„Gentrifizierung, ich fick´ deinen Vater“

Lassen wir ein vergangenes Ehrendenkmal der Graffiti-Szene in unseren Köpfen Revue passieren, erscheint vermutlich ein nicht allzu altes, aber dennoch legendäres Gesamtkunstwerk vor unseren Augen. Genauer gesagt, denken wir an die Cuvry-Brache, die einst von dem Künstler Blu verziert wurde, um der Gentrifizierung an genau jenem Ort den Kampf anzusagen.

Doch trotz aller Protestaktionen, ob in Form von Kunst oder Kritik, findet die Bebauung der großflächigen Brache in der Cuvrystraße nun trotzdem statt. Und dafür müssen die vielen Bewohner des kleinen selbst bebauten Kiezes unfreiwillig weichen. Einige davon haben ihren Wohnort nun in Bauwägen um die Straße herum verlegt oder sitzen aktiv mit Transparent und Flagge vor der Brache und wollen den Investoren damit illuster ins Gesicht spucken.

Ende letzten Jahres schwand das Kunstwerk dann plötzlich und kein Mund stand still. Wir fragten uns, waren es Investoren, die dieser Ära ein Ende setzten? War es Bürgermeister Michael Müller (himself natürlich), dessen Amt gerade bekannt wurde? War es eine neue Crew, die auf Kriegsfuß mit Blu stand? Oder war es sogar Blu himself, warum auch immer?

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Stück für Stück schwand das Mural und letztlich blieb nur ein Protest-Mittelfinger zu sehen. Doch auch dieser wich einige Tage darauf, zurück blieb einzig und allein eine schwarze, triste Wand. Gerüchten zufolge, soll Blu das Bepinseln des Mauerwerks selbst angeordnet haben. In seinem Blog schrieb er dazu später:

„In 2007 and 2008 i painted two walls at Cuvrystraße in Berlin (with the support of Lutz, Artitude and its volunteers). In 2014, after witnessing the changes happening in the surrounding area during the last years,
we felt it was time to erase both walls“

Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen, bis dieses Mural mit neuem Anstrich und (wir wagen mal zu sagen) altem Statement an dem befleckten Investor-Mauerwerk entstanden ist. Wer hier so rege die Dose gezückt hat, wissen wir selbst noch nicht. Aber eines ist sicher: Sofern Blu nicht dahinter steckt, wird er Dutzende von Freudentränen weinen, als auch lachen.

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Neues Video von CARIBOU – Musik für die Herzen

Passend zu warmer Luft, funkelnden Sonnenstrahlen und guter Laune präsentiert uns CARIBOU sein neues Video, welches bunt und metaphorisch für den Lauf des Lebens steht. Oder so.

Schaut rein und lehnt euch im Park, auf der Bank oder wo auch immer ihr gerade steht oder sitzt zurück und genießt den aufkommenden Frühling mit dieser tollen Musik:

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Nachts um halb 4

Nachdem ich seit einigen Tagen stets bewusstlos ins Bett kippe, aus übernächtigten Gründen nicht vor um 15 Uhr aufwache und wegen durchgehender 4-Tage-Freizeit nahezu Ostern verpasst und stattdessen alte Weihnachtsmänner in meiner Wohnung gefunden habe, ist klar, das Nachtleben verfolgt mich wieder.

In sekundenschneller Geschwindigkeit bin ich quasi von Himmel in die Hölle gefallen, sodass einem schon bei dem bloßen Gedanken kotzübel wird. Der Tag hat mich wieder in die Nacht befördert und wenn ich mich so umsehe, gehören mehr Ringe als Augen sowieso seit geraumer Zeit zum absoluten Must Have im Berliner Business dazu.

Allerdings beflügelt mich ein gewisser Unmut, was die Arbeit im Dunkeln angeht. Nach vielen Jahren eines harten Flaschenöffner-Trainings, welches aus Bieren in Akkordzeit öffnen, Kronkorken-Olympiaden und trinkwütigen Menschentrauben besteht, mutierst du irgendwann zum Tiger im Käfig, der nicht mehr anders kann, als sich tänzelnd im Kreise zu drehen. Und trotzdem schleppst du dich immer wieder an den Tresen, setzt ein übermotiviertes Lächeln auf und machst munter weiter.

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Warum auch nicht, schließlich bietet dir die Bar alles was du brauchst, um die „Tausend und eine Nacht“ größenwahnsinnig zu überleben. Musik, Getränke und Freunde. Du hast die Macht. Denn deine Freunde halten dich für den „Primus Inter Pares“. Du bist in ihren Augen Türsteher, Kassenfrau, Getränkegeber und Animateur zugleich. Sie wissen du arbeitest, also werden sie alles geben, dich zu besuchen. Schön, denkst du dir. Aber mit dem ersten Anruf, der einen Gästelistenplatz fordert, ist es meist nicht getan.

Es wäre nahezu perfekt, wenn die trinkwütigen Menschen an der Bar einen Self-Service übernehmen würden und du währenddessen deine Bekannten galant an der Never-Ending-Schlange hereinführen, mit ihnen eine Clubbesichtigung unternehmen und ihnen dabei jeden Durstgedanken telepathisch in ein Getränk umwandeln könntest. So sollte es sein, ist es aber nicht. Denn du musst ja arbeiten. Zu doof.

Also gibst du dich stumpf dem Flaschenöffner und dem nächsten Schrei nach Bier an der Theke hin. Wie eine Gewitterwolke zieht der Sturm über dich her und will kaufen, trinken, kaufen – bis deine Kollegen dir sanftmütig ins Gesicht schlagen und einen nett dekorierten Schnaps vor die Nase stellen. Dann geht der Vorhang an der Bar kurz zu und du stehst da, trinkst und bist einen Moment lang frei.

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So langsam verstehst du das Niveau der Gäste und fängst an sie zu mögen. Wie sie da so lustig stehen, mit ihren Scheinen wedeln und versuchen immer der Erste am Drücker zu sein. Es ist ein bisschen wie bei Ruck-Zuck – wessen Wortkonstellation als Erstes in dein Gehör dringt, dessen trockener Gaumen kann sich glücklich schätzen. Gäste, die sich in einer Buchstabensuppe vor dir übergeben, haben leider keine Chance und bekommen stumm ein Wasser gereicht. Das sind die Regeln und die müssen befolgt werden, sonst ist das Game leider over.

Irgendwann sind dann endlich alle betrunken und der Feierabend schaut fröhlich, als auch ein bisschen benebelt um die Ecke. Du trinkst noch ein paar Schnäpse und schmiedest „Tagespläne“ mit deinen Kollegen. Wenn die Sonne scheint, könnte man ja noch in den Park gehen und apathisch auf der Wiese sitzen. Wenn es grau ist, geht’s ins Kino oder in die Hexe.

Und wo auch immer es die Karawane hinziehen wird, du weißt in jedem Fall, dass du meist betrunken zu Hause (oder woanders) in Klamotten (oder ohne) aufwachen und dich fragen wirst, wer gestern die Bar zugemacht hat und wo das Trinkgeld, für welches du dein neues und vor allem weißes Shirt mit einer Flasche Jägermeister übergossen hast, wohl in der letzten Nacht gelandet ist. Das einzig gute an dieser Tatsache ist, dass dich der Alkohol an diesem Abend nichts gekostet hat.

#leaksoftheweek

Trotz des derzeitigen Sonnenscheins, kommt immer mal wieder eine dezent aufgeblasene Gewitterwolke am Himmel zum Vorschein. Allerdings nicht draußen vor der Tür, sondern in den Tiefen des World Wide Web. Die Infomationsreichweite ist groß und mächtig, das ist nichts Neues. Doch woher kommen ihre Ursprünge und wer versteckt sich hinter den Quellen? Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja nicht mal eine Minute, ohne das sich das verflixte Internet-Imperium auf dem Screen durch das Auge, über die Synapsen und bis hin in die unbekanntesten Windungen des Gehirns ausdehnt. Das alles geschieht quasi viral durch belustigte Verlinkungen von Facebook-Usern, völlig überarbeiteten Trittbrettfahrern der Blogospähre und natürlich durch Katzen, die unbeaufsichtigt auf der Tastatur rumhopsen.

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Woraus resultiert die so rasant aufkommende Blogger-Blasphemie der Neuzeit? Und wie konnte es zu solch einem langfristigen Trend unserer Internet-Community kommen? Weiß der #beefträger überhaupt davon? Ich vermute es liegt genau an einem längst in Vergessenheit geratenen Phänomen – dem imaginären Netztroll namens Leak. Wir alle wissen spätestens seit Edward Snowden, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Für Diejenigen, die es aufgrund geistig oder körperlicher Abwesenheit noch nicht mitbekommen haben, denen sei an dieser Stelle die wissenschaftlich fundierte Definition durch Wikipedia bereitgestellt:

>Leak (englisch für LeckLochundichte Stelle) bezeichnet im deutschsprachigen Raum die inoffizielle Veröffentlichung von Informationen, die nicht zu diesem Zweck vorgesehen waren. Dies können interne Dokumente von Firmen, geheime Verträge, vertrauliche Verhandlungspapiere oder Ähnliches sein.<

Und nun verfolgt mich dieser, wenn auch in die Jahre gekommene, Begriff tatkräftig auf meinem Weg durchs Internet. Die Rate an Posts, Verlinkungen und heimtückischen Katzen ist immens und daher beschloss ich kurzerhand eine neue Rubrik einzuführen. Diese soll sich allerdings nur mit politisch korrektem Content befassen und sieht daher davon ab, sich richtungsweisend, meinungsbildend oder gar förderlich auf den Verstand auszuwirken. Und wer jetzt sagt: „Voll nicht neu und so.“, guckt es sich ja eigentlich trotzdem an. Trotz des derzeitigen Sonnenscheins. Nicht wahr?

Leaks of the week!

1. #moneyboyleaks – Intellekt vs. Swag

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2. #cindycrawfordleaks – Wer braucht schon Photoshop? 

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3. #fiftyshadesofgreyleaks – Von der Berlinale zum Online-Stream

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7 Tage Fashionweek im Nervenkostüm

Die Winteredition der Fashionweek in Berlin war diesmal fabulöses Trendtheater statt Modemesse, bei der scheinbar jeder dazu aufgerufen war, seinen Lifestyle auf der Bühne zu präsentieren. Schon am Sonntag ging es mit der Opening Party der Dandy Diary-Blogger exzessiv einher und die einst aufgekommene Stimmung mochte bis Samstag zur Closing Party einfach nicht abreißen. Aufgrund dieser Vielzahl modischer Ereignisse haben wir die Fashionweek einmal im Wochenrückblick für euch zusammengefasst.

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Sonntag

Den Modetanz gaben zwei Herren frei, die schon fast legendär für ihre stilsicheren Events im Rahmen der Fashionweek sind. Eröffnet wurde diese von DANDY DIARY in der Möckernstraße 120 unter dem Motto „Winter of Love“, bei der nicht nur der Hippie-Opa Rainer Langhans, sondern auch Gäste mit „Schlangenleder und Schafsfellen, Achselhaaren und fetten Schnauzern, Schlaghosen und Fransenlederjacken, indischen Mantra-Gesängen und Psychedelic-Rock, Patchouli und verbranntem weißen Salbei, sowie Psylos, Opium und LSD“ geladen wurden. Folglich ging die Fashionweek für drei Modemädchen aufgrund von K.O.-Tropfen im Getränk später im Krankenhaus weiter. Schade nur, dass Rainer Langhans nicht die Rolle des Medizinmanns übernehmen konnte, um wiederholt zur revolutionären Ikone zu werden…dafür wiederum haben es Dandy Diary nun endgültig in die Headlines geschafft.

Montag

Die britische Designerin CHARLOTTE RONSON durfte den grauen Modemontag mit ihrer Sommer-Kollektion eröffnen. Doch gelang ihr damit nicht nur saisonbedingt ein Griff in die falsche Schublade, sondern auch thematisch waren die Flowerprints und Pastelltöne eher gähnend langweilig als brisant. Dank ihres erfolgreichen Bruders Mark Ronson, welcher als Produzent ordentlich in der deutlich hörbaren Erfolgsbranche mit musikalischem Entertainment punkten konnte, gelang ihr allerdings auch hierzulande eine halbwegs gute Landung.

Dienstag

Die nächste große Szene-Party HOUSE OF VANS folgte schon zu Beginn der Woche, die wenn auch nur bis um 4 Uhr nachts angesetzt, nicht weniger anstrengend und schlaftrunken mit Beginn des nächsten Tages verlief. Für uns stand fest, wir haben Bändchen, werden kurz anstehen, später ein paar Bier reinstellen und nette Fotos schießen. Doch verlief dieser Abend mit 2 Stunden Schlange, 1 Stunde Party und unzähligen überflüssigen Modemenschen, nicht ganz so wie gewünscht. Die Parties, die den größten Run auf sich haben, fühlen sich meist nach 3 Bier auch nicht wärmer an. Trotz toller Location in der Neuen Heimat.

Mittwoch

Als mein absoluter Favorit stellte sich, wie bislang, auch dieses Mal wieder die BRIGHT heraus. Die berühmte Skatermesse, auf der es locker redend mit Bier und Brett zugeht, bietet einfach immer eine gute Angelegenheit, um Kontakte zu neuen oder altbewährten Labels zu knüpfen. Hier gehen die Themen nie aus, obschon vieles im ehemaligen Kaufhaus Jandorf einen schnell eingebürgerten Flair vermittelt, ist es vielleicht gerade das Etwas, wodurch die Bright statt Catwalk zum gemütlichen Wohnzimmer wird. An einem halb perplexen Tag wie diesem (siehe Nachtgeschehen zuvor), war dass ohnehin die perfekte Option für uns.

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Donnerstag

Auch die Arena in Treptow öffnete dieses Mal ihre Pforten, um sich in einem ganz anderen Licht zu zeigen, als bisher. Mit neuem Look im avantgardistischen Backsteinstil und minimalistischem Ambiente konnte die SEEK recht viele Einkäufer und Besucher anziehen. Der Charme des basisorientierten Causal-Looks dieser Messe hat entsprechende Labels bewusst hervorgehoben und alles in allem ein interessantes Gefüge kombiniert. Free Gin Tonics waren dann doch nicht drin (zumindest für uns), dafür aber ein virtueller Ritt als Beifahrer eines Rennfahrers auf einer Fullspeedstrecke.

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Freitag

Einen nahezu prüden und eingestaubten Eindruck hinterlässt die PREMIUM bei mir. Die etwas heruntergekommenen türkisfarbenen Begrüßungsteppiche, woneben das Werbeplakat mit großen Kristallen im Rahmen der Messe prunkt, wirken deplatziert und nicht einmal einladend an diesem Platz. Die vielen Hallen zwingen zu chaotischen Routen und suggerieren das Gefühl von Sprödheit. Auf die Frage hin, ob es noch Promobeutel oder Magazine gäbe, kommt nur die Antwort einer dezent minimalen Auflage, die anscheinend in der Planung keine Besucher berücksichtigt hat. Aber nun gut, vielleicht ist es auch nur der verregnete Tag, der einem die Mode in und um den Hallen nicht nahe legen mag.

Samstag

Über die Closing Party erfuhr ich durch die Arbeit in meiner Agentur, indem wir zu dem Event geladen wurden. Gut und nett, aber als ich las, dass diese dann im Felix ihren krönenden Abschluss finden sollte, verging mir dann doch ein wenig die Motivation. Über diese Party ist daher nicht viel zu sagen, falls das jemand anders empfinden sollte, sei dazu aufgerufen die Fashionweek an dieser Stelle aufzuwerten oder dem Trendtheater ein paar neue Züge zu verleihen. Denn vielleicht ist es genau das, was diese Messe gerade braucht. Neue Züge, bei denen es heißt: Hey Botox, bitte bleib beim nächsten Mal doch einfach zu Hause.

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Kim Kardashian – ein neuer Planet?

Bis zu der gestrigen Rückkehr von meiner zweimonatigen Reise aus Südostasien, wog ich mich fest in dem Glauben die vollendete Erleuchtung auf meiner Expedition über Land und See, durch Menschen und Kulturen sowie in den Höhen der Berge, als auch in den Tiefen des Ozeans fernab des zivilisierten Lebens gefunden zu haben…und dann sah ich Kim Kardashian. Nackt.

Zwei Monate. Diese zwar recht spärliche, aber dennoch einprägsame Zeit scheint als wäre sie nie da gewesen, während ich auf das Schwarz meines Bildschirms starre. Der dunkle Fleck, der sich vor meiner Linse bildet, ist nicht wegzuwischen und die Müdigkeit, die kurz in mir durchsickert, ist plötzlich nur noch ein Hauch von Stille in meinem Kopf. Das Gehirn scheint wie ausgelöscht, Zeit und Raum sind verloren. Ein neuer Planet wurde entdeckt, denke ich gebannt.

Ich versuche den Tab zu schließen, doch finde den Lock-Button am Bildschirmrand nicht. Ich blicke auf den Planeten, doch er bewegt sich nicht. Langsam löst sich das rätselhafte Bild vor mir auf und noch bevor ich versuche den Rechner herunterzufahren, sehe ich es plötzlich ganz klar – Es ist DER Po (und ja, inzwischen auch DIE Brüste) Kim Kardashians, welche mir die Sicht auf die Hot Pants von Helene Fischer bei der Bambi-Gala, Jan Böhmermanns Einkauf im BDM und gar die Frisur von Angela Merkel beim G20-Gipfel versperren.

Wo fängt der Glaube an und wo hört er auf, frage ich mich just in diesem Moment. Und die Antwort erscheint gnadenlos und ohne Vorwarnung vor meinen Augen, als würde ich sie direkt vom Bildschirm ablesen, nur ohne zu lesen. Kim Kardashian – Eine Web-Herrschaft? Es ist etwas Neues, ein Trend, eine Saga, Battleship 24 oder „Der Tag, an dem sich mein Bildschirm verdunkelte“. Ein Phänomen, worüber Wissenschaftler noch streiten, könnte man meinen. Doch die nackte Wahrheit liegt offensichtlich auf der Hand.

Kim Kardashian, ihres Zeichens Gemahlin von Yeezus, bekleidet offensichtlich das Amt einer neuen Bewegung. Die Nacktheit des Menschen wird seit gestern neu definiert. Vergesst all eure Prinzipien, insofern ihr welche hattet und werft eure Rituale wie Lotto-Zahlenkombis 90-60-90 oder talentierte Sprüche wie „Wahre Schönheit KOMMT von innen“ (bitte nicht zu verwechseln mit dem sexuellen Akt) betrunken und zielsicher mit Anker über Bord, denn eure statistischen Body-Mass-Index-Geschichten interessieren im Internet schon lange niemanden mehr.

Eines ist jedoch sicher, Fluchtwege im Web sind ausgeschlossen  – also seht es endlich ein:

Kim Kardashian bekehrt euch fortan mit ihrem Po.

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Fashion-Marathon No.1: BRIGHT Nights

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Ordentlich ausgerüstet mit den wichtigsten Presseausweisen haben wir uns mal wieder auf einen dreitägigen Marathon (08.-10.07.2014) für die Sommer-Edition der Fashionweek in Berlin begeben. Drei Tage, drei Messen: Check!

Eigens dafür auserkoren wurden von uns sowohl die Skate- & Streetwear-Messe BRIGHT (No. 19), als auch die internationalen Fashion-Tradeshows PREMIUM und BREAD&BUTTER, die sich alle bewusst rundum über Mode, Musik und Menschen differenzieren. Bei unserem Besuch haben wir diesmal nicht nur versucht herauszufinden, was die einzelnen Messen so verschieden macht, sondern eben auch warum sie so anders sind und was genau nun eigentlich Händler und Konsument dazu beitragen.

Mit WIR meine ich übrigens Inez und mich. Inez besticht als Stylistin besonders durch ihr geschultes Mode-Auge, wohingegen ich eher den ästhetischen Aspekt erfülle und so können wir gemeinsam neue Trends, Klassiker und Avantgarde erforschen und auf die Probe stellen.

Heute stellen wir Teil 1 unseres Fashion-Marathons vor:

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BRIGHT Nights


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Die BRIGHT begrüßt wie gewohnt mit überraschend außergewöhnlicher Location. Nachdem schon das Stasi-Headquarter und die Alte Münze zu einem unverwechselbaren Glanz der Messe beigetragen haben, kann nun das ehemalige Warenhaus Jansdorf in Berlin-Mitte seit der Winter-Edition (No. 18) mit seinem zeitgenössischen Charme und seiner rustikalen Beschaffenheit die Besucher überzeugen. Vor dem Warenhaus tümmeln sich vielerlei Händler, Künstler und Promoter. So erhalten wir wie jedes Jahr einen bunten „Bright Nights“-Beutel, der mit bereits mit Lageplan, Bright-Veranstaltungen und sämtlichen Gimmicks wie Stickern, Flyern und Magazinen gefüllt ist.

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Auf zwei Etagen erkunden wir nun gewohnte Brands wie VANS, CLEPTOMANICX oder CONVERSE und TRASHER. Von klassischen bis hin zu ausgeflippten Stilen sind diese Brands weiterhin und langzeitig auf der BRIGHT vertreten, was ihnen wie wir sehen, keinen Abbruch in der Nische der Oldschool-Label-Liga tut. Neuen Zulauf dagegen erhalten wir u.a. von IRON FIST oder THFKDLF. Die mit interessanten Eindrücken und netten Gesprächen das Eis brechen und gern auf ein Bier in ihren kleinen Floor einladen.

Einen absoluten Running-Gag hat sich das GETRASH-Label einfallen lassen. Statt Messestand und viel Arbeit in Kauf zu nehmen, haben sie sich mit einem Gymbag als Geschenk zwischen die vielen Brands gemogelt und in die Hände von Besuchern gedrückt. Auch BEAR FACE konnte unsere Aufmerksamkeit mit duftenden Lotions und präzise gezwirbelten Bärten erregen. Wir sind uns in dem Fall durchaus einig: „Pro Bart, ist ja wohl klar!“

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– minus

Besonders auffällig ist der große Trend um ausgeflippte Socken und Rucksäcke, die leider mehr Dorn im Auge, statt nette Printdrucks und hinreißende Streetwear sind. HYPE hat sich seit Anbeginn das Farb-Konzept eines durchgeknallten LSD-Wahns gesetzt und diesen Trend auch primär über Rucksäcke oder Shirts gestreut. Weswegen sich in diesem Floor kaum etwas bemängeln lässt. Der bunte Stofftier-Hai sagt zu einer schillernden Atmosphäre eben auch nicht nein.

Insgesamt ist die BRIGHT ihrer lockeren Willkommens-Attitüde treu geblieben. Von Langeweile lässt sich erst dann reden, wenn das Bier alle ist. Aber das wird wohl so schnell nicht passieren, daher genießen wir weiterhin wie gewohnt Gimmicks, Gespräche und Graffitis.

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Aakash Nihalani – Landlines

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Fluoreszierende Farben, welche ursprünglich in der psychedelischen Kunst zu finden sind, gelten als das grundlegende Stilmerkmal des amerikanischen Künstlers Aakash Nihalani, der diese in seinem neuesten Projekt in klaren strukturierten Linien solide umzusetzen weiß.

Der hierzulande kaum bekannte Urban-Künstler hat sich in seiner Nische der individuellen Tape- und plakativen Street-Art in good old Brooklyn längst einen Namen gemacht, da er seine innovative Ideen immer wieder hervorragend an inspirativen Orten verstreut.

An solch einem trüben Tage, brauchen wir mehr Neonfarbe! 

Ob U-Bahn,  Mauer, Gleis oder einfach nur langweilig dreinschauende Gebäude, all solche bekommen mit seinen Motiven ein Gesicht verliehen und erzielen somit  Neugier und Interesse bei dem vorüberziehenden Publikum, welches an diesen meist öden Orten sonst nie aufschauen würde.

Mit „Landlines“ eröffnet Nihalani dreidimensionale Perspektiven, indem er öffentlichen Raum mit menschlicher Attitüde durch optisch täuschende Installationen verknüpft.

Btw, hat sich der Künstler ebenfalls ein schönes Gimmick mit dem Besuch seiner Webseite einfallen lassen: Denn kaum betritt man diese, kann man selbst zum Künstler werden.

Ich bin mir sicher, in Zukunft werden wir von Aakash Nihalani in der Disziplin „provokative Dimensionen“ noch vieles zu Gesicht bekommen.

 

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Zum Kunsthandwerk von DIE ANTWOORD

Der Verstand der begehrten südafrikanischen Band DIE ANTWOORD liegt ja bekanntlich schon lange blank. Dennoch beweisen sie uns immer wieder aufs Neue, dass es noch doller geht. Sagen wir so wie Nachbar Achim uns auf seinem Youtube-Channel beweisen will, dass er eben nicht voll wie zehn Matrosen ist, wenn er auf die Brüstung vom Balkon steigt. Das heute frisch publizierte, visuell anormale Kunsthandwerk hat es jedenfalls innerhalb weniger Stunden auf 100.000 Klicks geschafft.

Wer nun doller ist, dürft ihr selbst entscheiden:

 

Am 03.06.2014 releasen DIE ANTWOORD ihre neue LP „Donker Mag“ und wer gar nicht mehr genug bekommen kann und das durchgeknallte Duo noch nie live erlebt hat, dem sei angeraten sich schon mal Tickets fürs MS Dockville im August zu besorgen und direkt einen Platz vor der Bühne zu sichern, um sich von dieser musikalischen Ausnahme seelisch betäuben zu lassen…

Ich bin jedenfalls da!