50 Shades of Greymnitz

Ja, den Film kennt ihr alle. Vielleicht nicht gesehen, aber gehört haben viele von ihm. Ich kenne ihn auch nur aufgrund seiner peinlich berührenden Obszönität. Wenn man randomly bei Wikipedia „nachschlägt“, handelt es sich um einen amerikanischen Erotikfilm aus dem Jahre 2015 in einer Spiellänge von 125 Minuten, dem 50% der Zuschauer eine positive Kritik zusprechen.

50% der Zuschauer? Das gleicht den diesjährigen Straftaten im Direktionsbereich Chemnitz. Ob die Straftat des Ende August getöteten Mannes in dieser Statistik aufgenommen wurde, kann ich zwar nicht sagen, Fakt ist jedoch, dass dieser Vorfall eine grausame rechte Hetzjagd á la Reichsprogromnacht verursacht hat und wir uns fragen müssen wie so etwas nach 80 Jahren noch möglich sein kann.

Würde ich nun eine wissenschaftliche Abhandlung über die stumpfsinnige Bevölkerung einer Stadt und das triviale Publikum eines Fifty Shades of Grey-Möchtergern-Pornos halten, würde mir einige absurden Thesen in den Sinn kommen. Da es mir aber obliegt, im Rahmen der Lokalpolitik auf dem oblatendünnen Eis des Halbdreiviertelwissens auszurutschen, möchte ich nur dem Aufruf #wirsindmehr folgen und die 50 Grautöne, die eine gefährliche Liebe mit sich bringen, nicht mal als Farbtupfer im Einsatz in vier Wänden mit Tine Hitler an die Tapete klatschen.

Grau genug ist es in Chemnitz ohnehin schon. Plattenbauten in dem Wohngebiet Fritz Heckert, Mäusefamilien im Gleisbett der Citybahn, graue Gesichter kettenrauchender Wutbürger, die nur noch zehn Mal auf den Bummel-Bus Richtung Ordnungsamt warten müssen, bevor sie sich mit Wohlstandsbauch in die undankbare Rente verabschieden. Und warum das alles? Weil die Fassade bröckelt, die Lunge nichts mehr zur Arbeit beiträgt und die Leber mit einer Zirrhose kämpft. Dabei könnte alles so schön sein, aber dann wäre es so, als würde man versuchen einen USB-Stick mit einem Vorschlaghammer vorsichtig vom Rechner zu trennen. Alles fürn Arsch also, vor allem im armen Deutschland.

Und wo wir grad schon bei Arsch sind – wie bin ich jetzt eigentlich von einem eingangs beschriebenen Erotikfilm in die stümperhafte Lokalpolitik der Karl-Marx-Stadt geraten? Achja, neben den vielen Grautönen gibt es ja auch so etwas wie eine Grauzone. Aber diesem Thema wenden wir uns einem anderen Mal zu. Gerne dann, wenn die Welt dazu bereit ist soviel Farbe zu bekennen, dass sie mehr als über ein von Kraftklub organisiertes Konzert hinausgeht. Und das sollten wir nach 80 Jahren doch nun wirklich mal hinkriegen oder?

„Kevin allein zu Haus“ oder „Halloween 25 Jahre später“

Wir alle kennen ihn, er war der Held unserer Kindheit. Der Junge, welcher an Weihnachten von seiner Familie vergessen und stattdessen von Einbrechern gejagt wird. Als einfallsreicher und liebenswürdiger Bursche schafft es Kevin die Zuschauer, ob groß oder klein, jedes Mal aufs Neue in seinen Bann zu ziehen. Nun, 25 Jahre später, kehrt Macaulay Culkin noch einmal als Kevin McCallister zurück. „„Kevin allein zu Haus“ oder „Halloween 25 Jahre später““ weiterlesen

Twin Peaks: Dale Cooper lädt zu Kaffee & Kuchen

Die Kult-Serie aus den 90ern Jahre lädt ab August zum persönlichen Dinner nach London ein. Wer einem „verdammt guten Kaffee“ genauso wenig wie FBI-Agent Dale Cooper widerstehen kann, sollte sich schon jetzt einen Tisch in dem legendären Restaurant, welches bald eröffnet wird, reservieren!

Mystery, Seifenoper und Kaffeekränzchen zugleich – während das nächste Opfer seinem Mörder in die Hände fällt, startet der legendäre Dale Cooper, dargestellt von Kyle MacLachlan, mit einem wirklich sehr guten Kaffee und vermutlich einem wunderbaren Stück Kirschkuchen entspannt in den Tag. Nur so lässt es sich vernünftig als FBI-Agent in einer Kleinstadt wie Twin Peaks arbeiten, ganz klar.

Da kommt ein Restaurant mit dem extraordinären Namen „The Owls Are Not What They Seem“ doch wie gerufen, schließlich hat sich jeder Zuschauer vor dem Fernseher schon einmal gefragt, wie der Kaffee oder Kuchen von Agent Cooper wohl so schmecken mag, wo er doch permanent davon schwärmt.

Diese Frage soll nicht länger Rätsel bleiben, denn nun könnt ihr euch von den appetitanregenden Delikatessen selbst überzeugen. Wer sich einen Tisch in dem Twin Peaks-Restaurant sichern möchte, kann sich hier anmelden. Zunächst wird man dann auf eine Warteliste gesetzt, denn vorerst ist das kulinarische Happening nur vom 27. August bis zum 17. Oktober geplant.

Inzwischen steht fest, dass 2017 die dritte Staffel ausgestrahlt wird, die Dreharbeiten wiederum sollen noch im September beginnen, gab Produzent Mark Frost kürzlich bekannt. Der verschobene Staffelstart ohne Filmemacher David Lynch sorgte erst für Furore bei den Fans. Doch mittlerweile ist bekannt, dass es nach 25 Jahren Drehpause zu einigen Unstimmigkeiten gekommen ist und David Lynch nun doch ganz traditionell den Regiestuhl für Twin Peaks besetzen wird.

Ob einer der Kult-Figuren im neuen Restaurant höchstpersönlich anzutreffen sein wird, bleibt noch bei einer Tasse Kaffee abzuwarten. In jedem Fall habe ich mich aber schon mal auf die berühmte Warteliste setzen lassen.

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Fotos: tumblr

Nachts um halb 4

Nachdem ich seit einigen Tagen stets bewusstlos ins Bett kippe, aus übernächtigten Gründen nicht vor um 15 Uhr aufwache und den Postboten für einen Mitarbeiter der Müllabfuhr halte, ist klar – das Nachtleben hat mich wieder.

In sekundenschneller Geschwindigkeit bin ich vom Himmel in die Hölle gefallen, sodass mir bei dem bloßen Gedanken schon kotzübel wird. Der Tag hat mich wieder in die Nacht befördert und wenn ich mich so umsehe, gehören mehr Ringe als Augen ohnehin schon seit geraumer Zeit zum Must Have im Berliner Business.

Allerdings beflügelt mich ein gewisser Unmut, was die Arbeit im Dunkeln angeht. Nach vielen Jahren eines harten Trainings, welches aus Bieren in Rekordzeit öffnen, Kronkorken-Olympiaden und trinkwütigen Menschentrauben besteht, mutierst Du irgendwann zum Tiger im Käfig, der nicht mehr anders kann, als sich tänzelnd im Kreise zu drehen. Und trotzdem schleppst Du Dich immer wieder an den Tresen, setzt ein übermotiviertes Lächeln auf und machst munter weiter.

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Warum auch nicht? Die Bar bietet Dir schließlich alles, um „Tausend und eine Nacht“ größenwahnsinnig zu überleben – Sex, Drugs and Rock´n´Roll. Du hast die Macht, denn Deine Freunde halten Dich für eine Art Gottheit. Du bist in ihren Augen Türsteher, Kassierer, Getränkegeber und Animateur zugleich. Sie wissen Du arbeitest, also werden sie ihre Abendplanung spontan verwerfen, um in Deinen Club kommen. Schön, denkst Du Dir. Aber mit dem ersten Anruf, der eine +1 fordert, ist es meist nicht getan.

Es wäre nahezu perfekt, wenn die trinkwütige Meute an der Bar sich selbst bedienen könnte und Du währenddessen Deine Bekannten galant an der Berghain-Schlange vorbeiführen könntest. Danach mit ihnen eine Clubbesichtigung unternimmst und währenddessen ihre Durstgedanken telepathisch in ein Getränk umwandeln könntest. So sollte es sein, ist es aber nicht. Denn Du musst ja arbeiten – zu doof.

Stattdessen gibst Du Dich dem Flaschenöffner und dem nächsten Schrei nach Bier an der Theke hin. Wie eine Gewitterwolke zieht der Sturm über Dich her und will kaufen, trinken, kaufen – bis Deine Kollegen Dir sanftmütig ins Gesicht schlagen und einen nett dekorierten Schnaps vor die Nase stellen. Dann geht der Vorhang an der Bar kurz zu und Du stehst da, trinkst und bist einen Moment lang frei.

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So langsam begibst Du Dich auf das Niveau der Gäste und fängst an sie zu mögen. Wie sie da so lustig stehen, mit ihren Scheinen wedeln und versuchen immer der Erste am Drücker zu sein. Es ist ein bisschen wie bei der alten TV-Show Ruck Zuck – wessen Wortkonstellation als Erstes in Dein Ohr dringt, dessen Gaumen kann sich glücklich schätzen. Gäste, die sich in einer Buchstabensuppe vor Dir übergeben, haben leider keine Chance und bekommen stumm ein Wasser gereicht. Das sind die Regeln und die müssen befolgt werden – sonst ist das GAME leider OVER.

Irgendwann sind dann endlich alle betrunken und der Feierabend schaut fröhlich, als auch ein bisschen vernebelt um die Ecke. Du trinkst noch ein paar Schnäpse und schmiedest „Tagespläne“ mit deinen Kollegen. Wenn die Sonne scheint, könnte man ja noch in den Park gehen und apathisch auf der Wiese sitzen. Wenn es grau ist, geht’s ins Kino oder in den nächsten Club. Schlaf ist dabei leider keine Option.

Und wo auch immer es die Karawane hinziehen wird, Du weißt in jedem Fall, dass Du betrunken zu Hause (oder woanders) in Klamotten (oder ohne) aufwachen und Dich fragen wirst, wer gestern die Bar zugemacht hat und wo das Trinkgeld, für welches Du Dein weißes Shirt mit einer Flasche Jägermeister übergossen hast, wohl in der letzten Nacht gelandet ist. Das einzig Gute an dieser Tatsache ist, dass die Getränke mal wieder nichts gekostet haben.

#leaksoftheweek

Trotz des derzeitigen Sonnenscheins, kommt immer mal wieder eine dezent aufgeblasene Gewitterwolke am Himmel zum Vorschein. Allerdings nicht draußen vor der Tür, sondern in den Tiefen des World Wide Web. Die Infomationsreichweite ist groß und mächtig, das ist nichts Neues. Doch woher kommen ihre Ursprünge und wer versteckt sich hinter den Quellen? Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja nicht mal eine Minute, ohne das sich das verflixte Internet-Imperium auf dem Screen durch das Auge, über die Synapsen und bis hin in die unbekanntesten Windungen des Gehirns ausdehnt. Das alles geschieht quasi viral durch belustigte Verlinkungen von Facebook-Usern, völlig überarbeiteten Trittbrettfahrern der Blogospähre und natürlich durch Katzen, die unbeaufsichtigt auf der Tastatur rumhopsen.

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Woraus resultiert die so rasant aufkommende Blogger-Blasphemie der Neuzeit? Und wie konnte es zu solch einem langfristigen Trend unserer Internet-Community kommen? Weiß der #beefträger überhaupt davon? Ich vermute es liegt genau an einem längst in Vergessenheit geratenen Phänomen – dem imaginären Netztroll namens Leak. Wir alle wissen spätestens seit Edward Snowden, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Für Diejenigen, die es aufgrund geistig oder körperlicher Abwesenheit noch nicht mitbekommen haben, denen sei an dieser Stelle die wissenschaftlich fundierte Definition durch Wikipedia bereitgestellt:

>Leak (englisch für LeckLochundichte Stelle) bezeichnet im deutschsprachigen Raum die inoffizielle Veröffentlichung von Informationen, die nicht zu diesem Zweck vorgesehen waren. Dies können interne Dokumente von Firmen, geheime Verträge, vertrauliche Verhandlungspapiere oder Ähnliches sein.<

Und nun verfolgt mich dieser, wenn auch in die Jahre gekommene, Begriff tatkräftig auf meinem Weg durchs Internet. Die Rate an Posts, Verlinkungen und heimtückischen Katzen ist immens und daher beschloss ich kurzerhand eine neue Rubrik einzuführen. Diese soll sich allerdings nur mit politisch korrektem Content befassen und sieht daher davon ab, sich richtungsweisend, meinungsbildend oder gar förderlich auf den Verstand auszuwirken. Und wer jetzt sagt: „Voll nicht neu und so.“, guckt es sich ja eigentlich trotzdem an. Trotz des derzeitigen Sonnenscheins. Nicht wahr?

Leaks of the week!

1. #moneyboyleaks – Intellekt vs. Swag

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2. #cindycrawfordleaks – Wer braucht schon Photoshop? 

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3. #fiftyshadesofgreyleaks – Von der Berlinale zum Online-Stream

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Jan Böhmermann „auf dem Weg in den Showolymp“

 

Einst vertrieb sich der große blasse Junge als Nischen-Journalist bei Die Norddeutsche seine Zeit, um recht schnell festzustellen, das er wohl eher zum polarisierenden Spaßmacher der Fernsehindustrie auserkoren schien, statt längst hinfällige Recherchen zu betreiben, mit welchen sich heutzutage kaum noch jemand befassen mag.

Somit wechselte er als schlecht ausgeleuchteter Moderator zu Radio Bremen und erhielt nur ein paar Anläufe darauf seine eigene Unterhaltungsreihe „Lukas´ Tagebuch“, mit der die erste Klageschrift bei ihm (oder vielmehr noch ins Hause des konventionellen Westdeutschen Rundfunks) herein flatterte. Dumm gelaufen, könnte man meinen, doch bei genauerem Hinsehen wird klar, Jan Böhmermann gelingt es sogar aus Markus Lanz die intimsten Wünsche zu prügeln ohne impulsive Jiu Tsu-Meisterschaften auf der Bühne austragen zu müssen.

Dank seines satirischen Daseins, dass er als sein Alter Ego Rüdiger Alt in der Sendung Harald Schmidts auf dem Ersten zum Besten gab, stellt sich die Theorie heraus: Jan Böhmermann ist ein Feuerwerk, welches bei halbherzigem Anzünden vermutlich Schaden anrichten könnte. Eben jene Annahme hat er schon auf vielen Ebenen und (Radio-)Sendern zur imaginären Showeinlage werden lassen.

Mit Sack und Klaas Heufer-Umlauf im Gepäck begann eine Reise durch Deutschland, wo sie hier und dort ihre Lesung „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ in den verschiedensten Kaschemmen mit Live-Sexappeal servierten. Eine Art Tristan und Isolde-Farce des modernen Theaters. Auch die radioeins-Show „Sanft und Sorgfältig“, die er mit Olli Schulz ins Leben rief, ließ immer eine gewisse Erotik in den Ohren der Hörer erklingen (also wenn nicht bei mir, bei wem dann?).

Doch spätestens mit Roche & Böhmermann schien das sexy Abendprogramm im ZDF Neo gesichert, denn die „Talkshow ganz im Stil des frühen Fernsehens, nur neu gemacht“, in der Charlotte Roche und Jan Böhmermann rein investigativen Journalismus nach strengstem Konzept befolgten, schuf zumindest zu Beginn auf dem jugendlich ausgerichteten Sender rege Anteilnahme, sogar bei dem Publikum. Dennoch gelang der eigens von Studenten produzierten Sendung nie der Durchbruch. Auch mit Jan Böhmermann nicht, was mich kurze Zeit traurig stimmte (an dieser Stelle folgt ein Schweigeminute).

Ab heute jedoch folgt er dem Weg in den Showolymp. Der große blasse Junge von nebenan hat diese einzigartige Inselbegabung (Anm. der Redaktion), die ganz neue Dimensionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schafft. Einer gegen alle, auf allen Ebenen und Kanälen. Gegen Tote Hosen-Sänger Campino, gegen Rapper wie Bushido und Haftbefehl, gegen die Pegida-Anhänger oder den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Böhmermann gegen den Rest der Welt. Moment, es gib Ausnahmen – Das schöne Publikum und der überaus coole Shiny Floor.

Das ZDF braucht Böhmermann, um sich jung zu machen. Denn zugegebenermaßen hat es das bei Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf verpasst, Pro Sieben dankt!  Wiederum mischt  Jan Böhmermann die Karten neu und bringt Jung und Alt am Pokertisch zusammen. Und um den Fullhouse smart ausspielen zu können, hat er den Sprachwissenschaftler William Cohn als seine alte Liebe und das Eins Zwo Rap-Urgestein Dendemann als seinen neuen Geliebten auf dem Zweiten mitgebracht. Das NEO Magazin Royale, ein credibiler Spaß mit Pop- und Pornokram. Jetzt neu im ZDF!

Kim Kardashian – ein neuer Planet?

Bis zu der gestrigen Rückkehr von meiner zweimonatigen Reise aus Südostasien, wog ich mich fest in dem Glauben die vollendete Erleuchtung auf meiner Expedition über Land und See, durch Menschen und Kulturen sowie in den Höhen der Berge, als auch in den Tiefen des Ozeans fernab des zivilisierten Lebens gefunden zu haben…und dann sah ich Kim Kardashian. Nackt.

Zwei Monate. Diese zwar recht spärliche, aber dennoch einprägsame Zeit scheint als wäre sie nie da gewesen, während ich auf das Schwarz meines Bildschirms starre. Der dunkle Fleck, der sich vor meiner Linse bildet, ist nicht wegzuwischen und die Müdigkeit, die kurz in mir durchsickert, ist plötzlich nur noch ein Hauch von Stille in meinem Kopf. Das Gehirn scheint wie ausgelöscht, Zeit und Raum sind verloren. Ein neuer Planet wurde entdeckt, denke ich gebannt.

Ich versuche den Tab zu schließen, doch finde den Lock-Button am Bildschirmrand nicht. Ich blicke auf den Planeten, doch er bewegt sich nicht. Langsam löst sich das rätselhafte Bild vor mir auf und noch bevor ich versuche den Rechner herunterzufahren, sehe ich es plötzlich ganz klar – Es ist DER Po (und ja, inzwischen auch DIE Brüste) Kim Kardashians, welche mir die Sicht auf die Hot Pants von Helene Fischer bei der Bambi-Gala, Jan Böhmermanns Einkauf im BDM und gar die Frisur von Angela Merkel beim G20-Gipfel versperren.

Wo fängt der Glaube an und wo hört er auf, frage ich mich just in diesem Moment. Und die Antwort erscheint gnadenlos und ohne Vorwarnung vor meinen Augen, als würde ich sie direkt vom Bildschirm ablesen, nur ohne zu lesen. Kim Kardashian – Eine Web-Herrschaft? Es ist etwas Neues, ein Trend, eine Saga, Battleship 24 oder „Der Tag, an dem sich mein Bildschirm verdunkelte“. Ein Phänomen, worüber Wissenschaftler noch streiten, könnte man meinen. Doch die nackte Wahrheit liegt offensichtlich auf der Hand.

Kim Kardashian, ihres Zeichens Gemahlin von Yeezus, bekleidet offensichtlich das Amt einer neuen Bewegung. Die Nacktheit des Menschen wird seit gestern neu definiert. Vergesst all eure Prinzipien, insofern ihr welche hattet und werft eure Rituale wie Lotto-Zahlenkombis 90-60-90 oder talentierte Sprüche wie „Wahre Schönheit KOMMT von innen“ (bitte nicht zu verwechseln mit dem sexuellen Akt) betrunken und zielsicher mit Anker über Bord, denn eure statistischen Body-Mass-Index-Geschichten interessieren im Internet schon lange niemanden mehr.

Eines ist jedoch sicher, Fluchtwege im Web sind ausgeschlossen  – also seht es endlich ein:

Kim Kardashian bekehrt euch fortan mit ihrem Po.

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The extreme life of a sugar glider

Heute packe ich mal Kontrastprogramm aus, da die meisten ja lieber gucken statt lesen. Ja, ich auch! Doch nun Vorsicht, Spoiler: Kurzer Text ohne Sinn. Aber als ich die Entdeckung dieses kleinen fabelhaften Wesens machte, war klar, katimaniac.com braucht ein intravenöses Gemisch aus Buzzfeed, flickr und cheezburger. Und nach intensiver, übernächtigter und visueller Tüftelei ist es nun soweit: Ich präsentiere „Das-niedliche-Tiere-gucken-Dings“. Puh. Und die Story dazu lautet in etwa: Ein ganz normaler Tag aus dem Leben eines Sugar Gliders… und weil es auf englisch noch cooler klingt, nenne ich sie dann doch: The extreme life of a sugar glider. Oder so.

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Happy Fistmas!

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Bereits Ende des Sommers begrüßen uns die ersten apokalyptischen Reiter als Schoko-Weihnachtsmänner oder Marzipankugeln im Supermarkt unseres Vertrauens. Die Sonne räumt das Feld und der Schnee rollt erbarmungslos auf uns zu.

Die große Schlacht um die Weihnachtszeit kommt jedes Jahr aufs Neue. In allen Ecken stinkt es nach Glühwein, Zuckerwatte und Erbrochenem mit einer süffisanten Note von Zimt. Auf Weihnachtsmärkten halten anonyme Alkoholiker ihre Treffen ab, um ihre eigene Achterbahn zu fahren. Familienväter kaufen 100 Lose, um dutzende Plüschtiere gigantischer Ausmaße in einer vollen Bahn auf dem Kopf geschnürt nach zu Hause schleppen.

Einkaufstüten flitzen mit Menschen panikartig von Geschäft zu Geschäft, als wenn es keinen Morgen gäbe. Shopping-Arkaden ähneln Kriegsschauplätzen, wo jeder bereit ist bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Die Weihnachtszeit wird dazu dramatisch von Songs untermalt, die uns seit Jahrzehnten die Ohren bluten lassen und „Last Chrismas“ heißen, als würden wir es nie wieder erleben.

Ein sabberndes Kind schmeißt dir seinen abgekauten Kandisapfel vor die Füße und rennt schreiend weg. Farben überschlagen sich wie in einem Kunstwerk von Kandinsky und der Geruch von abgestandenem Glühwein penetriert dich unentwegt.

Du stehst da, ziellos zwischen beschwipsten Jugendlichen, liest die weihnachtliche Botschaft über einem Geschäft: „Ein Fest der Gefühle und Besinnlichkeit“ und spuckst in ihr hektisch-blinkendes Gesicht. Wie jedes Jahr. Gefühle sind immer noch Intimsphäre und können sich auch in Form von Magenbeschwerden bis hin zum Kotzreiz äußern. Besinnlichkeit zeigt sich durch spekulative Beobachtungen der Menschen auf der Eiskunstlaufbahn, in der Hoffnung sie würden irgendwann Stunts wie bei „Jack Ass“ präsentieren.

Als Kind liebte ich diese ganze Aufregung verbunden mit Krach und Bums. Schon am ersten Dezember bin ich hektisch im Kreis gesprungen, wenn ich morgens aufwachte, um die Nummer 1 meines Kalenders zu öffnen. Und das wurde mit Blick auf den 24. Dezember nur schlimmer. So schlimm, dass nicht mal eine chronische Krankheit mithalten könnte.

Der Weihnachtsmann war mein Idol. Ich wollte mit einem Kugelbauch, rot-weißen Mantel bekleidet und stets den Sack voller Geschenke auf dem Rücken, durch die Stadt laufen. Im Dezember schaffte ich es immer pünktlich zur Schule, in Erwartung von Süßigkeiten, Kränzen und Kerzenkram. Sobald ich erfuhr, wann der Weihnachtsbaum in der Schule aufgestellt werden würde, wollte ich vor dem sonst üblich verhassten Gebäude zelten. Ganz klar.

Meinen Eltern gingen am Heiligabend die Haare zu neige. Während ich eine wilde Party mit Weihnachtsschleifen und Paketen feierte, saßen die Beiden auf dem Sofa und aßen ausdruckslos Kartoffelsalat. Ich schleppte alles mühsam in mein Zimmer und suchte a la Gollum 1 A-Verstecke für meine Schätze. Teilen war nicht so mein Ding. Das hat sich inzwischen geändert. Zum Glück.

Auf Geschenke gebe ich nicht mehr so viel. Wo früher die Quantität zählte, ist heut eher die Qualität von Interesse. Es kommt nicht auf Preis oder Größe an, sondern viel mehr um den Wert und Gedanken des anderen. Ich bin großer Fan von Selbstgebasteltem. Das sind die wahren Geschenke, die die vom Herzen kommen.

Doch Eingepacktes hin oder her, was nützt der größte Stress, wenn es doch „gefühlvoll und besinnlich“ sein soll? Nichts. Eben. Zurücklehnen, Beine hoch und Glüh-Tee trinken. Meinetwegen auch Plätzchen backen und bitte nicht jeden Tag aufs Neue den Kontostand verfolgen, inwieweit jetzt der Flat oder Mac für den Sohnemann gekauft werden kann. Denn dann sollte das Weihnachtsfest doch bitte „kopflos und kapitalistisch“ heißen.

Und überhaupt, Neo-Disco-Christmas-Songs, ein Schokoladen-Supermarkt und Weihnachtsfeiern in der Firma, die mehr Geld verschlingen als ein wohlverdientes Weihnachtsgehalt, sind einfach nur gesundheitsschädlich und nervenaufreibend. Was hat das noch mit Weihnachten zu tun?

Es ist schön, die Zeit mit seiner Familie im kleinen Kreis zu verbringen, noch einmal kurz inne zu halten und die Ruhe vor dem kommenden Jahr zu genießen. Keine Frage. Wir kochen gemeinsam, gehen ins Theater und flüchten vorm Alltagsleben. Für einige Tage und das ist auch gut so. Aber muss man diesem ewigen Kampf der affektierten Freude und Schenkerei nachhängen wenn das Konto partout im Dispo ist?

Dann verkrieche ich mich lieber zu Hause unter meiner kuschelig warmen Decke und träume. Träume von meinem eigenen Glitzer-Weihnachtsfest mit meinen Liebsten und davon, dass dieser Alptraum bald vorbei ist und die Menschen wieder bei Sinnen sind. Denn dass können wir doch am besten, unseren alltäglichen Späßen nachgehen. Auch ohne Lametta.

Der Duft eines Buches

Ein Duft entwickelt sich mit seiner Zeit. Jahrzehnte brauchte der Patchouli-Duft, sich aus ursprünglich orientalischem Gebiet bis hin zum Dorf-Gothic vorzukämpfen. Oft wird dieser auch mit Hippies und Muff verbunden, da er als Schutz vor Ungeziefern gilt. Also mehr Zweck als Parfum?

Da stellt sich mir die Frage, was es mit dem Bücherduft nun auf sich hat. Ich liebe Bücher und mag ihren Geruch, aber diesen an einem Menschen wahrzunehmen, ist mir dann doch irgendwie suspekt. Mr. Modemacher Karl Lagerfeld ist da wohl ganz anderer Meinung:

„Der Duft eines frisch gedruckten Buches ist der beste der Welt“, schreibt Lagerfeld im Vorwort zu ‚Paper Passion‘. ‚Paper Passion‘ ist ein Buch mit einem weißen Leinen-Einband, das hinter 32 bedruckten Seiten in einer Aussparung einen Flakon versteckt. Nicht nur das Vorwort stammt vom Modeschöpfer, auch die Verpackung hat er designt.

Den Duft hat Parfumeur Geza Schön kreiert. Dieser erinnert an die besondere Geruchsmischung von Papier und Tinte, die beim ersten Aufschlagen eines guten Buches gefangen nimmt. Geza Schön ließ sich dafür von dutzenden Büchern, Papiermustern, Tinten und Farben inspirieren. Um eine ausgewogene Mischung aus Papier und Parfüm-Ästhetik zu erhalten, fügte er Osmanthus- und Moschusnoten bei.

Das ungewöhnliche Projekt hat der Verleger Gerhard Steidl ins Leben gerufen und zusammen mit dem Wallpaper Magazine umgesetzt. Ab August soll ‚Paper Passion‘ weltweit in Buchhandlungen, Museumsshops sowie Concept Stores und Nischenparfümerien verkauft werden und um die 88 Euro kosten. (via Vogue)

Also ehrlich, für dieses Geld decke ich mich dann doch lieber mit richtigen Büchern ein, die meinen Sinnen mehr zu bieten haben, als sie blindlings zu vernebeln und den Geruch einer alten Zeitung umherzutragen. Buch bleibt Buch. Und Patchouli bleibt eben auch nur Patchouli.