SPLASH! – What A Flash

„Ich trag heut Softeis und sonst nichts“ – ein passenderes Zitat als das von MC Fitti hätte man wohl kaum finden können, um dem heißesten Rap-Spektakel des Jahres am nächsten zu kommen – Das SPLASH! hat es sich an seinem 16. Jahrestag mit Acts wie Marteria, Casper, Die Orsons, Tyler – The Creator, A$AP Rocky, Iggy Azalea, Macklemore und vielen weiteren Künstlern auf jeden Fall ziemlich gut gehen lassen und eine dicke Torte mit Sahne, Schokostreuseln und Kirsche oben drauf präsentiert.

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Neben all den fabelhaften Acts, haben wir es uns nicht nehmen lassen, im Backstage ein bisschen mit Marteria und Casper bei Sonnenschein an der See zu cornern, mit MC Fitti knallige Seifenblasen zu schießen und Prinz Pi über Battle-Rap zu talken. Alle Leute, die nicht da waren, haben einiges verpasst, aber dafür haben wir ja schließlich ein paar nette Bilder gemacht…

Nachdem Kendrick Lamar schon am Donnerstag ordentlich Vollgas gegeben hat, waren wir uns längst sicher, dass die nächsten drei Tage die Superlative des Hip Hop ausgepackt wird. Am Freitag zeigte uns Chefket mit Sonnenbrille und smarten Beats erstmal wie das mit dem Rap so geht und auszusehen hat. Als Dendemann auf die Bühne kam und seine anarchisch anmutende Show im Camouflage-Stil vorführte, ging es dann langsam richtig ab…

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Die größte Show lieferte am Abend ganz sicher Marteria ab, der neben Yasha auch gleich MC Fitti ins Boot holte und „18 Zoll“ mit der typisch gewohnten Glitzer-Konfetti-Kanone vorstellte. Als Marsimoto um die Ecke kam, grüne Farbbomben und sich höchst persönlich mit einem gigantischen Joint ins Publikum warf, konnten rund 18. 000 Fans nur noch jubeln und strampeln.

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Iggy Azalea gab mit einer ordentlichen Po-Performance ihre Sounds zum Besten, Tyler – The Creator wickelte die Massen mit WOLF gnadenlos um die Finger und spielte mit den Fotografen im Graben, die wie wild gewordene Hunde jedem guten Snapshot hinterher jagten. Ja, ich war auch einer von ihnen. Genetikk haben sich einen ganz besonderen Streich einfallen lassen, indem sie 10.000 Masken an die Menschen rausgaben, um sie somit teil ihres neues Musik-Videos werden zu lassen.

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Casper zeigte uns am Samstag Abend eine ganz andere Seite von sich. Ruhig und nachdenklich wirkte er während seiner Show, was die Atmosphäre in eine ganz andere Richtung trieb als wir es sonst kennen. Nervös wartete das Publikum auf einen neuen Song, der zur Enttäuschung aller ausblieb. Stattdessen jedoch, wurde final das Cover seines neuen Albums „Hinterland“ enthüllt, welches am 27.09.2013 erscheinen wird.

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Sonntag wurde dann endlich die Kirsche auf der Sahnetorte verspeist. Macklemore & Ryan Lewis ließen das Publikum zittern und warten, doch als es dann endlich losging, interessierte das auch keine wackelnden Köpfe und schwitzenden Körper mehr. Macklemore feierte ausgelassen mit dem Publikum und hüpfte in der Zugabe mit „And We Danced“ heldenhaft in seiner Rolle als Raven Bowie über die Bühne, auch wenn er sein Pferd Tyrone leider zu Hause lassen musste.

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Verrückt, kaum waren wir da, ist alles schon wieder vorbei. So schnell geht das. Dennoch hatten wir eine wahnsinnige gute Zeit und freuen uns schon jetzt wie Bolle auf´s nächste Jahr – wenn das SPLASH! 17 wird und im Jahr darauf, darf es dann auch endlich Schnaps mit uns trinken. Und solange schauen wir uns einfach noch alle Highlights und Bilder von der Supersweet 16 an…

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Nie wieder Ritalin

Hinsetzen, anschnallen, fertig – los geht´s. Der Festivalsommer steht in seinem schillernden Glanz von warmen Dosenbier und stinkenden Achseln vor der Tür und will euch mit seinem kindisch-verstrahlten, ausgepowerten Blick liebkosen und umarmen. Aber bevor es soweit ist, erstmal zurück zum Anfang…

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Keiner weiß, was ab morgen die nächsten drei Tage passieren wird. Denn dann beginnt für uns die FUSION. Wir werden uns morgens in den Bus setzen, wahlweise Whisky und Liköre trinken, eine Pause an der Raststätte machen, an der sich noch mal jeder auskotzen und besinnen kann, bevor wir dann mit bassbrüllenden Beats in die Kurve des ehemaligen Militär-Flugplatzes von Lärz in friedlicher Mission einkehren. Wir werden unsere Bändchen am Grenzstreifen abholen und dann in die Gefilde einer musikalisch überdosierten Community of Love eintauchen, wo uns zwischen trinkwütigen Zeltlagern, seilspringenden Artisten und pinken Ponys niemand mehr finden wird.

Kraftklub haben zur Einstimmung in die Festivalsaison ein passendes Video gedreht, dass das hier skizzierte 3(odermehr)-Tage-Durchdreh-Leben in wirklich jeder Hinsicht verdeutlicht:

Und weil das alles noch nicht genug ist, geht´s nach einem kurzen Kur-Wochenende in Berlin am 12.07. zum SPLASH! Wo uns das komplette Pendant an Musikern und Menschen begegnet, die mindestens genauso spannend und sicher eine Story wert sind. Oh yeah, weitermachen, Sachen packen und ab dafür. Viele Späße beim feiern und durchdrehen – wo auch immer ihr euch aufhaltet. Und ach ja, bevor ich es vergesse – nehmt euch in Acht vor Menschen mit dem ADHS, hab ich gehört!

Kisses and GO.ODbye

Coexist 2.o

 

Klicken, lesen und hören.

Es ist wie das Leben in einer hermetisch abgeriegelten Käseglocke.

Du steckst fest und versuchst darin zu atmen, doch mit jedem Atemzug wird die Luft weniger und mit jedem Blinzeln beschlägt das Glas mehr und mehr.

Sauerstoffarm.

Schwindelig.

Schwach.

Du versuchst aufzustehen und weiterzugehen, aber deine Beine brechen gnadenlos unter dir weg.

Gefangen mit Gedanken, die nicht raus können, die sich mitteilen wollen, aber niemand ist da.

Niemand, außer dir.

Es bringt nix drüber zu reden, es hilft vielmehr es von sich ab-zu-schreiben.

Die unverstandene, hässliche Welt, die von Ungeziefern besiedelt ist.

Die sich durch deine Haut beißt und deine Seele ergreift.

Du fasst all deine Gedanken zusammen und speicherst sie auf einem kleinen Stix, welchen du in eine Flasche steckst und auf die Reise schickst.

Er wird irgendwo ankommen.

Bei jemanden, der dich nicht kennt, der dich aber umso besser verstehen und von deiner Last befreien wird.

Dann wird es ganz still.

Ganz heimisch.

Und du bist wieder da, wo du hingehörst.

In deinem Universum, in dem die Luft durch deine Lungen dringt und deine Adern das Blut durch dein Herz pumpen.

Du bist wieder frei.

Du hörst wieder Klänge und verspürst Freude.

Du existierst nun da, wo es am schönsten ist.

Zwischen den Welten.

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Tony Sly – Legend of Punk

 

The Singer of the Band No Use For A Name is dead. Only at the age of 41 he passed away.

Tony Sly joined the California Pop Punk Band in 1989 and gave them an unique and inspirational touch through the songs, which he wrote.

In a statement posted to the band’s label’s website, Fat Wreck Chords founder and NoFX frontman Fat Mike said, “One of my dearest friends and favorite song writers has gone way too soon. Tony, you will be greatly missed.”

He was a part of my youth, with his music, his songs and his statements.

REST IN PEACE!

Pharrell Williams schreibt jetzt auch

 

Und wieder ist ein neuer Star-Autor geboren. Das Multitalent Pharrell Williams hat seine Autobiographie niedergekritzelt und wartet im Oktober in den Staaten mit seinem Style-Diary auf. Darin verarbeitet er Persönliches, Primitives und Populäres. Und Fotos. Es wird Interviews mit Freunden wie  Jay-Z, Kanye West und Hans Zimmer geben. Und noch mehr Fotos.

Ganz logisch ist somit auch der Name des Werkes: PLACES AND SPACES I`VE BEEN 

Na dann, ich warte geduldig. Auch wenns nicht so dramatisch viel zu lesen geben wird, gibt’s dennoch wertvolle Meilensteine zu beobachten, die Pharrell im Medien-Business geschaffen hat.

In Analogie zu Justin Bieber, der in FIRST STEP 2 FOREVER seine Kindergartenzeit umgeht und sich gleich vollends mit Babyspeck und fehlendem Zahnspangen-Gerüst auf die Bühne stürtzte. Da verspricht das stundenlange Anstarren einer Erbse sicher mehr.

Aber darum geht’s ja nun nicht, also Pharrell – dich kauf ich!

>Hier< könnt ihr schon vorbestellen.

 

Hardcore Help Foundation

Die Post-Hardcore Band WATERDOWN ist jetzt auf Abschiedstournee und hat sich für diese einen ganzen besonderen Anlass zu Herzen genommen. Sie sammelt auf jedem Konzert im April und Mai ein altes Hardcore/Punkrock-Shirt der Besucher und versteigert alles zusammen am Ende ihrer Tour an Interessenten. Der Erlös der Spende geht an Kinder in Afrika, Obdachlose in Deutschland oder Fukushima-Opfer in Japan. Eben überall hin. Also seid auch ihr dabei!

Unterstützt die Hardcore Help Foundation: http://hardcore-help.com/

Kramt eure alten Shirts raus, geht für gerade mal 10Euro (wenn überhaupt) zum Konzert und fühlt euch gut dabei.

<3 & Peace!

Time For Heroes

„The Good Old Days“ wie „The Libertines“ mit ihrem graziösen britischen Charme einst ausgelassen durch die Räume schallen ließen, sind eigentlich längst vorbei, doch seit Pete Doherty und Carl Barât im März diesen Jahres ihre Reunion bekannt gegeben haben, sind sie zwar mehr oder weniger im richtigen Leben angekommen, aber nicht ins alte Rockerröhren- Business zurückgekehrt.

Besonders Carl hat einen enormen Wandel durchgemacht oder zumindest ist es so, dass der Wandel in ihn gekehrt und bis in die Knochen gekrochen ist, um nicht zu sagen, er hätte seine Seele an den Teufel verkauft… Aber das wäre übertrieben, vorab bedarf es dazu eines Blicks in die Musikerbutze: Zusammen mit dem Sänger/Songwriter Neil Hannon, Kopf der Band „Divine Comedy“, hat Carl das Pop- Türchen mit Instrumental- Klinke geöffnet, wobei er allerdings weder an Glaubwürdigkeit noch an Eloquenz verloren hat. Er selbst beschreibt seine neue Platte als: „klavierlastig, reduziert und erwachsen.“ Und nun ist er auf Promo- Tour und macht sich stark im Alleingang. Ohne Pete. Doch trotzdem sahen wir es als ein Solo- Konzert mit zwei Köpfen, wobei auch die „Dirty Pretty Things“, „Libertines“ sowie „Babyshambles“ mit voller Montage auf der Bühne standen, ohne überhaupt den Saal betreten zu haben. Vorerst, denn gemeinsam treten sie, zumindest Pete und Carl, mal hier und dort auf und lassen bei ein paar Großevents die Kassen klingeln. So ist die Rente nebenher eben auch schon mal gesichert. Gerade Pete darf man es nicht übelnehmen, er hätte schon spätestens als Teenie den Zeitungswisch, den er austragen sollte, doch erst mal versucht zu rauchen, bevor er überhaupt auf die Idee gekommen wäre, diesen in den Briefkasten seiner Nachbarn zu werfen. Damit wäre allen schon damals eine Menge Blödheit von der Yellow Press erspart geblieben. Deswegen lieben wir ihn doch. Who the Fuck is Celebrity?

Und wahrscheinlich ist es gerade das, wonach sich die Menschen gesehnt haben, nach dem Neuanfang rüpelhafter und verrückter Musiker, die quasi den tragischen Helden im bürgerlichen Trauerspiels verkörpern und sich daraufhin ihre Identifikationsbasis geschickt neu zusammenschustern, aber ihr wohlverdientes Imagebewusstsein dennoch davon unberührt lassen. „Vater werden“ trägt ja bekanntlicherweise auch dazu bei. Carl erwartet demnach mit seiner Freundin Edie Langley derzeitig einen Sohn. Nun haben wir auch die Lösung, die Carl uns kurzerhand in den Mund legt: „Wenn du den Glauben an Liebe und Musik verlierst, und das hatte ich in der Vergangenheit, dann passieren schlechte Dinge. Aber jetzt funktioniert beides wieder, ich habe Liebe und Musik im Überfluss.“
Ach ja, Love and Music, diese beiden Streithähne, führen immer zu Veränderungen, neuen Dimensionen und… Emotionen. Deswegen halte ich kurz meine Klappe und vergieße eine Träne. Schluchz. Einer hat es geschafft, der andere noch nicht. Mal sehen was aus unserem bewunderswert kaputtgefeierten Pete noch wird. Kate Moss hat er überlebt, den Zusammenbruch seiner Band(s) hat er überlebt, den „Forever 27“- Club überlebt er schon seit vier Jahren… Das Pete- Steh- Auf- Männchen überlebt auch alles andere! Ich bin zuversichtlich. Ohne seine Brillianz und seinen Wahnsinn wäre meine „Weltanschauung“ nicht mehr das, was sie sein sollte und ich würde die Menschen wahrscheinlich überhaupt nicht mehr verstehen, weder Sprache noch Verhalten.

„Die Vergangenheit macht uns zu dem wie wir sind. Wir versuchen in der Welt zu agieren und auf sie zu reagiern. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, der blaue Flecken hinterlässt. Die Zukunft sollte uns helfen, die Wunden zu vergessen und sich dem Bösen zu entziehen… Das macht sie aber nicht.“

Take off your pants and jacket

Ganze vier Jahre herrschte Stille. „Blink 182“ – getrennt! Die Band war zerstritten, musste mit Tragödien kämpfen, war nicht mehr da. Die Fans sollten sich stattdessen mit den Split- Projekten, „Angels and Airwaves“ worunter Tom und „+44“ wo Mark und Travis zu finden sind/waren, vergnügnen. Ich war nie Fan dieser Tatsache, stand dieser stets mit einem lachenden und weinenden Auge gegenüber und habe weiterhin die alten Blink- Alben hoch und runter gehört bis sie mir aus allen Löchern kamen, statt mir jemals ein Album dieser Patch-Work-Bands zu kaufen. Da bin ich zugegeben kitschig und stereotyp. Nicht umsonst habe ich die böse Prozedur von: „Die kommen eh nie wieder zusammen“- und „Fuck Blink 182“- Sprüchen durchgestanden, denn nun ist es passiert oder vielmehr schon mit der Ankündigung auf der Grammy-Award-Verleihung letzten Jahres. Sie sind wieder da und sie rocken derbe!

Das durfte ich gestern auf der Europa-Tour in Hamburg hören, sehen und erleben. Als Support standen die ehemalige Highshool-Blink-Cover-Band „All Time Low“ und die seit 1998 bestehende Post-Hardcore-Institution „Thrice“ auf der Bühne. Gestern sprintete wirklich jedes Pferd von alleine davon, als es aus den Boxen auf der Trabrennbahn in Hamburg donnerte. Apropros Donner, nachdem Blink ihren dritten Song „Feeling this“ gespielt hatten, ging es schon los mit peitschenden Regentropfen, die einem die Augen ausspülten. Tom konnte sich Witze wie „That´s exactly the wetness of your mother´s virgina.“ nicht verkneifen. So hatten wir auch im Regen unseren Spaß mit den restlichen 20.ooo durchnässten Menschen und haben dem Sumpf, der sich unter unseren Füßen bildete, durch hüpfende und hopsende Bewegungen standgehalten.

Es ist als wären Blink nie weg gewesen – ganze 17 Jahre gäbe sie es dann bereits und von ihrem Alter haben sie sich definitiv nichts anmerken lassen. Die Stimmen waren geölt, die Instrumente funktionierten, die Tanzeinlagen saßen und die Sprüche über Masturbationen und Blow Jobs haben auch nicht ihren Charme verloren. Also eigentlich alles wie immer. Obwohl, die Hosen hätten sie schon noch standesgemäß runterlassen können…naja, next time und solang heißt es: „Keep on rockin, motherfuckers!“

You melt my ice cream

Ferropolis-

Ankunft bei 36° c, vollem Zeltplatz und warmen Bier lassen erst einmal die Mundwinkel nach unten klappen, aber sobald alles steht, stehen auch wir und machen uns auf zum legendären Hangar. Rein in den Shuttlebus und raus aufs Festivalgelänge. Dort schnuppern wir die ersten frische Klänge von DELPHIC, die sich von den Menschenmassen nicht beeindrucken lassen und ihren Sound von „Doubt“ einbandfrei über die Gemini-Bühne bringen. Hochmotiviert gehts weiter zum Big-Wheel-Stage ins Elekro-Geflüster. Hier feiert BEN KLOCK ordentliche Vibes und wird von verkleideten Karneval- Fans angejubelt. Nettes sowohl für die Ohren als auch für die Augen. Leider lässt die Running Order kaum Zeit zu atmen, denn partout hat man das Gefühl etwas zu verpassen und … THE XX – Schnell, Platz in der Crowd auf dem Main-Stage sichern, kurz warten und da sind sie schon. Heißgeliebt, aber nicht soooo überragend wie ich finde. Ebenso hätte man Pappfiguren aufstellen und Playback abspielen können. Naja, Hauptsache nicht verpasst. Viel spannender ist der darauf folgende Act: FOALS. Grandios, alles stimmt. Die Band zieht das Publikum mit ihrem Math-Rock- lastigem Stil unmittelbar in den Bann. Spanish Sahara entpuppt sich als absolut tanzbar trotz der ruhigen melancholischen Einflüsse. Das Herz will bleiben, aber der Körper muss weiter zu AUTOKRATZ und sich zum King of Africa- Remix auslassen. Getanzt und gewackelt wird überall, kein Mensch steht still, alles ist in Bewegung. Außer bei solchen, die zu tief ins Glas oder zu hoch in die Sonne geguckt haben, denn irgendwo schläft immer irgendwer, selbst der „Sleepless-Floor“ hat mit seinem Namen zu kämpfen. Schlaf ist für uns jedenfalls erst einmal Nebensache. Am Desperados- Beach sehen wir Feierwütige auf einem Floss und Badewütige im Wasser dem Sonnenaufgang entgegenschwimmen, passend dazu erfrischen BONAPARTE mit Wasserpistolen das Publikum. Bevor es zu RICARDO VILLALOBOS geht, trinken wir einen Chai-Tee im Indian-House of Relaxing und lassen uns milde Shisha- Gerüche um die Nase wehen. Es ist nahezu 6.30 – der erste Melt-Tag ist um… außer für die Sleepless- People natürlich. Wir kehren erschöpft zu den Zelten zurück, wo uns unsere Camping-Nachbarn bereits mit ihrem Megaphon erwarten: „Guten Morgen!“ Whoooat? Was ist da los „Schon wach oder immer noch wach?“ ist meine Frage. „Noch wach.“ deren Antwort. Na gut, früher oder später werden sie auch auf ihren Stühlen einnicken und bis dahin sind meine Schafe im Schlaf  schon 100 Mal über den Zaun gesprungen…

Der nächste Tag beginnt schweissgebadet. Im Zelt sind geschätze 80°c. Sauna-  Nein, danke! Ab zu den Duschen, aber hier ist auch die Hölle los. Anstehen – Nein, danke! Also wird unter dem Wasserhahn im Freien geduscht, funktioniert super und erfrischt extrem. Ein wirklich belastendes Problem auf diesem Zeltplatz bei eigentlich wunderbarem Sonnenschein ist, dass es keinen Schatten gibt. Ein Pavillon ist unabdingbar. Aber was tun wenn keiner vorhanden ist? Müllsäcke über Zelte spannen hilft oder Regenschirme über den Kopf halten oder im See stehen und mit nassen Klamotten einwickeln. Also, Lösungen gibts immer und an die halten wir uns bis es Abend wird und wir uns wieder dem Programm-Plan widmen. Erster Act: HURTS. Hmmm, okay… ähnlich wie The xx. Was soll man machen, weiterziehen! Das Intro-Zelt wird von DARWIN DEEZ bespielt. Schon viel besser. Eine Bühneschau mit Hip Hop- Tunes und eine glasklare Stimme vom Radar- Detector persönlich werden geboten. In jeden Fall sehenswert. Next one: Jamie T, oh my dear, awesome. Tanzen, tanzen und nochmals tanzen. Noch kurz beim genialen MIIKE SNOW und dann zu mir unbekannten DJ SHADOW zurück zum Main- Stage. Aber dieser bleibt aus. Stattdessen wird CHRIS CUNNINGHAM vorgezogen. Just die Menschenmassen überzeugen uns und wir warten… und warten… eine ganze Stunde passiert nichts. Ich werde ungedulgig und miesepetrig. Nicht mal mehr Musik wird gespielt. Der Main- Stage, die größte Bühne von allen, liegt komplett auf Eis. Fehlanzeige! Aber dann lässt sich doch noch Chris Cunningham blicken und es kann losgehen – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Meiner ist es nicht. Ich empfinde sowohl musikalisches und noch viel mehr visuelles als alptraumerregend und penetrierend. Sein Konzept „Bild und Ton als untrennbare Einheit“ mag tatsächlich aufgehen wie man auch bei seinen Videos für Björk oder Aphex Twin sehen kann. Aber meine Frustation und Demotivation können die cunninghamsche Bildästethik nicht wirklich aufsaugen sondern nur ausspucken. Brechreiz. Toiletten. Okay, jetzt ist wohl die Zeit für das stille Wasser eingetreten, dass hier mittlerweile schon einige literweise zu sich nehmen. Aber weiter gehts nichtsdestotrotz, die Running Order ruft zu actionreichen Taten auf. Nächster Zapfenstreich: CHROMEO plärren schon aus meterweiter Entfernung „Needy Girl“. Whoop whoop! Die Electro-Funk-Vibes stimmen zum Köpfe schütteln an und die Partyanimals füllen die Halle. Wir sind wieder drin, ich bin wieder am Start und weil es so gut war gehts gleich weiter mit A-TRAK und und und…

Sonntag – 3 h Schlaf, 2 Kopfschmerztabletten, 1 Dusche. Der Tag beginnt böse und verkatert. Aber nach und nach schüttet der Körper freiwillig Adrenalin aus. Wenn man sich in Bewegung hält, sei es ein Kopfstand oder Fange- Spielen auf dem Zeltplatz, dann wird das und spätestens dann wissen auch die Hormone wo sie hinmüssen – und zwar zum Hangar! Ein Melt-Graffiti wird noch eben auf den Arm gesprayt, damit auch jeder weiß wo wir sind und dann gehts zu BROKEN BELLS, die den letzten Festivaltag erst mal geschmeidig einklingen lassen. Wir wollen noch mehr Krach und da sind wir bei TURBOSTAAT gerade richtig. Leider nur zu spät. Das Intro-Zelt platzt aus allen Nähten, da gibts kein raus und rein mehr. Also begutachten wir das Spektakel durch die Zelteingänge mit Blick auf die Bühne. Es ist eine extrem lebendige Show, die die Jungs da liefern. Das macht gute Laune und Lust auf mehr – und nun ist es auch schon soweit für den absoluten Hauptact des Melts: MASSIVE ATTACK. Man hat das Gefühl als wären alle 20.000 Festivalgäste versammelt und auf der Mainstage als Komplettpaket zusammengeschnürt. Die Trip- Hop- Band rauscht auf die Bühne und es wird gefeiert. Alle sind eins mit der Musik und zappeln friedlich zu den seichten Klängen, die mehr und mehr animieren und die Menschen durchdrehen lassen. Leider bekomme ich nicht soviel mit wie gewünscht, aber dieses unbeschreibliche Extremum an Leidenschaft für die Sounds geht nicht verloren. Es ist ein bisschen wie in einer Endlosschleife zu hängen, nur das man aus dieser nicht mehr raus will. Der Abend geht noch lange weiter, keiner will gehen. Wir taumeln nach diesem wunderbaren Abschiedskonzert zum Sleepless vor und feiern mit der aufgehenden Sonne noch bis zum Schluss weiter. Ein Blick auf die Uhr und das kaputtgefeierte Outfit sagen: 9uhr. Der Akku ist leer, wir wandern zurück zum Zeltplatz. Ein letztes Mal laufen wir den schönen bierflaschenübersäten Weg am See zurück zum Zelt und feiern mit unseren britischen und schwedischen Nachbarn die Abrissparty auf dem „Wohngelände“… ein Beweis für jedermann das die Extase bis ins Kleinste ausgekostet wurde. Danke Melt, wir sehen uns 2011!

I Heart Sharks

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Ein Begriff, mit welchem man diese Berliner Band durchaus definieren könnte, irgendwie sogar muss. Ohne physikalische Floskeln anklingen lassen zu möchten, aber elektrischer Strom ist die Bezeichnung für den gerichteten Anteil einer Bewegung von Ladungsträgern. Zack und da haben wir I Heart Sharks! Ihre Musik wird durch Strom erzeugt und ebenso erzeugen sie Strom mit ihrer Musik, sie elektrisieren ihr Publikum und ja, sie SIND der Strom. Erst kürzlich haben sie die Ionen wieder fließen lassen und zwar zu einem ganz besonderen Anlass. Record Release so wie man es sich vorstellt: Ende Juni, Sommer, Freitagnacht und ganz viele Menschen.

Die drei Sharks sind eine der wenigen Bands, die noch Live-Gigs spielen und das immer und überall. Sie touren überwiegend am Wochenende und Ziel ist es einmal in jeder Stadt Deutschlands gespielt zu haben. Das wären zwar noch rund 2.000 Konzerte, die sie vor sich hätten, aber wenn die Jungs so weitermachen wie jetzt, dann dürfte diesem Vorhaben nichts weiter im Wege stehen… außer dem großen Bruder: DER GLOBUS. Schließlich wird der Sharks- Merchandise bereits bis nach Asien verschickt. Kein Wunder auch bei den Shirts, die (logischerweise) mit frauenfressenden Haien und smart dreinblickenden Wölfen designt sind. Und überhaupt tragen die Sharks die animalischen Gene anscheinend in sich, denn es gibt all die Songs, die mit der Tierwelt vereint sind und oftmals direkt aus den Köpfen dieser stammen. Allein der Bandname I Heart Sharks deutet gekonnt auf eine ganz besondere Liebe zu Tieren hin. Er trägt seine Wurzeln aus dem Film „The Life Aquatic“ von Wes Anderson, in dem sich ein Meeresforscherteam, benannt nach dem Kapitän Zissou, auf eine Expedition nach einem Hai begibt, die eher katastrophal statt wissenschaftlich zugeht.

Pierre, Sänger und Songwriter der Sharks, identifiziert sich in jeder Hinsicht mit dem was er tut und sagt selbst, in Berlin gehe es zu wie in einem Zirkus- bunt und lustig mit Menschen, die agieren und reagieren wie crazy animals. Welcome to the jungle. Trotzdem geht den drei Jungs, wozu auch Bassist Simon und Drummer Martin (einst Georg) zählen, der Blick für die Realität nicht verloren. Sie sind sowohl präsent als auch inkognito und zaubern ganz unbewusst die perfekte Mischung für ihr Image- Rezept auf den Tisch.

Die nächsten Aufnahmen laufen schon im Studio, denn Ende des Jahres wollen I Heart Sharks ihr Debütalbum vorstellen. Bis dahin könnt ihr euch dennoch mit dem ersten kleinen Tonträger und den neu erscheinenden Songs, die nach und nach auf den kommenden Konzerten gespielt werden, vergnügen. Für Strom ist jedenfalls gesorgt und Team Zissou wird nach wie vor kräftig einheizen. Soviel steht fest.