar – das Nachtleben hat mich wieder.

In sekundenschneller Geschwindigkeit bin ich vom Himmel in die Hölle gefallen, sodass mir bei dem bloßen Gedanken schon kotzübel wird. Der Tag hat mich wieder in die Nacht befördert und wenn ich mich so umsehe, gehören mehr Ringe als Augen ohnehin schon seit geraumer Zeit zum Must Have im Berliner Business.

Allerdings beflügelt mich ein gewisser Unmut, was die Arbeit im Dunkeln angeht. Nach vielen Jahren eines harten Trainings, welches aus Bieren in Rekordzeit öffnen, Kronkorken-Olympiaden und trinkwütigen Menschentrauben besteht, mutierst Du irgendwann zum Tiger im Käfig, der nicht mehr anders kann, als sich tänzelnd im Kreise zu drehen. Und trotzdem schleppst Du Dich immer wieder an den Tresen, setzt ein übermotiviertes Lächeln auf und machst munter weiter.

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Warum auch nicht? Die Bar bietet Dir schließlich alles, um „Tausend und eine Nacht“ größenwahnsinnig zu überleben – Sex, Drugs and Rock´n´Roll. Du hast die Macht, denn Deine Freunde halten Dich für eine Art Gottheit. Du bist in ihren Augen Türsteher, Kassierer, Getränkegeber und Animateur zugleich. Sie wissen Du arbeitest, also werden sie ihre Abendplanung spontan verwerfen, um in Deinen Club kommen. Schön, denkst Du Dir. Aber mit dem ersten Anruf, der eine +1 fordert, ist es meist nicht getan.

Es wäre nahezu perfekt, wenn die trinkwütige Meute an der Bar sich selbst bedienen könnte und Du währenddessen Deine Bekannten galant an der Berghain-Schlange vorbeiführen könntest. Danach mit ihnen eine Clubbesichtigung unternimmst und währenddessen ihre Durstgedanken telepathisch in ein Getränk umwandeln könntest. So sollte es sein, ist es aber nicht. Denn Du musst ja arbeiten – zu doof.

Stattdessen gibst Du Dich dem Flaschenöffner und dem nächsten Schrei nach Bier an der Theke hin. Wie eine Gewitterwolke zieht der Sturm über Dich her und will kaufen, trinken, kaufen – bis Deine Kollegen Dir sanftmütig ins Gesicht schlagen und einen nett dekorierten Schnaps vor die Nase stellen. Dann geht der Vorhang an der Bar kurz zu und Du stehst da, trinkst und bist einen Moment lang frei.

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So langsam begibst Du Dich auf das Niveau der Gäste und fängst an sie zu mögen. Wie sie da so lustig stehen, mit ihren Scheinen wedeln und versuchen immer der Erste am Drücker zu sein. Es ist ein bisschen wie bei der alten TV-Show Ruck Zuck – wessen Wortkonstellation als Erstes in Dein Ohr dringt, dessen Gaumen kann sich glücklich schätzen. Gäste, die sich in einer Buchstabensuppe vor Dir übergeben, haben leider keine Chance und bekommen stumm ein Wasser gereicht. Das sind die Regeln und die müssen befolgt werden – sonst ist das GAME leider OVER.

Irgendwann sind dann endlich alle betrunken und der Feierabend schaut fröhlich, als auch ein bisschen vernebelt um die Ecke. Du trinkst noch ein paar Schnäpse und schmiedest „Tagespläne“ mit deinen Kollegen. Wenn die Sonne scheint, könnte man ja noch in den Park gehen und apathisch auf der Wiese sitzen. Wenn es grau ist, geht’s ins Kino oder in den nächsten Club. Schlaf ist dabei leider keine Option.

Und wo auch immer es die Karawane hinziehen wird, Du weißt in jedem Fall, dass Du betrunken zu Hause (oder woanders) in Klamotten (oder ohne) aufwachen und Dich fragen wirst, wer gestern die Bar zugemacht hat und wo das Trinkgeld, für welches Du Dein weißes Shirt mit einer Flasche Jägermeister übergossen hast, wohl in der letzten Nacht gelandet ist. Das einzig Gute an dieser Tatsache ist, dass die Getränke mal wieder nichts gekostet haben.

#leaksoftheweek

Trotz des derzeitigen Sonnenscheins, kommt immer mal wieder eine dezent aufgeblasene Gewitterwolke am Himmel zum Vorschein. Allerdings nicht draußen vor der Tür, sondern in den Tiefen des World Wide Web. Die Infomationsreichweite ist groß und mächtig, das ist nichts Neues. Doch woher kommen ihre Ursprünge und wer versteckt sich hinter den Quellen? Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja nicht mal eine Minute, ohne das sich das verflixte Internet-Imperium auf dem Screen durch das Auge, über die Synapsen und bis hin in die unbekanntesten Windungen des Gehirns ausdehnt. Das alles geschieht quasi viral durch belustigte Verlinkungen von Facebook-Usern, völlig überarbeiteten Trittbrettfahrern der Blogospähre und natürlich durch Katzen, die unbeaufsichtigt auf der Tastatur rumhopsen.

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Woraus resultiert die so rasant aufkommende Blogger-Blasphemie der Neuzeit? Und wie konnte es zu solch einem langfristigen Trend unserer Internet-Community kommen? Weiß der #beefträger überhaupt davon? Ich vermute es liegt genau an einem längst in Vergessenheit geratenen Phänomen – dem imaginären Netztroll namens Leak. Wir alle wissen spätestens seit Edward Snowden, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Für Diejenigen, die es aufgrund geistig oder körperlicher Abwesenheit noch nicht mitbekommen haben, denen sei an dieser Stelle die wissenschaftlich fundierte Definition durch Wikipedia bereitgestellt:

>Leak (englisch für LeckLochundichte Stelle) bezeichnet im deutschsprachigen Raum die inoffizielle Veröffentlichung von Informationen, die nicht zu diesem Zweck vorgesehen waren. Dies können interne Dokumente von Firmen, geheime Verträge, vertrauliche Verhandlungspapiere oder Ähnliches sein.<

Und nun verfolgt mich dieser, wenn auch in die Jahre gekommene, Begriff tatkräftig auf meinem Weg durchs Internet. Die Rate an Posts, Verlinkungen und heimtückischen Katzen ist immens und daher beschloss ich kurzerhand eine neue Rubrik einzuführen. Diese soll sich allerdings nur mit politisch korrektem Content befassen und sieht daher davon ab, sich richtungsweisend, meinungsbildend oder gar förderlich auf den Verstand auszuwirken. Und wer jetzt sagt: „Voll nicht neu und so.“, guckt es sich ja eigentlich trotzdem an. Trotz des derzeitigen Sonnenscheins. Nicht wahr?

Leaks of the week!

1. #moneyboyleaks – Intellekt vs. Swag

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2. #cindycrawfordleaks – Wer braucht schon Photoshop? 

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3. #fiftyshadesofgreyleaks – Von der Berlinale zum Online-Stream

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Jan Böhmermann „auf dem Weg in den Showolymp“

 

Einst vertrieb sich der große blasse Junge als Nischen-Journalist bei Die Norddeutsche seine Zeit, um recht schnell festzustellen, das er wohl eher zum polarisierenden Spaßmacher der Fernsehindustrie auserkoren schien, statt längst hinfällige Recherchen zu betreiben, mit welchen sich heutzutage kaum noch jemand befassen mag.

Somit wechselte er als schlecht ausgeleuchteter Moderator zu Radio Bremen und erhielt nur ein paar Anläufe darauf seine eigene Unterhaltungsreihe „Lukas´ Tagebuch“, mit der die erste Klageschrift bei ihm (oder vielmehr noch ins Hause des konventionellen Westdeutschen Rundfunks) herein flatterte. Dumm gelaufen, könnte man meinen, doch bei genauerem Hinsehen wird klar, Jan Böhmermann gelingt es sogar aus Markus Lanz die intimsten Wünsche zu prügeln ohne impulsive Jiu Tsu-Meisterschaften auf der Bühne austragen zu müssen.

Dank seines satirischen Daseins, dass er als sein Alter Ego Rüdiger Alt in der Sendung Harald Schmidts auf dem Ersten zum Besten gab, stellt sich die Theorie heraus: Jan Böhmermann ist ein Feuerwerk, welches bei halbherzigem Anzünden vermutlich Schaden anrichten könnte. Eben jene Annahme hat er schon auf vielen Ebenen und (Radio-)Sendern zur imaginären Showeinlage werden lassen.

Mit Sack und Klaas Heufer-Umlauf im Gepäck begann eine Reise durch Deutschland, wo sie hier und dort ihre Lesung „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ in den verschiedensten Kaschemmen mit Live-Sexappeal servierten. Eine Art Tristan und Isolde-Farce des modernen Theaters. Auch die radioeins-Show „Sanft und Sorgfältig“, die er mit Olli Schulz ins Leben rief, ließ immer eine gewisse Erotik in den Ohren der Hörer erklingen (also wenn nicht bei mir, bei wem dann?).

Doch spätestens mit Roche & Böhmermann schien das sexy Abendprogramm im ZDF Neo gesichert, denn die „Talkshow ganz im Stil des frühen Fernsehens, nur neu gemacht“, in der Charlotte Roche und Jan Böhmermann rein investigativen Journalismus nach strengstem Konzept befolgten, schuf zumindest zu Beginn auf dem jugendlich ausgerichteten Sender rege Anteilnahme, sogar bei dem Publikum. Dennoch gelang der eigens von Studenten produzierten Sendung nie der Durchbruch. Auch mit Jan Böhmermann nicht, was mich kurze Zeit traurig stimmte (an dieser Stelle folgt ein Schweigeminute).

Ab heute jedoch folgt er dem Weg in den Showolymp. Der große blasse Junge von nebenan hat diese einzigartige Inselbegabung (Anm. der Redaktion), die ganz neue Dimensionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schafft. Einer gegen alle, auf allen Ebenen und Kanälen. Gegen Tote Hosen-Sänger Campino, gegen Rapper wie Bushido und Haftbefehl, gegen die Pegida-Anhänger oder den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Böhmermann gegen den Rest der Welt. Moment, es gib Ausnahmen – Das schöne Publikum und der überaus coole Shiny Floor.

Das ZDF braucht Böhmermann, um sich jung zu machen. Denn zugegebenermaßen hat es das bei Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf verpasst, Pro Sieben dankt!  Wiederum mischt  Jan Böhmermann die Karten neu und bringt Jung und Alt am Pokertisch zusammen. Und um den Fullhouse smart ausspielen zu können, hat er den Sprachwissenschaftler William Cohn als seine alte Liebe und das Eins Zwo Rap-Urgestein Dendemann als seinen neuen Geliebten auf dem Zweiten mitgebracht. Das NEO Magazin Royale, ein credibiler Spaß mit Pop- und Pornokram. Jetzt neu im ZDF!

7 Tage Fashionweek im Nervenkostüm

Die Winteredition der Fashionweek in Berlin war diesmal fabulöses Trendtheater statt Modemesse, bei der scheinbar jeder dazu aufgerufen war, seinen Lifestyle auf der Bühne zu präsentieren. Schon am Sonntag ging es mit der Opening Party der Dandy Diary-Blogger exzessiv einher und die einst aufgekommene Stimmung mochte bis Samstag zur Closing Party einfach nicht abreißen. Aufgrund dieser Vielzahl modischer Ereignisse haben wir die Fashionweek einmal im Wochenrückblick für euch zusammengefasst.

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Sonntag

Den Modetanz gaben zwei Herren frei, die schon fast legendär für ihre stilsicheren Events im Rahmen der Fashionweek sind. Eröffnet wurde diese von DANDY DIARY in der Möckernstraße 120 unter dem Motto „Winter of Love“, bei der nicht nur der Hippie-Opa Rainer Langhans, sondern auch Gäste mit „Schlangenleder und Schafsfellen, Achselhaaren und fetten Schnauzern, Schlaghosen und Fransenlederjacken, indischen Mantra-Gesängen und Psychedelic-Rock, Patchouli und verbranntem weißen Salbei, sowie Psylos, Opium und LSD“ geladen wurden. Folglich ging die Fashionweek für drei Modemädchen aufgrund von K.O.-Tropfen im Getränk später im Krankenhaus weiter. Schade nur, dass Rainer Langhans nicht die Rolle des Medizinmanns übernehmen konnte, um wiederholt zur revolutionären Ikone zu werden…dafür wiederum haben es Dandy Diary nun endgültig in die Headlines geschafft.

Montag

Die britische Designerin CHARLOTTE RONSON durfte den grauen Modemontag mit ihrer Sommer-Kollektion eröffnen. Doch gelang ihr damit nicht nur saisonbedingt ein Griff in die falsche Schublade, sondern auch thematisch waren die Flowerprints und Pastelltöne eher gähnend langweilig als brisant. Dank ihres erfolgreichen Bruders Mark Ronson, welcher als Produzent ordentlich in der deutlich hörbaren Erfolgsbranche mit musikalischem Entertainment punkten konnte, gelang ihr allerdings auch hierzulande eine halbwegs gute Landung.

Dienstag

Die nächste große Szene-Party HOUSE OF VANS folgte schon zu Beginn der Woche, die wenn auch nur bis um 4 Uhr nachts angesetzt, nicht weniger anstrengend und schlaftrunken mit Beginn des nächsten Tages verlief. Für uns stand fest, wir haben Bändchen, werden kurz anstehen, später ein paar Bier reinstellen und nette Fotos schießen. Doch verlief dieser Abend mit 2 Stunden Schlange, 1 Stunde Party und unzähligen überflüssigen Modemenschen, nicht ganz so wie gewünscht. Die Parties, die den größten Run auf sich haben, fühlen sich meist nach 3 Bier auch nicht wärmer an. Trotz toller Location in der Neuen Heimat.

Mittwoch

Als mein absoluter Favorit stellte sich, wie bislang, auch dieses Mal wieder die BRIGHT heraus. Die berühmte Skatermesse, auf der es locker redend mit Bier und Brett zugeht, bietet einfach immer eine gute Angelegenheit, um Kontakte zu neuen oder altbewährten Labels zu knüpfen. Hier gehen die Themen nie aus, obschon vieles im ehemaligen Kaufhaus Jandorf einen schnell eingebürgerten Flair vermittelt, ist es vielleicht gerade das Etwas, wodurch die Bright statt Catwalk zum gemütlichen Wohnzimmer wird. An einem halb perplexen Tag wie diesem (siehe Nachtgeschehen zuvor), war dass ohnehin die perfekte Option für uns.

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Donnerstag

Auch die Arena in Treptow öffnete dieses Mal ihre Pforten, um sich in einem ganz anderen Licht zu zeigen, als bisher. Mit neuem Look im avantgardistischen Backsteinstil und minimalistischem Ambiente konnte die SEEK recht viele Einkäufer und Besucher anziehen. Der Charme des basisorientierten Causal-Looks dieser Messe hat entsprechende Labels bewusst hervorgehoben und alles in allem ein interessantes Gefüge kombiniert. Free Gin Tonics waren dann doch nicht drin (zumindest für uns), dafür aber ein virtueller Ritt als Beifahrer eines Rennfahrers auf einer Fullspeedstrecke.

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Freitag

Einen nahezu prüden und eingestaubten Eindruck hinterlässt die PREMIUM bei mir. Die etwas heruntergekommenen türkisfarbenen Begrüßungsteppiche, woneben das Werbeplakat mit großen Kristallen im Rahmen der Messe prunkt, wirken deplatziert und nicht einmal einladend an diesem Platz. Die vielen Hallen zwingen zu chaotischen Routen und suggerieren das Gefühl von Sprödheit. Auf die Frage hin, ob es noch Promobeutel oder Magazine gäbe, kommt nur die Antwort einer dezent minimalen Auflage, die anscheinend in der Planung keine Besucher berücksichtigt hat. Aber nun gut, vielleicht ist es auch nur der verregnete Tag, der einem die Mode in und um den Hallen nicht nahe legen mag.

Samstag

Über die Closing Party erfuhr ich durch die Arbeit in meiner Agentur, indem wir zu dem Event geladen wurden. Gut und nett, aber als ich las, dass diese dann im Felix ihren krönenden Abschluss finden sollte, verging mir dann doch ein wenig die Motivation. Über diese Party ist daher nicht viel zu sagen, falls das jemand anders empfinden sollte, sei dazu aufgerufen die Fashionweek an dieser Stelle aufzuwerten oder dem Trendtheater ein paar neue Züge zu verleihen. Denn vielleicht ist es genau das, was diese Messe gerade braucht. Neue Züge, bei denen es heißt: Hey Botox, bitte bleib beim nächsten Mal doch einfach zu Hause.

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