Kolly Kibber

Oh Liebling
Liebling, die Form zerbrach
Noch in der ersten Nacht
Die Nacht des ersten Lichts
Danach kommt nichts, oder?

Regel No. 1 des Peter Doherty´schen Gesetzes: Es gibt keine Regeln. Und genau das hat er uns gestern bewiesen, als er um 20 Uhr auf der Bühne stand, um ein Video für seinen Song „Kolly Kibber“ aufzuzeichnen und die ersten 50 Fans in der Halle des Huxleys neue Welt überrascht auf ihn trafen. Danach verschwand er klammheimlich, ohne jedwede Szene. Quasi so, als wäre er nie da gewesen.

Doch der Saal füllte sich, das Programm musste weitergehen. Wie es sich eben gehört für Fans, die geduldig vor der Bühne eines Musikers warten, bis der Vorhang geöffnet wird. Er wurde geöffnet und auf die Bühne trat der erste Support und später der zweite, doch darum soll es hier nicht gehen. Sondern vielmehr um die Leichtigkeit des Seins.

21 Uhr – kein Peter. 21:30 Uhr – immer noch nicht. 22 Uhr – trinkende Menschen an der Bar. Die Geduld übt sich, nur ein guter Mann wie Peter Doherty eben nicht. „Wie soll man bei all den vielen Zeitplänen, die man als Musiker hat, überhaupt noch seinen Geist entfalten? Warum muss man immer ad hoc funktionieren?“ Kommt es mir in den Sinn. In all der Zeit, wo man auf jemanden wartet, fängt man entweder an, eine Kugel aus Wut im Bauch zu formen oder man denkt darüber nach, warum man wartet und was es damit auf sich hat. Leider passiert letzteres viel zu selten, denn Zeit ist in unserer heutigen Gesellschaft zu wertvoll geworden. Also quengelt man rum und sagt fiese Sachen zur nächstbesten Person, um dem Ärger möglichst schnell Luft zu machen.

Aber hier ist es heute anders. Wir warten, haben Spaß mit Bier, Zigaretten und Freunden. Heute ist alles egal. Wenn das Peter Doherty´sche Gesetz gilt, kann auch einfach geraucht werden, egal wo. Plötzlich scheppert es hinter der Bühne. Gläser, die zu Boden fallen? Kurz darauf poltern sie auf die Bühne. Peter Doherty und die Puta Madras. Die große Albion Familie. Sie spielen vieles vom neuen Album „Hamburg Demonstrations“, aber auch viele Songs der Babyshambles und Libertines. Vorallem aber, spielen sie „Kolly Kibber“, denn zu dem Song soll ja schließlich ein neues Video entstehen.

Peter Doherty singt, tanzt und geht in seiner Musik völlig auf. Er spielt mit seiner Stimme und auf der Gitarre, die er nach jedem zweiten Song seinem Roadie zuwirft, um eine neue entgegenzunehmen. Noch viel lieber würde er sie wahrscheinlich ins Publikum werfen, so wie alles was ihm in die Hände kommt und materiell ist. All das ist ihm nichts wert, das einzige was zählt ist der Gedanke, der Kopf. Das Haus, mit den vier Wänden, in denen seine Musik entsteht. Und diese ist ehrlich, authentisch und das, was ihn auszeichnet. Der Rest ist nichts.

Peter Doherty: Urlaub vom Leben

Der Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ des österreichischen Schriftstellers Robert Musil, gilt als einer der einflussreichsten Werke des 20. Jahrhunderts. Darin beschließt der Protagonist Ulrich, Urlaub von seinem Leben zu nehmen. Denn sein Versuch Karriere zu machen, ist ihm bereits zum dritten Mal nicht gelungen. Warum ich dieses Werk anführe? Weil Pete Doherty exakt das gleiche Leben führt. Der einzige minimale Unterschied, der ihm vermutlich selbst noch nicht aufgefallen ist, besteht jedoch darin, dass er bereits Karierre gemacht hat. Und das genau drei Mal. Doch darum geht es eigentlich nicht, sondern vielmehr geht es um den Urlaub vom Leben…

Superstar Pete

Alles auf Anfang. Begonnen hat es einst mit The Libertines, als Peter von seinem Buddy Carl noch Pete genannt wurde. 1996 entfachte sich ihre „Liebe“, die von Musik, über Parties, bis hin zum Drogenkonsum reichte. Als ihr Kracher-Debütalbum „Up The Bracket“ erschien, war die erste Karriere eigentlich auch schon wieder zu Ende. Doch in dieser kurzen Zeit, war Peter ein leuchtender Stern am Himmel, der sein Umfeld komplett aufsaugte.

Die zweite Karriere gelang ihm in seiner Beziehung mit Kate Moss. Sie – Heroin Chic auf ganzer Linie. Er – gezeichnet vom gnadenlosen British Lifestyle. Zusammen – das Traumpaar schlechthin. Doch die Welt stand kurz still, als die Trennung folgte. Das Pärchen lebte seinen Rausch aus, solange es ging. Egal wer ihnen zusah, sie spielten die Hauptrollen in ihrem eigenen Film. Aprospros wann wird dieser eigentlich gedreht?

Wie nun wohl der dritte Punkt der Karriereleiter des Musikers lauten mag? Seht her! Es wird kaum auffallen: Es ist einzig der Name, der ihn nun zum Neustart verhelfen soll. Wahnsinn, PeteR Doherty ist erwachsen geworden. Zwar trägt er lieber Hawaii-Hemd, statt Sacco… aber das kann man ihm aufgrund des Aufenthalts in der Rehab-Klinik in Thailand kaum übel nehmen.

Achterbahn fahren

Abgesehen von sukzessiven Eskapaden, die mit einem Einbruch bei Carl Barat, seinem Leben im Wohnwagen, der Verfassung seines Testaments und der Anklage wegen Drogenkonsums auf offener Straße zu verzeichnen sind, ist es ihm dennoch gelungen, galant den Drahtseilakt zwischen Leben und Tod zu balancieren und letzterem, dem Club 27, dabei sogar noch zu entgehen.

Pete, wann kommen endlich deine Memoiren? Wenn das kein außerordentliches Lebenswerk ist, weiß ich auch nicht weiter. Die Achterbahnfahrt durch die Hölle hat er überlebt, also was kann noch passieren? Musikalisch hat er sich längst etabliert, indem er den größten Einfluss auf die 00er Jahre übte. Und jetzt kommt mir nicht mit Vergleichen zu Oasis! Hoffen wir aber vorest einmal, dass er auf seiner Show am 25.02. im Huxleys Neue Welt tatsächlich anwesend sein wird. Vielleicht sogar clean. Urlaub vom Leben mit Karriere als Ziel. Das klingt nach einem Plan.

Beyoncé: Sprengt das Internet, auch ohne Hintern

Sie hat es wieder getan. Wie fast nicht anders zu erwarten, hat Beyoncé Samstagnacht ihr Album gedroppt und das hat im Netz eingeschlagen wie eine Bombe. Wofür Kim Kardashian ihren Hintern präsentiert, braucht Queen B nur kurz ihren Hinterkopf in die Kamera zu halten.

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Lemmy Kilmister: Eine Hommage

Um drei Uhr morgens ereilte mich die schockierende Nachricht: Lemmy ist tot. Nicht nur ein Stück, sondern der Mann der Heavy Metal zur Legende gemacht hat, geht plötzlich von uns. Zwei Tage nachdem ein unheilbarer Krebs bei Lemmy Kilmister diagnostiziert wurde, sollte es vorbei sein. Vier Tage nachdem der Sänger und Gitarrist von Motörhead 70 Jahre alt geworden ist. „Lemmy Kilmister: Eine Hommage“ weiterlesen

M.I.A. ist zurück und rechnet mit „Borders“ ab

Flüchtlinge in Booten, Flüchtlinge an Grenzen, Flüchtlinge ohne Hilfe. M.I.A. spricht mit „Borders“ ein politisches Thema an, welches auf den bitteren Nerv der Zeit trifft. In ihrem neuen Musikvideo geht es nicht um Parties bis in die Puppen, sondern um die Wahrheit, die keiner wahrhaben will.

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Neue Single „Borders“ © M.I.A.

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The Libertines: Schwäche ist Stärke

Am vergangenen Wochenende haben sie sich das erste Mal seit ihrem Zusammenschluss auf großer Bühne in Deutschland blicken lassen. Das Lollapalooza hätte das perfekte Sprungbrett für ihren Neuanfang werden können, doch Pete Doherty litt unter gesundheitlichen Problemen. Diese gingen auch am Publikum des Mainstream-Festivals in Berlin nicht vorbei.

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The Libertines 2015 @ Universal Music

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Im Gespräch mit Alligatoah

Vielleicht haben einige von unserer damaligen Release-Party gehört, als Sexarbeiterinnen auf der Bühne ihr Handwerk vollführten…“

 

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Ich war beim Dockville. Es war eng. Es war feucht. Es war fröhlich. Und das lag wahrscheinlich nicht nur an ihm und an seiner in nette Wortkonstellationen verpackten Schlauheit, welche dazu beitrug ein gekonntes TeaTime-Gespräch zu erhaschen, sondern auch an einem fiebernd heißen Publikum, welches trotz des rotzigen Wetters durch eine gewaltige Show à la Alligatoah entflammt wurde…

Ihr seid gerade frisch von eurem Weekender zum krönenden Abschluss am Hafen vom Dockville Festival in Hamburg eingekehrt. Was ging die letzten Tage auf dem Spack und Rock´n´Heim?

Mit ziemlich sicherem Ende der Festivalsaison konnte ich diese Auftritte sowohl mit einem singfreudigen Publikum, als auch mit meinen eigenen Leistungen als bühnentechnischen Erfolg verbuchen, obwohl ich mich in dieser Hinsicht selbst sehr streng züchtige.

Bist du so dermaßen selbstdiszipliniert oder gehst du auch auf die Bühne und nimmst Fehler hin, sofern diese nicht gravierenden Einfluss auf das Publikum ausüben?

Natürlich gibt es Showeinlagen, die das Publikum nicht unbedingt mitbekommt. Dennoch kann mir das die Laune verderben, wenn ich von der Bühne gehe und im Gitarrensolo die falschen Saiten angeschlagen habe oder mich mit meiner Wortwahl leicht verhaspelt habe. Wiederum sichere ich somit einen Qualitätsstandard, der mir und auch den Fans nur zugute kommen kann.

Heute bespielst du heimatliche Gefilde und wirst sicherlich auch eine Vielzahl an Fans aus Bremerhaven begrüßen. Bedeutet dir der Norden als Nordkind etwas?

Je näher ich meiner Heimat komme, desto mehr kommt für mich auch das Heimatgefühl auf. Da sich auch viele Kollegen in dieser Gegend herumtreiben, ist dies gern auch mit einem Treffen verbunden. Frische Seeluft und kreischende Möwen tragen ebenfalls zu diesem Gefühl bei. Der Norden dient mir quasi als Anker.

Eine ebenso tiefe Verbundenheit besteht zu deinen Kollegen von Trailerpark. Zusammen habt ihr nun ein eigenes Festival auf die Beine gestellt, welches am 29.08. in Münster und am 30.08. in Nürnberg (restlos ausverkauft!) veranstaltet wird und wo euch u.a. Karate Andi, Mach One und Sadi Gent supporten. Wie organisiert ihr das Festival als Band?

Da Trailerpark generell als Band sehr schwierig auf Festivals unterzukriegen ist, haben wir uns für diesen Weg entschieden. Denn jeder weiß, dass wir es gern übertreiben und alles sehr explizit aufführen, sodass wir dies im Besonderen auf unserem eigenen Festival beibehalten können. Vielleicht haben einige von unserer damaligen Release-Party gehört, als Sexarbeiterinnen auf der Bühne ihr Handwerk vollführten und allein daher gibt es sicherlich gewisse Berührungsängste für einige Veranstalter oder Booker. Mit unserem Trailerpark-Festival holen wir alle befreundeten Künstler und Weggefährten ins Boot und auch solche die gern mit uns agieren, um den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

Wie schöpfst du deine Inspiration und Ideen – im Nest daheim oder unterwegs auf Tour?

Stift, Block und Lap Top habe ich stets auf Tour dabei, um direkt loslegen zu können. Dennoch komme ich meist nie dazu mir diese zu greifen und meine Ideen zu sortieren und niederzuschreiben. Während der Tour gibt es Menschen, Anspannungen und Gedanken, die leider keine ideale Voraussetzung zum Schreiben schaffen. Nach der Tour kehrt man erschöpft und mit leeren Seiten zurück. Daher geschieht das Schreiben meist zu Hause im stillen Kämmerlein oder beim Spaziergang durch Wald und Wiesen…

Was begleitet dich beim Schreiben – deine Jugend durch Wald und Wiesen oder das Leben in der Stadt?

Die Themen, die ich behandle sind in keinerlei Hinsicht mit meinem aktuellen Wohnort verknüpft. Da ich eben genau die Verbindung zwischen Privatem und Text, die ja dann auch der Hörer vermutet, strikt trennen will. Für mich ist es viel wichtiger mir den Rückzug, aus der Stadt oder dem lokalen Ort an dem ich lebe, zu nehmen und reflektierend auf die vergangenen Dinge zurückzublicken und mir meinen eigenen kreativen Freiraum zu schaffen, um einen Text entstehen zu lassen.

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Rap.de beschreibt deine Texte mit Bezug auf dein aktuelles Album Triebwerke als „von Schokolade ummantelten Klostein“. Schmeicheln dir solch metaphorische Zensuren?

Ich hab es nicht gelesen, aber ich mag die bildliche Umschreibung der Kollegen von Rap.de sehr gern. Generell ist es natürlich schmeichelnd, wenn sich Rezensenten oder Kritiker mit meinen Texten auseinandersetzen und sich dabei auch von meinen Metaphern tragen lassen und ihre Zensuren daran koppeln.

Es gab nicht immer solche schmeichelnden Kritiken, wenn wir beispielsweise auf ein Interview mit dem Spiegel zurückblicken…

Auch damit kann ich leben. Ich fürchte keine Kritik, sondern erachte es als anerkennend, wenn sich Menschen mit meiner Musik auseinandersetzen – egal auf welcher Ebene. Im Vordergrund stand hierbei ja keine böswillige Absicht, vielmehr ging es um eine zusammenfassende Verallgemeinerung meiner Aussagen aus dem Interview.

Sobald es um „Willst du“ geht, verweist du gern mal auf die Muttis, die dir Sorgenbriefe schreiben, weil die Kids beim Abendessen sitzen und deine Texte runterbeten. Hier greift deine Intention eines Anti-Drogen-Songs nur schwerlich. Verspürst du manchmal den Anreiz solche Muttis wachzurütteln?

Ich habe mir bewusst diese Art ausgesucht, um mich auszudrücken. Ich könnte Lieder machen, wo ich den Zeigefinger erhebe und sage hier ist noch ein Apfel für unterwegs und esst auch mal mehr Vitamine. Ich spiele in diesem Song ja quasi das Opfer der Zustände einer Generation und natürlich stößt das auf ganz verschiedene Köpfe, die die unterschiedlichsten Intentionen darin wieder finden. Es gibt eben genau diese, die sich mit jenem Song zuballern und dann vollgedröhnt in die Disco rennen und meine These im Prinzip vollkommen stützen.

Wenn du etwas zur Verbesserung unserer Welt beispielsweise mit der Unterstützung eines sozialen Projektes beitragen könntest, welches wäre dieses?

Auf jeden Fall würde ich das und denke früher oder später kommt das definitiv auf mich zu. Es liegt in meinem Bestreben etwas Sinnvolles zu leisten, diesbezüglich müsste ich nur noch herausfinden, welches das passendste Projekt für meine Ambitionen wäre. Mir ist sehr viel an der Natur gelegen und daher wäre das Weiterbestehen unser grünen Erde ein Herzprojekt, wobei aber sicherlich auch die richtige Organisation eine große Rolle für mich spielen würde.

Was sind deine Ziele für die Zukunft und was erträumst du dir noch?

In meiner ganzen Laufbahn habe ich mir Ziele gesetzt. Ich bin glücklich solange ich meine Songs, Videos und überhaupt auch meine Ideen verwirklichen kann. Würde ich den Status eines Roberto Blancos erreichen wollen, säße ich an den neuesten Schlagerhits und könnte „Und sah ein Knab ein Röslein stehen“ neu interpretieren. Aber ich möchte das nicht, daher ist mein Ziel nur das zu tun, was mich selbst erfüllt.

Und wovon hast du letzte Nacht geträumt?

Oh, letzte Nacht träumte ich von einem Auftritt mit Trailerpark, der nach drei Songs ein schnelles Ende fand, da keiner mehr Bock auf unsere Show hatte. Wir waren dermaßen abgefuckt und das verfolgt mich bis in die tiefsten Untergründe meines Bewusstseins. Wir könnten jetzt darüber philosophieren, was mir dieser Traum zu sagen hat…dazu kann sich der Leser aber in Gedanken selbst ausleben.

Na dann, denkt mal darüber nach!

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Zum Kunsthandwerk von DIE ANTWOORD

Der Verstand der begehrten südafrikanischen Band DIE ANTWOORD liegt ja bekanntlich schon lange blank. Dennoch beweisen sie uns immer wieder aufs Neue, dass es noch doller geht. Sagen wir so wie Nachbar Achim uns auf seinem Youtube-Channel beweisen will, dass er eben nicht voll wie zehn Matrosen ist, wenn er auf die Brüstung vom Balkon steigt. Das heute frisch publizierte, visuell anormale Kunsthandwerk hat es jedenfalls innerhalb weniger Stunden auf 100.000 Klicks geschafft.

Wer nun doller ist, dürft ihr selbst entscheiden:

 

Am 03.06.2014 releasen DIE ANTWOORD ihre neue LP „Donker Mag“ und wer gar nicht mehr genug bekommen kann und das durchgeknallte Duo noch nie live erlebt hat, dem sei angeraten sich schon mal Tickets fürs MS Dockville im August zu besorgen und direkt einen Platz vor der Bühne zu sichern, um sich von dieser musikalischen Ausnahme seelisch betäuben zu lassen…

Ich bin jedenfalls da!

Blood Red Shoes

Berlin ist für die beiden aus Brighton stammenden Musiker Laura-Mary Carter und Steve Ansell eigentlich nichts Neues, schon seit Jahren sind sie hier stetig auf Tour. Dafür ist es umso spezieller, dass sie sich ausgerechnet im Kreuzberger Kiez in einem leergefegten Tonstudio einquartiert haben, um ihr selbstbetiteltes Album „Blood Red Shoes“ unter Eigenregie zu produzieren. Unweit davon stellten sie dieses gestern endlich in großer Manier im Astra Kulturhaus einem ungeduldigen Publikum vor…

Als Support hatten die Blood Red Shoes ihre Freunde The Wytches mit vor Ort, welche ihre psychedelischen Riffs geübt durch die Halle strömen ließen und die musikhungrigen Menschen dabei in eine Art kafkaesken Zustand versetzten, der den trashigsten Parts aus Quentin Tarantions „From Dusk Till Dawn“ hätte entnommen sein können. Es fühlte sich leider ein bisschen wie auf einer Halloween-Party mit Augapfel-Bowle und blutverschmierten Wänden an, war aber dennoch irgendwie treffend.

Blood+Red+Shoes++twin+peaks+sho

Die Blood Red Shoes betraten kurz darauf stillschweigend die Bühne, auf der mehrere Glühbirnen vor einem samtroten Vorhang von der Decke hingen. Die Atmosphäre knistert, als sie sich schließlich an ihre Instrumente setzten und den Opener „Welcome Home“ ihrer neuen Platte erklingen ließen. Das Publikum ist schlagartig wach und dreht, springt und wendet sich. Ganz allein zwei Menschen schaffen es in Sekundenschnelle eine von Hunderten gefühlte Halle in ihren Bann zu ziehen und das mag schon was heißen.

Sowohl der Bühnenaufbau und die visuellen Eindrücke, als auch die ungehemmte Art Musik zu präsentieren, tragen dazu bei den Blood Red Shoes ewige Treue zu schwören. Im Gegenzug schenken sie diese nach all den Monaten, die sie in Berlin verbracht haben, auch uns: „Berlin is close to our heart“, schwörte Laura-Mary und knipste nach dem letzten Song „Heartsink“ noch einige Fotos mit ihrer Kamera von uns.

Aber so schnell waren sie dann doch nicht weg, schließlich folgten noch drei Zugabe-Songs, bei denen sich Steve Ansell und Laura-Mary auf die Drums stellten und sich restlos dem Rausch der Gefühle hingaben. Und weil das nicht genug ist, wirft sich Steve abschließend noch zum Stage-Diven in das jubelnde Publikum, welches in verliebt durch die Halle zurück auf die Bühne trägt und mit Taschentüchern winkt, als die Glühbirnen dieses Abends vollständig erloschen sind.

Playlist:

  1. Welcome Home 
  2. I Wish I Was Someone Better 
  3. Don’t Ask 
  4. Speech Coma 
  5. Everything All At Once 
  6. It Is Happening Again 
  7. This Is Not for You 
  8. Cigarettes In The Dark 
  9. Cold 
  10. The Perfect Mess 
  11. Say Something, Say Anything 
  12. Black Distractions 
  13. An Animal 
  14. Light It Up 
  15. Heartsink 

Zugabe:

  1. It’s Getting Boring by the Sea 
  2. Red River 
  3. Je Me Perds 

 

 

Im Gespräch mit Marteria

„Grüner Glanz, viel Feuer und jede Menge Wahnsinn!“

Dieser Mann kann einfach alles. Modeln, kicken, angeln, tanzen, gut aussehen und ach ja RAPPEN! Nicht ohnehin hat es Marteria mit „Lila Wolken“ feat. Yasha & Miss Platnum letztes Jahr auf Platz Eins der deutschen Charts geschafft. Der bescheidene Typ von nebenan, lässt das Segel nie locker. Wir haben Marten auf dem aufgeheizten SPLASH! getroffen, um mit ihm über das erste Tattoo, soziale Projekte in Uganda, gutes Karma und sein Alter Ego Marsimoto zu reden…

Du wirst auch immer bunter. Aus welcher Motivation heraus entstehen deine Tätowierungen eigentlich?

Pure Trotteligkeit. Das erste Tattoo ist auf dem SPLASH! entstanden. Man kann sich hier im Backstage tätowieren lassen und da habe ich gedacht, warum nicht.

Wenn du schon von Trotteligkeit sprichst, scheint dabei ja nichts Gutes rumgekommen zu sein?

Es ist der Name meines Fotografen – Paul Ripke, den trage ich jetzt für ewig auf dem Rücken. Im Gegenzug dessen, muss er das auch mit meinem Namen tun.

Wunderbar, das ist wahre Bromance!

Allerdings, hehe.

Mit Paul Ripke und Maeckes warst du erst kürzlich in Uganda, um das Projekt BLUganda von Viva con Agua zu unterstützen. Was war das für eine Erfahrung?

Sehr besonders auf jeden Fall. Dabei kann man sich bewusst werden, was richtige Werte im Leben sind und was wirklich zählt. Andere Kulturen und Länder sind etwas ganz spannendes und ich bin der Meinung, dass man Schulen, dazu motivieren sollte, dass man Kinder aus der 9. oder 10. Klasse aus kultivierten Ländern wie Deutschland im Form von Projekten in Entwicklungsländer schickt. Dann würden sich die Welt um einiges bessern.

Gerade als Vorbild, dass du ja für viele Kids bist, nimmt diese Reise sicher einen hohen Stellenwert für dich ein oder?

Und wie sie das tut, es geht eben darum aufmerksam zu machen. Viele Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht einmal, dass es so ein Land wie Uganda überhaupt gibt. Wenn man sich gezielt damit auseinandersetzen würde, dann würden viele Sachen ganz anders laufen. Hier wird so vieles als selbstverständlich angesehen. Warum müssen Austauschjahre in den USA stattfinden, wenn sie ebenso nach Uganda gehen könnten? Das wäre schon ein erster Schritt.

Suchst du dir selbst soziale Projekte heraus oder ist es dein Management, welches da steht und sagt: Mach mal was für´s Karma! Oftmals ist dies ja eine kritische Sache, um den „lässigen Rapper“ zu einer guten Tat zu bewegen. Wie sieht das bei dir aus?

Das ist bei mir gar nicht so. Es gibt keinen Mensch, der einem sagen sollte, tu mal das, um soundso dazustehen. Genauso wenig gehe ich auf Angebote ein, bei denen es unfassbar viel Geld gibt, um in irgend einer Casting-Show in der Jury zu sitzen und Menschen zu beurteilen. Das ist nicht Sinn der Sache. Da steht auch mein Management auf und applaudiert, wenn ich in 0,3 Sekunden sage: Nein. Es geht nicht um Geld, sondern um Leben, Familie, Freundschaft und Zusammenhalt.

Du spricht gern von Familie und Freundschaft. Ist auch das SPLASH! für dich ein Stück davon geworden?

Das SPLASH! ist ein äußerst wichtiger Teil in meinem Leben geworden. Es ist das, wo ich schon immer war. Bisher habe ich es, bis auf einmal, jedes Jahr besucht. Bereits mit 15 Jahren bin ich mit 30 DM in der Tasche, meinem kleinen Zelt und großer Aufregung hingefahren. Ich habe schon vieles mitgemacht auf dem SPLASH! Angefangen vom jugendlichen Wahnsinn bis hin zum großen Act auf der Bühne.

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Heute steht dir definitiv ein großer Spaß bevor. Du bist Headliner und spielst als Main-Act auf der Main-Stage nach A Tribe Called Quest. Wie sehr Wahnsinn ist das für dich? Springst du weiterhin von Level zu Level oder ist das Ziel irgendwann erreicht?

Das ist es nie. Meine Mutter ist Lehrerin und selbst als sie in Rente ging, hat sie noch Fortbildungen besucht. Genauso ist es mit der Musik, es ist harte Arbeit. Wir haben stetig Action abgeliefert und uns diese Position erkämpft. Vor zwei Jahren waren wir Drittletzter von oben, letztes Jahr mit Marsi Co-Headliner und nun sind wir da wo wir stehen und werden das auch nutzen.

Vor dem Interview habe ich euren einstündigen Soundcheck mitgenommen. Wie es aussah, wird es viele Überraschungen und ein bisschen Marsimoto geben?

Oh ja, wir haben viel Action geplant. Es wird grünen Glanz, viel Feuer und Support von MC Fitti geben. Wir wollen es heroisch und emotional…

Geilo, wir freuen uns. Letzte Frage: Was passiert, wenn nichts mehr geht? Welche Karrierepläne kommen noch?

Reisen, Angeln, Familie. Und natürlich Präsident vom F.C. Hansa Rostock werden. Das wird mein nächstes großes Ziel!

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