Sport ist Mord

Der Winter ist da.

Kaum wirfst du einen Blick aus dem Fenster, sind schon die ersten Eisblumen an der Scheibe und der Schnee nicht mehr weit entfernt. Es ist kalt, so kalt, dass du das Haus nicht mehr verlassen willst – egal, ob es Freitag, Samstag oder irgendein anderer Vizefreitag der Woche ist. Stattdessen kochst du dir einen Ingwer-Lavendel-Magenkrampf-Tee und legst dich mit einer kochend heißen Wärmflasche ins Bett, um alle kürzlich veröffentlichten Serien, Spielfilme und Dokumentationen bei Netflix wegzusuchten. Hauptsache du musst nicht frieren.

Klingt alles erstmal ganz toll. Gammeln, kuscheln, schlafen. Diese drei Verben jedenfalls, sind der Reihe nach meine absoluten Favoriten in diesem Leben, die ich bis zur Reinkarnation als Faultier schon mal ausgiebig übe. Wenn da nicht diese eine Sache wäre. Die Weihnachtszeit, denn sie verführt schon mit dem ersten Spekulatius im September dazu, zu kaufen, essen, kaufen – bis die ersten Pfunde sich bemerkbar machen und auch die Jogginghose im Schrank, sich am liebsten in den letzten Winkel verkriechen möchte, um bloß nicht von dir getragen zu werden. Traurig, aber wahr. Also schaust du der bitteren Wahrheit ins Gesicht und gehst da hin, wo alle sind und es heißt „Super Fit – Wir lieben Sport“.

Wer zur Hölle hat sich eigentlich diesen Slogan einfallen lassen?

Es reicht scheinbar nicht, dass es kalt draußen ist, nein. Hier wird dir auch noch eiskalt ins Gesicht gelogen. Niemand liebt Sport. Vor allem nicht dann, wenn es darum geht, sich Gewicht abzutrainieren und nach 120 Minuten wegen völliger Überlastung und wasserfallartigen Schweißausbrüchen auf der Toilette zu verkriechen, um wieder die Atmung zurückzuerlangen. Die Werbeagentur Jung von Matt, welche Slogans für die BVG ins Leben ruft, wäre in dem Umgang mit deinem Gewicht wenigstens ehrlich gewesen. Dort hätte es heißen können: „Laufe lieber gleich statt auf die Bahn zu warten, kann nur besser werden für dich.“

Nachdem du also bei klirrender Kälte zum Super Fit gelaufen bist, nicht weil die Bahn auf sich warten ließ, sondern weil du dich selbst dazu motiviert hast, schaust du dem fiesen Feind ins Gesicht. Wie in einem Wilden Western betrittst du die Trainingsfläche und hast die Hand stets am Revolver, um dich vor energischen Mitarbeitern und von Steroiden geschwängerten Muskeln zu schützen. Du fühlst dich stark und trittst dem Endgegner selbstbewusst gegenüber. Zu blöd nur, dass du in der Realität wie ein Steinbruch aussiehst, in dem eine Ladung Dynamit explodiert ist.

Kopf hoch und ab auf die Matte.

Jetzt ist Body Pump angesagt. Der Stress geht schon los, während du dir deine Materialien zusammen suchst. Hier ist sowohl Schnelligkeit, als auch Geschick gefragt. Wenn du das erste Mal einen Kurs im Super Fit besuchst, sei dir gesagt – geh nicht allein, denn zu zweit ist es einfacher sich durch die Menschenmenge zu boxen, während einer schreiend eine Zerrung vortäuscht. Sobald du eine Langhantel, zehn Gewichte in allen möglichen Abstufungen, einen Step und eine Matte vor dir liegen hast, geht es auch schon los.

Nun kommt der Teil der Geschichte, der am meisten weh tut. Deswegen lasse ich ihn einfach weg und komme somit direkt zum Finale Grande des Superkurses – bestenfalls, stehend und mit neuen Muskeln an Armen, Beinen und Bauch, sodass du es nur auf allen Vieren wieder aus dem Raum schaffst. Zehn Minuten später, nachdem du auf der Toilette wieder zu Atem gekommen bist, schaust du in den Spiegel. Wo jeder Sportler, den aus Fachkreisen besagten „Shiny Glow“ sichtet, erwartet dich nur das Gesicht einer überreifen Tomate, die kurz vorm Explodieren ist. Vor deinem inneren Auge läuft eine Netflix-Doku über regionales Gemüse ab, sie könnte deinen Namen tragen.

Seien wir wirklich mal ehrlich.

Eigentlich müssen wir der BVG dankbar sein, dass die Bahn nie fährt. Wir kommen endlich dazu unbewusst Pfunde abzutrainieren, müssen nicht in einer überfüllten Bahn stehen und können uns nebenbei auch noch den Hintern abfrieren, um uns zu Hause mit einem Ingwer-Lavendel-Magenkrampf-Tee und der Wärmflasche völlig legitim im Bett aufzuwärmen. Ach Winter irgendwie mag ich dich, nur über den Sport müssen wir nochmal reden. Detox kommt dann im Januar.

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Reise nach Jerusalem

Retrospektive

Vor einigen Tagen habe ich es gewagt. Ich habe mich endlich an den für mich prägnantesten Ort der Geschichte begeben. Nicht nur historisch, auch kulturell ist Israel wahnsinnig facettenreich und setzt in der Gesellschaft so kontrastreiche Akzente wie kaum ein anderes Land dieser Welt.

Angefangen hat alles vor 15 Jahren, als ich mich das erste Mal neben dem Rahmenplan der Schule mit Israel beschäftigt habe. Da der Unterricht nicht viel mehr bot als Nationalsozialismus und Holocaust, habe ich begonnen selbst die Ursachen der systematischen Vernichtung zu untersuchen, denn an der Oberfläche einer tief verwurzelten Ethnie zu stochern, genügte mir hier in keinerlei Hinsicht.

Mit dem Gedanken sich mehr und mehr den Menschen hinter dieser grausamen Geschichte zuzuwenden, reifte auch der bloße Gedanke sich darüber mit anderen auszutauschen und so entstand schon bald unsere eigene kleine politische Gruppe, die sich neben dem Abitur mit der Geschichte im Allgemeinen befasste und dafür ein neues Bewusstsein fand – kein Mensch ist illegal.

Man könnte jetzt meinen ja, ja, Antifa, ist genauso radikal, doch zum damaligen Zeitpunkt hatten wir eine ganz andere Auffassung von Antifaschismus, der nichts mit Steine werfen und Pfefferspray auf Demonstrationen zu tun hatte, sondern vielmehr mit dem Gefühl der Gleichheit einherging. Diese Meinung vertrete ich auch heute noch, hieran hat sich nichts geändert, obschon sich für viele das Motiv dieser Auffassung geändert haben mag.

Geduld lautet die Devise

Eine Reise nach Jerusalem ist ein bisschen wie ein Stuhltanz um die eigene Achse. Du läufst durch das Dickicht am Flughafen und wirst an jeder Ecke ausgebremst. Wenn du im Vorfeld nicht genügend Informationen über Israel eingeholt hast, bist du eigentlich schon aufgeschmissen, bevor du überhaupt deinen liebevoll mit Bordkarte und Kotztüte ausgestatteten Sitzplatz 24B der Airline gesehen hast.

Tja, sagen wir mal so, wir waren vorbereitet und dennoch gab es Probleme. Die aber nicht aufgrund mangelnder Infos über Einreise, Gültigkeit des Reisepasses oder 1 Liter-Kosmetiktütchen aka Gefrierbeutel aufkamen, sondern wegen eines ganz simplen Vorfalls verursacht wurden – der Abholung des Koffers am Gepäckband.

Der Koffer war weg und somit auch unser Relikt, Heiligtum der ganzen Reise, gefüllt mit Champagner, Gin und ach ja, einer Badehose. Wie sollten wir also nun die kommenden sieben Tage größenwahnsinnig überstehen? Richtig, in erster Linie mit einem Bier und einer Zigarette am Flughafen.

Zu unserem Glück fanden wir zehn Bier und zwanzig Zigaretten später endlich zu dem Koffer zurück. Geduld lautet die Devise jedes Berliners, der ein Bürgeramt nach drei Monaten Wartezeit, zwar schon mal von innen, nicht aber jedoch den Schalter geschweige denn das Dokument, für das er den Termin vereinbart hat, gesehen hätte.

Diversität ohne Grenzen

Die Reise konnte also beginnen, in einem Apartment, welches für rund 666 Euro mit einem Aufschlag von 20% eindeutig für einen professionellen Kammerjäger warb. „Herzlichen Glückwunsch“, tönte es aus meinem Mund, „endlich folgt der langersehnte Urlaub, der mich dazu auffordert 24/7 außerhalb meiner Unterkunft zu verbringen und vorzugsweise die noch so schäbigste Toilette jeder Bar zu erkunden, statt jener in den eigenen vier Wänden.“

Draußen sein ist eh schöner als rausgucken. Nicht ohnehin hat man der Stadt Tel Aviv den glorreichen Namen „Frühlingshügel“ verpasst und sie mit Kunst und Kultur in jeder Ecke versehen. Überall findet man bunte LGBTQIA-Bars, hippe Restaurants und einen kilometerweiten Strand, der dem Miami Beach in nichts nachsteht. Aber auch die schönste Aufmachung hat so ihre Schattenseiten, denn in jedem toten Winkel quillt der Dreck hervor.

Vor dem Späti des Vertrauens wird achtlos der Müll vor die Eingangstür gefeuert. Berge aus Kippen stapeln sich vor den Kaffeehäusern auf dem Rothschild Boulevard, welches insbesondere durch den Bauhaus-Stil als die weiße Stadt angesehen wird. Spätestens hier treffen Sein und Schein aufeinander und lassen auch das sogenannte Pinkwashing, welches als mutmaßliche PR-Strategie der israelischen Regierung bekannt ist, nicht mehr außer Acht.

Weltreligion vs. Kapitalismus

Wo die Szenestadt Tel Aviv noch für ein angenehmes Miteinander schnell Antworten findet, ist die Hauptstadt Jerusalem hingegen als Zentrum Dreier Weltregionen, Juden, Christen und Muslimen bekannt und wirft viele Fragen auf, die sich durch das Gesamtbild nur schwer erschließen lassen. Der Tempelberg, der weltweit als heiliger Ort anerkannt wird, sorgt immer wieder für kontroversen Gesprächsstoff.

Zurecht auch, denn wie kann ein friedliches Miteinander an einem Ort stattfinden, wo einst Granaten einschlugen und sich politisches Kalkül seinen Weg ebnete. Im Grunde genommen ist ein modernes Konzept, welches Religionen bündelt natürlich ein progressiver Schritt, dass möchte ich nicht aberkennen, doch die Angst des ewigen Terrors bleibt für Israelis und Palästinenser gleichermaßen bestehen, da sie bis heute zwischen Leben und Tod ihrem Alltag nachgehen.

Weiterhin kam in mir die Frage auf, wie an einem heiligen Ort die Fahne für den Kapitalismus geschwungen werden kann? Der Tempelberg wirkt wie ein Gerüst, in dessen Innerem sich ein Basar von Souvenirs auftut, die kein Mensch der Welt jemals brauchen wird. Die historische Altstadt verließ ich mit wechselhaften Gefühlen, in jedem Fall hat sie dafür gesorgt, dass sie mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wunder der Natur

Nun war es an der Zeit die sieben Sachen zu packen und weiterzuziehen. Das tote Meer an der Grenze zu Jordanien kam nach einem solchen Kulturschock genau richtig. Nach anderthalb Stunden Busfahrt stiegen wir aus, obwohl uns der Busfahrer warnte, dass dies kein Free Beach sei. Was uns egal war, brachte ihn erst recht auf 180, obwohl nur 70 erlaubt waren. Wie sich herausstellte, zahlten wir nichts und badeten stattdessen in der Essenz des 400 m unter dem Meeresspiegel liegenden Salzsees, dem tiefsten Punkt auf trockenem Land.

Wir schwebten in dem kristallklaren Wasser und sonnten uns mit öliger Haut an dem orangefarbenen Strand. Aber auch hier, mitten in der Wüste, bekommt man den Wandel mit. Jährlich sinkt der Wasserspiegel des toten Meeres um einen Meter und der Krater, der sukzessive zum Vorschein kommt, erinnert an eine Mondlandschaft. Nur Neil Armstrong trifft man hier nicht.

In sieben Tagen haben wir höchstens einen Bruchteil von Israel kennenlernen können und trotzdem habe ich noch nie so viel Diversität miterlebt wie hier. Es ist vor allem der Sphagat (populäre Gay-Bar) zwischen Ost und West, zwischen Religion und Liberalismus. Selbst als Berliner kann man den Hut ziehen und sich kulturell beeindrucken lassen.

Schlussendlich gilt meine 15 Jahre alte Ansicht nach wie vor, das haben mir zumindest die Locals, egal ob Jude, Christ oder Muslim bewiesen – kein Mensch ist illegal. Auch wenn die Securities schon mal bis auf die Unterhose durchdringen, man sagt Shalom und macht da weiter, wo man aufgehört hat.

50 Shades of Greymnitz

Ja, den Film kennt ihr alle. Vielleicht nicht gesehen, aber gehört haben viele von ihm. Ich kenne ihn auch nur aufgrund seiner peinlich berührenden Obszönität. Wenn man randomly bei Wikipedia „nachschlägt“, handelt es sich um einen amerikanischen Erotikfilm aus dem Jahre 2015 in einer Spiellänge von 125 Minuten, dem 50% der Zuschauer eine positive Kritik zusprechen.

50% der Zuschauer? Das gleicht den diesjährigen Straftaten im Direktionsbereich Chemnitz. Ob die Straftat des Ende August getöteten Mannes in dieser Statistik aufgenommen wurde, kann ich zwar nicht sagen, Fakt ist jedoch, dass dieser Vorfall eine grausame rechte Hetzjagd á la Reichsprogromnacht verursacht hat und wir uns fragen müssen wie so etwas nach 80 Jahren noch möglich sein kann.

Würde ich nun eine wissenschaftliche Abhandlung über die stumpfsinnige Bevölkerung einer Stadt und das triviale Publikum eines Fifty Shades of Grey-Möchtergern-Pornos halten, würde mir einige absurden Thesen in den Sinn kommen. Da es mir aber obliegt, im Rahmen der Lokalpolitik auf dem oblatendünnen Eis des Halbdreiviertelwissens auszurutschen, möchte ich nur dem Aufruf #wirsindmehr folgen und die 50 Grautöne, die eine gefährliche Liebe mit sich bringen, nicht mal als Farbtupfer im Einsatz in vier Wänden mit Tine Hitler an die Tapete klatschen.

Grau genug ist es in Chemnitz ohnehin schon. Plattenbauten in dem Wohngebiet Fritz Heckert, Mäusefamilien im Gleisbett der Citybahn, graue Gesichter kettenrauchender Wutbürger, die nur noch zehn Mal auf den Bummel-Bus Richtung Ordnungsamt warten müssen, bevor sie sich mit Wohlstandsbauch in die undankbare Rente verabschieden. Und warum das alles? Weil die Fassade bröckelt, die Lunge nichts mehr zur Arbeit beiträgt und die Leber mit einer Zirrhose kämpft. Dabei könnte alles so schön sein, aber dann wäre es so, als würde man versuchen einen USB-Stick mit einem Vorschlaghammer vorsichtig vom Rechner zu trennen. Alles fürn Arsch also, vor allem im armen Deutschland.

Und wo wir grad schon bei Arsch sind – wie bin ich jetzt eigentlich von einem eingangs beschriebenen Erotikfilm in die stümperhafte Lokalpolitik der Karl-Marx-Stadt geraten? Achja, neben den vielen Grautönen gibt es ja auch so etwas wie eine Grauzone. Aber diesem Thema wenden wir uns einem anderen Mal zu. Gerne dann, wenn die Welt dazu bereit ist soviel Farbe zu bekennen, dass sie mehr als über ein von Kraftklub organisiertes Konzert hinausgeht. Und das sollten wir nach 80 Jahren doch nun wirklich mal hinkriegen oder?

Der ungewollte Zuhörer

Mein Kopf schmerzt. Ich schaue mich hilfesuchend im Raum um und sehe einen Wasserspender. In Zeitlupe lege ich den Klamottenberg, der mächtig auf meinen Beinen lastet und dem Kilimandscharo gleichkommt, zur Seite und bereite mich hustend auf den Gang zu dem in zwei Meter Luftlinie liegenden Wasserspender vor. Luftlinie, überlege ich noch während ich mich erhebe, sagt man das überhaupt bei solch einer kurzen und greifbaren Entfernung? Eigentlich kenne ich den Begriff nur von richtigen Strecken wie auf Autobahnen und logischerweise Flügen. Wiederum, wenn die Entfernung doch greifbar ist, macht die Aussage über eine Luftlinie durchaus Sinn. Schließlich ist sie zum Greifen nah. Oder ist dem nicht so? frage ich mich und denke mit dem Wasserbecher in der Hand, bereits wieder auf dem Stuhl sitzend und erfolgreich von meinem Kopfschmerz abgelenkt, darüber nach.

Plötzlich durchfährt ein Klingelton den Raum. Es klingt nach einer Mischung aus japsendem Frosch und gackerndem Huhn. Der Angerufene hebt blitzschnell ab, sodass mir leider versagt bleibt, herauszufinden um welchen zeitgenössischen österreichischen Rapper es sich handelt. Das Gespräch, dass just in dem Moment beginnt ist jedoch nicht weniger interessant und lässt mich innehalten. „Ich sagte dir doch, du brauchst nicht anzurufen.“ beginnt die Begrüßung des mir gegenüber sitzenden Mitte zwanzigjährigen Zugezogenen mit schwarz gefärbten Haaren, schwarzer Hose, schwarzer Sporttasche und weißen Sneakern. Entweder hatte er gerade vor zum Langhantel-Training ins Mc Fit zu gehen oder im nächsten Weekday-Shop seine Schicht anzutreten. „Wir haben uns ja nicht ohnehin getrennt.“ heißt es weiter und holt spätestens jetzt genügend Zuhörer für den Live-Podcast ab.

Die vielen Augen aus dem Raum, die zuvor auf das Smartphone oder in ein ausliegendes Magazin gestarrt haben, sind jetzt ganz gezielt auf die Person in schwarz gerichtet. Es erinnert an das Schauspiel einer Tierdokumentation von National Geographic, bei dir sich in sengender Hitze dutzende Hyänen, um eine von der Herde abgekommene Gazelle versammeln und auf den richtigen Moment warten, bis sie sich auf ihr todgeweihtes Opfer stürzen. In diesem Fall jedoch, handelt es sich nicht um das Opfer, sondern um die Hyäne, die die Gazelle am anderen Ende vom Hörer gerade in Stücke reißt: „Chlamydien ist nun mal die beliebteste Krankheit unter den Geschlechtern. Hättest du das Antibiotikum vernünftig genommen, wäre auch alles gut gegangen, Alina.“ – Die Gazelle hat einen Namen.

In den nächsten 20 Minuten wird heiß darüber hin und her diskutiert, wie die Krankheit entstanden und verlaufen ist und was nun final zu machen ist. Sie scheint sich damit nicht recht wohl zu fühlen. Er hingegen ist ziemlich sicher, dass sich die Welt auch so weiterdreht. Als Außenstehender sitzt man anonym da, hat ungewollt das ganze Gespräch mitverfolgt und möchte dennoch den Meinungsaustausch bilden. Zumindest mir geht es so und auch an den anderen Gesichtern lässt sich unschwer erkennen, dass ein leiser Appell im Raum liegt. Wer wird nun der Erste sein, der sich ans Rednerpult stellt und die Podiumsdiskussion eröffnet?

„Frau Olszewski“, höre ich es rufen und werde kurz wach, um festzustellen, dass ich in der Arztpraxis sitze und nun an der Reihe bin. Als ich das Behandlungszimmer wieder verlasse, ist die Hyäne in schwarz bereits verschwunden. Ob zum Arzt, zu Mc Fit oder Weekday, das weiß ich nicht. Jedoch habe ich jetzt das komplette Krankheitsbild der Chlamydien kennengelernt und kehre mit dieser Erkenntnis hustend und erschöpft in mein Krankenbett zurück. Hoch lebe die Grippe!

 

Wenn Liebe blind macht

 

Habt ihr euch schon mal überlegt, was das heißt, wenn Liebe blind macht? Ich meine, nichts zu sehen, einen schwarzen Fleck vor dem Auge zu haben, Leere zu spüren, in einem Moment der nach einer Regenbogen-Safari mit den Glücksbärchis ruft. Ein Paradox.

Eigentlich ist es wie ein Bild ohne Inhalt. Ein Mensch, der sein Augenlicht verliert oder ohne dieses geboren wird, lernt oder weiß im Laufe der Zeit damit umzugehen. Ein Mensch jedoch, der seine visuelle Wahrnehmung vergisst oder verdrängt, ist meist unsterblich verliebt.

Flashback

Eine Freundin sitzt neben mir. Juli heißt sie. Sie erzählt mir vom gestrigen Erlebnis mit ihrem Freund. Die beiden sind seit ein paar Monaten in einer Beziehung und bisher lief alles top; dachte ich. „Also dieses Hotel war der absolute Hammer. Wir hatten sogar ein Spa.“, erzählt sie entzückt und ich kann mir in jenem Moment nur zu gut vorstellen, was sie darin getrieben haben. Jeder kann das.

Sie wirft ihr braunes Haar zurück, beißt sich auf die Oberlippe und formt ein keckes Lächeln, dabei entdecke ich, parallel unter ihrem Haaransatz verlaufend, eine Platzwunde. „Was ist passiert?“, frage ich und deute auf ihre Stirn. Beschämt hebt sie die Hand und tastet ihre Verletzung ab: „Ach das. Nichts.“, gibt sie bedrückt von sich. „Erzähl keinen Mist!“ Sie erstarrt eiskalt, senkt den Kopf und erzählt mir die wahre Geschichte von gestern Nacht.

Ben war noch was trinken. Er genehmigte sich ein paar Whisky Soda in der Hotelbar, während Juli sich oben im Zimmer in eine süße Verpackung hüllte und das Badewannenwasser mit den buntesten und schaumigsten Badekugeln der Neuzeit schmückte.

Es klopfte an der Tür und Juli öffnete diese freudig, um ihre Crème de la Crème mit spitzen Lippen zu empfangen. Doch statt eines Kusses, regnete es Schläge auf sie nieder. Am nächsten Morgen wachte sie nackt neben der Badewanne auf.

Ihr Körper wird mit Blutergüssen getadelt und Platzwunden verzieren ihr wunderschönes Antlitz. Doch sie kann sich an nichts erinnern. Ich bin entsetzt und läute sofort die Trennung ein. Dieser Typ ist ein Psychopath, Schläger und Vergewaltiger. Aber Juli sagt nein. Sie wird sich nicht trennen, sie liebt ihn zu sehr.

Liebe?

Ist das wirklich Liebe? Wir verbinden Liebe mit Glück, Freude und Gefühlen. Aber nichts von alldem kann ich in dieser Beziehung finden. Ginge es nach meiner Meinung, wäre dies ein klarer Fall für “Aktenzeichen XY”, bei dem es die Liebe und nicht den Täter zu suchen gilt. Aber nach meiner Meinung geht es hier nicht.

Der Schleier, der sich über unsere Augen legt und unsere Sinne benebelt, ist eine bloße Verarbeitung des Gefühls, welches in uns aufkeimt, wenn wir einen Menschen sehen und uns verlieben. Wir selbst können dieses Geschehen gar nicht beeinflussen.

Wir können nur gnadenlos miterleben, wie uns die Luft weg bleibt, wenn uns diese Person gegenübertritt, wie sich unsere Zunge verknotet, wenn wir Eindruck machen wollen. Unsere Bewegungen sich verändern und wir eigentlich gar nicht mehr der sind, der wir sonst sind. Die Botenstoffe, die dabei vom Körper ausgesendet werden, deuten auf Alarmstufe Rot hin. Unser Kopf ist ein Rauchmelder, der um Hilfe schreit.

Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass zwei Verliebte der Nervenkitzel einer riskanten Situation noch enger aneinander bindet. Schon ein kleiner Schlag ins Gesicht gaukelt dem Gehirn vor, dass wir uns in Gefahr befinden. Durch das Adrenalin fühlen wir uns aufgewühlt. Wir haben nicht Herzklopfen, weil wir uns verlieben, sondern wir verlieben uns, weil wir Herzklopfen haben. Das Paradebeispiel Nummer eins: Wilder Sex. Ab diesem Moment ist die Liebe blind und unbezwingbar.

Seilspringen ohne Seil

So entsteht eine Beziehung. Juli kann gar nicht anders als Ben zu lieben, ihr Körper ist vollends darauf eingestellt, diesem Idiot alles zu geben und ihm zu verzeihen. Und sei es ein Seitensprung. Oder eben Schläge. Dieses Empfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt und kann in anderen Beziehungen natürlich ganz anders zum Vorschein kommen.

Doch so oder so werden wir uns von unserem Herzschlag weich prügeln lassen. Ich möchte nicht gut heißen oder pauschalisieren, dass Gewalt eine Beziehung am Leben erhält. Aber sie gehört im gesunden Maße dazu. Aber einer blinden Gefahr nachzurennen, die die Liebe mit sich bringt, ist wie Seilspringen ohne Seil. Und besonders dann, wenn die andere Person diese „Blindheit“ sieht und die Liebe auszunutzen weiß.

Hierfür brauchen wir Freunde, die uns die Augen öffnen und uns in das Taxi nach Hause setzen, wenn wir den Weg in Richtung Herz nicht mehr finden. Wenn in Tor 1 nun mal der Zonk sitzt, dann müssen wir uns geschlagen geben. Meist sind unsere Freunde die wahre Beziehung, sie schauen in uns rein, wissen was kaputt ist und machen da weiter, wo wir nicht mehr können.

Juli und ich trinken unseren Tee aus, bezahlen und verabschieden uns. Juli geht nach Hause und packt ihre Sachen. Sie fährt weg. Einfach so. Um einen klaren Kopf zu bekommen und den wird sie kriegen, nur eben nicht mit ihm.

„Die Liebe ist im Gegensatz zur Materie oder Energie zum Überfluss im Universum. Sie ist ein Keim, der aus dem Nichts erwächst. Selbst in den Dunkelsten aller Herzen kann sie nicht ausgerottet werden. Die Liebe ist ein wertvolles Gut, was auch verloren gehen oder gestohlen werden kann. Oder schlimmer, dass sich blutrot auf dem Boden ergießt. Die Liebe ist nicht unveränderlich. Sie kann sich in Hass verwandeln, genauso wie der Tag zur Nacht und aus dem Leben der Tod wird.“

Wilfried & Willy

Wilfried, ein ehemaliger Arbeitskollege, Archivar, 30 Jahre alt und Single, empfindet eine überaus große Zuneigung für Katzen. Daher hat er sich, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, genau solch einen haarigen Vierbeiner für das bedingungslose Zusammenleben angeschafft.

Der Tag im Knast

„Ich werde eine aus dem Knast holen“ hörte ich es plötzlich hinter meinem Stuhl wie eine Staubwolke hervorkriechen und riß meinen Blick vom PC hoch. „Was?“ entglitt es mir perplex, als ich schon ahnte, worum es ging und Wilfried mich darum bat, ihn nach Feierabend ins örtliche Tierheim zu begleiten. Dagegen spricht auch nichts, dachte ich und rätselte noch über die Staubwolke, die quasi den nerdigen, imaginären Freund meines Kollegen in einem Comic darstellen könnte. Es ist definitiv an der Zeit für Veränderung, vor allem für Wilfried, der sonst mit dem Entstauben alter Akten seinem Dasein bis ans Lebensende fristet oder womöglich noch zur Zeichentrickfigur wird.

Der Katzenkäfig, vor dem wir standen, war großzügig ausgestattet. Darunter waren dutzende Spielzeuge in Form von Mäusen, bunte Leckerlis, die sich im Fressnapf türmten und eine Klobox aus Holz, welche mehr Ähnlichkeit mit einer Sauna aufwies, als dass sie einer Einrichtung für die Notdurft gleich kam. Sogar ein Katzensofa war vorhanden. Sofern man das überhaupt so nennen darf, in gut situierten Kreisen würde man wohl eher von dem Thron einer Diva sprechen. Doch stehen wir hier nicht im Wohnzimmer von Kim Kardashian, sondern vor dem Käfig einer Katze namens Willy.

Am Gitter des Käfigs entdeckte ich neben dem scheinbar willkürlichen Tierheim-Namen der Katze, zusätzlich deren Eigenschaften in drei Worten zusammengefasst: anhänglich, verspielt und stubenrein. Drei ziemlich gute Adjektive wie ich fand und so fand auch Wilfried. „Hervorragend“ gluckste er und las weiter: „Die kleine Willy, ist ein verschmuste Dame, die auf der Suche nach einem Herrchen ist, das ihr den Weg weisen kann.“ „Die kleine Willy?“ fiel ich ihm verwirrt ins Wort. „Seit wann heißt ein Mädchen Willy?“ „Hm, keine Ahnung“ entgegnet mein Kollege schulterzuckend und kontert dabei doof: „Seit ihr Herrchen Wilfried heißt?“ Ich konnte nicht mehr, als ihn mit hochgezogenen Augenbrauen zu belächeln und über den schmalen Grad zwischen Fremdscham und Mitleid zu sinnieren.

Urlaub und andere Unmöglichkeiten

Willy war also ein Mädchen und lebte fortan bei Wilfried in einer eheähnlichen Gemeinschaft, deren erste Regel besagte: Sollte Wilfried eines Tages arbeitslos oder arbeitsunfähig werden, sieht sich Katze Willy des Amtes wegen imstande bis zum Übergang oder gar bis ans Lebensende für ihr Herrchen aufzukommen und sei es der letzte Brocken im Napf, welcher in schlechten Zeiten zum Verzehr hinerlassen wird. In guten Zeiten passiert sowas natürlich nicht, denn da gönnt man sich was. Und so war es nach drei Monaten „Tier-Mensch-Beziehung“ soweit, in den wohl verdienten Urlaub zu fahren.

Den letzten Arbeitstag verbrachte Wilfried schweißgebadet am Telefonhörer unseres Callcenters. Dort, wo eigentlich ein Praktikant sitzen sollte, um seine „100 Calls per Minute“-Liste abzuarbeiten, saß nun Wilfried und klebte mit hochrotem Kopf an der Scheibe. Als ich die Telefonzelle nur noch dampfen sah, beschloss ich doch lieber einmal nachzusehen, was unser Archivar dort tatsächlich trieb.

Ein völlig verzweifelter Blick traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Verzweifelt genug, um den Praktikanten freiwillig in die Küche stürmen zu sehen und die Kaffeemaschine auf Hochtouren laufen zu lassen. Bevor ich überhaupt Fragen stellen konnte, schoß es lawinenartig aus Wilfried: „Kannst du auf Willy aufpassen? Meine Mutter liegt im Krankenhaus und ich kann sie unmöglich mitnehmen.“ Ach herrje, dachte ich sofort, nun ist nicht nur sein Urlaub futsch, sondern meine Dates mit Netflix auch. „Klar, kein Problem.“ hörte ich mich sagen und streichelte ihm sanft über die Schulter, nur um schon mal zu üben, wie das so funktioniert zwischen mir und einem Fellknäuel.

Katzendoku im Live-Stream

„Ciao Kakao“ rief Wilfried mir mit dem Koffer winkend entgegen, als ich mich von ihm in meiner Wohnung stehend verabschiedete. „Ok, lassen wir die Spiele beginnen.“ sagte ich laut, ließ die Tür ins Schloss fallen und drehte mich um. Und da passierte es: Willy saß vor mir und schaute mich fies an. „Geht ja schon gut los“, war mein erster Gedanke und mein zweiter, kam eher einer Frage gleich, die sich damit beschäftigte, was sie wohl an meinen Schuh so lecker fand. Das muss die verspielte Katze sein, von der im Tierheim die Rede war, tröstete ich mich demütig.

Och nee, als ich meine müden Augen öffne und die Katze schmatzend vor mir stehen sehe, würde ich sie am liebsten wieder schließen und so fest zusammenpressen, bis die Lider kaputt sind und gar nicht mehr aufgehen. Willy glotzt frech mich an und spuckt eine Spinne vor mein Bett. „Danke für die nette Geste“ grummle ich noch im Halbschlaf und drehe mich abrupt von dem schwarzen Monster weg.

Gestern hat Willy einen Käfer gefressen, wo auch immer der her kam und ihn völlig frech auf mein Bett gespuckt. Mit viel Magensaft und Speichel drum und das kurz vorm Schlafen gehen. Generell hat mich diese Katze in den letzten 5 Tagen viele Haare, Nerven und vor allem teure Schuhe gekostet. Während ich ihr das erneut mit gehobenem Zeigefinger vorhalte, schaue ich sie fies an. Doch Willy schafft es noch fieser zu gucken, als kotze sie mir zur Strafe nicht nur ins Bett, sondern pinkle gleich noch dazu. Das jedenfalls wäre auch nichts Neues. In den letzten Tagen habe ich so oft die Bettwäsche gewechselt, wie nicht mal 10 bierbeladene Bauarbeiter urinieren könnten, selbst wenn sie wollten. In meinen Hinterkopf leuchtet die Information „stubenrein“ erneut in roten Lettern auf.

Ein Katzenjammer

Auch in der Badewanne komme ich nicht zur Ruhe, ohne das die Katze energetisch an der Tür kratzt und wie eine batteriebetriebenes Stofftier nach Aufmerksamkeit schreit…äh mauzt. Wo wir schlussendlich beim dritten Adjektiv, der Anhänglichkeit, angelangt wären. Nach 10 Minuten verlasse ich die Badewanne und stelle fest, dass sie verschwunden ist, die Kratzspuren in der Tür aber bis nach Hogwarts reichen. Doch leider hilft mir auch kein Harry Potter, als ich den Scherbenhaufen in der Küche entdecke, es an der Tür klingelt und ich vor Schreck in ein riesigen Glassplitter trete.

Es ist Wilfried, er schaut mich entsetzt an „Alles gut bei dir?“ fragt er. „Geht so.“ antworte ich erschöpft und sinke mit blutenden Füßen zu Boden, während Willy ihm entgegen springt und er sie fröhlich auf die Arme nimmt „Ich glaube, du brauchst mal etwas Veränderung“, sagt er mitleidig „Vielleicht auch Urlaub oder du holst dir eine Katze, das wird dir sicherlich gut tun.“

Als er mit Willy das Haus verläßt und sie mir einen letzten Blick über seine Schulter zuwirft, bin ich sicher, in ihrem fiesen Katzengesicht ein Lächeln zu erkennen und hoffe insgeheim, diesen diabolischen Fellknäuel nie wieder sehen zu müssen.

Kolly Kibber

Oh Liebling
Liebling, die Form zerbrach
Noch in der ersten Nacht
Die Nacht des ersten Lichts
Danach kommt nichts, oder?

Regel No. 1 des Peter Doherty´schen Gesetzes: Es gibt keine Regeln. Und genau das hat er uns gestern bewiesen, als er um 20 Uhr auf der Bühne stand, um ein Video für seinen Song „Kolly Kibber“ aufzuzeichnen und die ersten 50 Fans in der Halle des Huxleys neue Welt überrascht auf ihn trafen. Danach verschwand er klammheimlich, ohne jedwede Szene. Quasi so, als wäre er nie da gewesen.

Doch der Saal füllte sich, das Programm musste weitergehen. Wie es sich eben gehört für Fans, die geduldig vor der Bühne eines Musikers warten, bis der Vorhang geöffnet wird. Er wurde geöffnet und auf die Bühne trat der erste Support und später der zweite, doch darum soll es hier nicht gehen. Sondern vielmehr um die Leichtigkeit des Seins.

21 Uhr – kein Peter. 21:30 Uhr – immer noch nicht. 22 Uhr – trinkende Menschen an der Bar. Die Geduld übt sich, nur ein guter Mann wie Peter Doherty eben nicht. „Wie soll man bei all den vielen Zeitplänen, die man als Musiker hat, überhaupt noch seinen Geist entfalten? Warum muss man immer ad hoc funktionieren?“ Kommt es mir in den Sinn. In all der Zeit, wo man auf jemanden wartet, fängt man entweder an, eine Kugel aus Wut im Bauch zu formen oder man denkt darüber nach, warum man wartet und was es damit auf sich hat. Leider passiert letzteres viel zu selten, denn Zeit ist in unserer heutigen Gesellschaft zu wertvoll geworden. Also quengelt man rum und sagt fiese Sachen zur nächstbesten Person, um dem Ärger möglichst schnell Luft zu machen.

Aber hier ist es heute anders. Wir warten, haben Spaß mit Bier, Zigaretten und Freunden. Heute ist alles egal. Wenn das Peter Doherty´sche Gesetz gilt, kann auch einfach geraucht werden, egal wo. Plötzlich scheppert es hinter der Bühne. Gläser, die zu Boden fallen? Kurz darauf poltern sie auf die Bühne. Peter Doherty und die Puta Madras. Die große Albion Familie. Sie spielen vieles vom neuen Album „Hamburg Demonstrations“, aber auch viele Songs der Babyshambles und Libertines. Vorallem aber, spielen sie „Kolly Kibber“, denn zu dem Song soll ja schließlich ein neues Video entstehen.

Peter Doherty singt, tanzt und geht in seiner Musik völlig auf. Er spielt mit seiner Stimme und auf der Gitarre, die er nach jedem zweiten Song seinem Roadie zuwirft, um eine neue entgegenzunehmen. Noch viel lieber würde er sie wahrscheinlich ins Publikum werfen, so wie alles was ihm in die Hände kommt und materiell ist. All das ist ihm nichts wert, das einzige was zählt ist der Gedanke, der Kopf. Das Haus, mit den vier Wänden, in denen seine Musik entsteht. Und diese ist ehrlich, authentisch und das, was ihn auszeichnet. Der Rest ist nichts.