One Warm Winter: Helft mit und feiert dabei!

„Das Leben ist kein U-Bahnhof“ – dieser Slogan ist inzwischen weit verbreitet unter Crews und Cliquen und das nicht ohnehin. Die gemeinnützige Organisation One Warm Winter geht bereits zum sechsten Mal an den Start und setzt sich mit prominenten Aktivisten wie Palina, Marteria oder MC Fitti für Obdachlose im Winter in Form von Spendenaktionen ein. Doch dabei geht es nicht nur darum jede Menge Knete zu sammeln, sondern auch Courage zu zeigen und die Augen auf der Straße aufzumachen.

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In erster Linie geht es bei One Warm Winter darum aufzuklären. Niemand möchte den Moralapostel spielen und darüber walten, was jeher zu tun hat. Vielmehr verzichten die Köpfe hinter OWW auf das Konzept großer Geldspende, stattdessen sollen einfache Lösungswege für alle Bürger transparent gestaltet werden, um die Akzeptanz von obdachlosen Menschen in unsere Gesellschaft zu erhöhen und sie vielleicht sogar ein Stück weit zu integrieren.

Um möglichst viele Leute zu erreichen, arbeitet die Organisation mit prominenter Unterstützung von Palina Rojinski, Marteria, Prinz Pi oder auch Joko & Klaas zusammen. Sogar MC Fitti ist dabei und wirbt ganz in seinem Stil für „Helfies statt Selfies“. Die erste Reihe geht mit gutem Beispiel für die Sammlung winterlicher Kleidung voran.

Party für den guten Swag

Auch wenn Geld nicht im hochtrabenden Fokus stehen soll, dürft ihr euch dennoch engagieren und alles von 1 bis 30 Euro spenden, um somit nicht nur frierenden Obdachlosen, sondern auch fröstelnden Flüchtlingen zu helfen. Die 30 Euro entsprechen hierbei nur symbolisch dem Wert einer Winterjacke.

Wenn ihr nicht spenden könnt, aber trotzdem was Gutes tun wollt, sei euch die Party mit dem gleichnamigen Motto One Warm Winter am 04. Februar im Berliner Club Prince Charles ans Herz gelegt. Veranstaltet wird die Party unter anderem von MVSCHI KRZBRG, Mit Vergnügen und EasyDoesIt. Für den guten Swag darf man auf dem Floor auch mal Hemd und Hose runterlassen. Ok? Ok!

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Palina & Co sprechen bei WIRGEFÜHL über eigene Flucht

Das Foto-Projekt „WIRGEFÜHL“ zeigt Flüchtlinge, die vor Jahren oder gar schon Jahrzehnten nach Deutschland kamen und sich mittlerweile ein erfolgreiches Leben aufgebaut haben. Dennoch hatten sie nicht immer eine gute Zeit und berichten über ganz intime Momente ihres Lebens – Ein Leben auf der Flucht, das ist es was „WIRGEFÜHL“ ausmacht.

Flüchtlinge verdienen Würde

In Tagen wie diesen, lässt sich nicht mehr wegsehen. Es betrifft uns alle, auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen. Die momentane Flüchtlingskrise hat ein Ausmaß erreicht, was in Jahrzehnten nie da gewesen ist. Die Politik wurde erst wachgerüttelt, nachdem die Lawine sie überrollt hat. Viel zu spät kam die Hilfe und nun ist zwischen Empfang, Pädagogen und Zeltlager eine enorme Durchhaltekonsequenz gefragt. Viele helfen mit Kleidung und Amtsgängen aus oder nehmen Flüchtlinge bei sich zu Hause auf, um ihnen ein würdiges Leben zu sichern. Doch was bedeutet das für die Flüchtlinge selbst? Wie sieht es in deren Köpfen aus?

Den Kampf des Überlebens gewonnen

Das Projekt „WIRGEFÜHL“ widmet sich diesen Fragen und trifft dafür Menschen, die vor Krieg und Elend nach Deutschland geflüchtet sind. Alle von ihnen sind längst integriert, haben einen festen Job, einige von ihnen sogar Karriere gemacht. Darunter sind Menschen wie du und ich. Sie haben nur ganz andere Situationen durchmachen müssen. Den Kampf des Überlebens haben sie gewonnen und sprechen nun darüber.

„Galaxie ohne Anarchie“

Palina Rojinski, Thomas Kretschmann, Hadnet Tesfai oder Amiaz Habtu – alle haben die Flucht auf ihrem eigenen Weg erlebt und wurden dadurch ihr ganzes Leben geprägt. Palina flüchtete mit ihren Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion und sagt dazu: „Ich hatte überhaupt kein Bild vor Augen – nur Freiheit. Ich dachte, Deutschland sei wie eine andere Galaxie ohne Anarchie, in der man nicht mehr unter Repressalien lebt.“ Es ist eine Geschichte, die auch die Geflüchteten, die wir heute empfangen, zu erzählen haben. Ein Leben, welches schon alles erfahren hat und endlich einen Neuanfang beginnen darf.

#leaksoftheweek

Trotz des derzeitigen Sonnenscheins, kommt immer mal wieder eine dezent aufgeblasene Gewitterwolke am Himmel zum Vorschein. Allerdings nicht draußen vor der Tür, sondern in den Tiefen des World Wide Web. Die Infomationsreichweite ist groß und mächtig, das ist nichts Neues. Doch woher kommen ihre Ursprünge und wer versteckt sich hinter den Quellen? Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja nicht mal eine Minute, ohne das sich das verflixte Internet-Imperium auf dem Screen durch das Auge, über die Synapsen und bis hin in die unbekanntesten Windungen des Gehirns ausdehnt. Das alles geschieht quasi viral durch belustigte Verlinkungen von Facebook-Usern, völlig überarbeiteten Trittbrettfahrern der Blogospähre und natürlich durch Katzen, die unbeaufsichtigt auf der Tastatur rumhopsen.

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Woraus resultiert die so rasant aufkommende Blogger-Blasphemie der Neuzeit? Und wie konnte es zu solch einem langfristigen Trend unserer Internet-Community kommen? Weiß der #beefträger überhaupt davon? Ich vermute es liegt genau an einem längst in Vergessenheit geratenen Phänomen – dem imaginären Netztroll namens Leak. Wir alle wissen spätestens seit Edward Snowden, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Für Diejenigen, die es aufgrund geistig oder körperlicher Abwesenheit noch nicht mitbekommen haben, denen sei an dieser Stelle die wissenschaftlich fundierte Definition durch Wikipedia bereitgestellt:

>Leak (englisch für LeckLochundichte Stelle) bezeichnet im deutschsprachigen Raum die inoffizielle Veröffentlichung von Informationen, die nicht zu diesem Zweck vorgesehen waren. Dies können interne Dokumente von Firmen, geheime Verträge, vertrauliche Verhandlungspapiere oder Ähnliches sein.<

Und nun verfolgt mich dieser, wenn auch in die Jahre gekommene, Begriff tatkräftig auf meinem Weg durchs Internet. Die Rate an Posts, Verlinkungen und heimtückischen Katzen ist immens und daher beschloss ich kurzerhand eine neue Rubrik einzuführen. Diese soll sich allerdings nur mit politisch korrektem Content befassen und sieht daher davon ab, sich richtungsweisend, meinungsbildend oder gar förderlich auf den Verstand auszuwirken. Und wer jetzt sagt: „Voll nicht neu und so.“, guckt es sich ja eigentlich trotzdem an. Trotz des derzeitigen Sonnenscheins. Nicht wahr?

Leaks of the week!

1. #moneyboyleaks – Intellekt vs. Swag

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2. #cindycrawfordleaks – Wer braucht schon Photoshop? 

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3. #fiftyshadesofgreyleaks – Von der Berlinale zum Online-Stream

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Jan Böhmermann „auf dem Weg in den Showolymp“

 

Einst vertrieb sich der große blasse Junge als Nischen-Journalist bei Die Norddeutsche seine Zeit, um recht schnell festzustellen, das er wohl eher zum polarisierenden Spaßmacher der Fernsehindustrie auserkoren schien, statt längst hinfällige Recherchen zu betreiben, mit welchen sich heutzutage kaum noch jemand befassen mag.

Somit wechselte er als schlecht ausgeleuchteter Moderator zu Radio Bremen und erhielt nur ein paar Anläufe darauf seine eigene Unterhaltungsreihe „Lukas´ Tagebuch“, mit der die erste Klageschrift bei ihm (oder vielmehr noch ins Hause des konventionellen Westdeutschen Rundfunks) herein flatterte. Dumm gelaufen, könnte man meinen, doch bei genauerem Hinsehen wird klar, Jan Böhmermann gelingt es sogar aus Markus Lanz die intimsten Wünsche zu prügeln ohne impulsive Jiu Tsu-Meisterschaften auf der Bühne austragen zu müssen.

Dank seines satirischen Daseins, dass er als sein Alter Ego Rüdiger Alt in der Sendung Harald Schmidts auf dem Ersten zum Besten gab, stellt sich die Theorie heraus: Jan Böhmermann ist ein Feuerwerk, welches bei halbherzigem Anzünden vermutlich Schaden anrichten könnte. Eben jene Annahme hat er schon auf vielen Ebenen und (Radio-)Sendern zur imaginären Showeinlage werden lassen.

Mit Sack und Klaas Heufer-Umlauf im Gepäck begann eine Reise durch Deutschland, wo sie hier und dort ihre Lesung „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ in den verschiedensten Kaschemmen mit Live-Sexappeal servierten. Eine Art Tristan und Isolde-Farce des modernen Theaters. Auch die radioeins-Show „Sanft und Sorgfältig“, die er mit Olli Schulz ins Leben rief, ließ immer eine gewisse Erotik in den Ohren der Hörer erklingen (also wenn nicht bei mir, bei wem dann?).

Doch spätestens mit Roche & Böhmermann schien das sexy Abendprogramm im ZDF Neo gesichert, denn die „Talkshow ganz im Stil des frühen Fernsehens, nur neu gemacht“, in der Charlotte Roche und Jan Böhmermann rein investigativen Journalismus nach strengstem Konzept befolgten, schuf zumindest zu Beginn auf dem jugendlich ausgerichteten Sender rege Anteilnahme, sogar bei dem Publikum. Dennoch gelang der eigens von Studenten produzierten Sendung nie der Durchbruch. Auch mit Jan Böhmermann nicht, was mich kurze Zeit traurig stimmte (an dieser Stelle folgt ein Schweigeminute).

Ab heute jedoch folgt er dem Weg in den Showolymp. Der große blasse Junge von nebenan hat diese einzigartige Inselbegabung (Anm. der Redaktion), die ganz neue Dimensionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schafft. Einer gegen alle, auf allen Ebenen und Kanälen. Gegen Tote Hosen-Sänger Campino, gegen Rapper wie Bushido und Haftbefehl, gegen die Pegida-Anhänger oder den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Böhmermann gegen den Rest der Welt. Moment, es gib Ausnahmen – Das schöne Publikum und der überaus coole Shiny Floor.

Das ZDF braucht Böhmermann, um sich jung zu machen. Denn zugegebenermaßen hat es das bei Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf verpasst, Pro Sieben dankt!  Wiederum mischt  Jan Böhmermann die Karten neu und bringt Jung und Alt am Pokertisch zusammen. Und um den Fullhouse smart ausspielen zu können, hat er den Sprachwissenschaftler William Cohn als seine alte Liebe und das Eins Zwo Rap-Urgestein Dendemann als seinen neuen Geliebten auf dem Zweiten mitgebracht. Das NEO Magazin Royale, ein credibiler Spaß mit Pop- und Pornokram. Jetzt neu im ZDF!

7 Tage Fashionweek im Nervenkostüm

Die Winteredition der Fashionweek in Berlin war diesmal fabulöses Trendtheater statt Modemesse, bei der scheinbar jeder dazu aufgerufen war, seinen Lifestyle auf der Bühne zu präsentieren. Schon am Sonntag ging es mit der Opening Party der Dandy Diary-Blogger exzessiv einher und die einst aufgekommene Stimmung mochte bis Samstag zur Closing Party einfach nicht abreißen. Aufgrund dieser Vielzahl modischer Ereignisse haben wir die Fashionweek einmal im Wochenrückblick für euch zusammengefasst.

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Sonntag

Den Modetanz gaben zwei Herren frei, die schon fast legendär für ihre stilsicheren Events im Rahmen der Fashionweek sind. Eröffnet wurde diese von DANDY DIARY in der Möckernstraße 120 unter dem Motto „Winter of Love“, bei der nicht nur der Hippie-Opa Rainer Langhans, sondern auch Gäste mit „Schlangenleder und Schafsfellen, Achselhaaren und fetten Schnauzern, Schlaghosen und Fransenlederjacken, indischen Mantra-Gesängen und Psychedelic-Rock, Patchouli und verbranntem weißen Salbei, sowie Psylos, Opium und LSD“ geladen wurden. Folglich ging die Fashionweek für drei Modemädchen aufgrund von K.O.-Tropfen im Getränk später im Krankenhaus weiter. Schade nur, dass Rainer Langhans nicht die Rolle des Medizinmanns übernehmen konnte, um wiederholt zur revolutionären Ikone zu werden…dafür wiederum haben es Dandy Diary nun endgültig in die Headlines geschafft.

Montag

Die britische Designerin CHARLOTTE RONSON durfte den grauen Modemontag mit ihrer Sommer-Kollektion eröffnen. Doch gelang ihr damit nicht nur saisonbedingt ein Griff in die falsche Schublade, sondern auch thematisch waren die Flowerprints und Pastelltöne eher gähnend langweilig als brisant. Dank ihres erfolgreichen Bruders Mark Ronson, welcher als Produzent ordentlich in der deutlich hörbaren Erfolgsbranche mit musikalischem Entertainment punkten konnte, gelang ihr allerdings auch hierzulande eine halbwegs gute Landung.

Dienstag

Die nächste große Szene-Party HOUSE OF VANS folgte schon zu Beginn der Woche, die wenn auch nur bis um 4 Uhr nachts angesetzt, nicht weniger anstrengend und schlaftrunken mit Beginn des nächsten Tages verlief. Für uns stand fest, wir haben Bändchen, werden kurz anstehen, später ein paar Bier reinstellen und nette Fotos schießen. Doch verlief dieser Abend mit 2 Stunden Schlange, 1 Stunde Party und unzähligen überflüssigen Modemenschen, nicht ganz so wie gewünscht. Die Parties, die den größten Run auf sich haben, fühlen sich meist nach 3 Bier auch nicht wärmer an. Trotz toller Location in der Neuen Heimat.

Mittwoch

Als mein absoluter Favorit stellte sich, wie bislang, auch dieses Mal wieder die BRIGHT heraus. Die berühmte Skatermesse, auf der es locker redend mit Bier und Brett zugeht, bietet einfach immer eine gute Angelegenheit, um Kontakte zu neuen oder altbewährten Labels zu knüpfen. Hier gehen die Themen nie aus, obschon vieles im ehemaligen Kaufhaus Jandorf einen schnell eingebürgerten Flair vermittelt, ist es vielleicht gerade das Etwas, wodurch die Bright statt Catwalk zum gemütlichen Wohnzimmer wird. An einem halb perplexen Tag wie diesem (siehe Nachtgeschehen zuvor), war dass ohnehin die perfekte Option für uns.

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Donnerstag

Auch die Arena in Treptow öffnete dieses Mal ihre Pforten, um sich in einem ganz anderen Licht zu zeigen, als bisher. Mit neuem Look im avantgardistischen Backsteinstil und minimalistischem Ambiente konnte die SEEK recht viele Einkäufer und Besucher anziehen. Der Charme des basisorientierten Causal-Looks dieser Messe hat entsprechende Labels bewusst hervorgehoben und alles in allem ein interessantes Gefüge kombiniert. Free Gin Tonics waren dann doch nicht drin (zumindest für uns), dafür aber ein virtueller Ritt als Beifahrer eines Rennfahrers auf einer Fullspeedstrecke.

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Freitag

Einen nahezu prüden und eingestaubten Eindruck hinterlässt die PREMIUM bei mir. Die etwas heruntergekommenen türkisfarbenen Begrüßungsteppiche, woneben das Werbeplakat mit großen Kristallen im Rahmen der Messe prunkt, wirken deplatziert und nicht einmal einladend an diesem Platz. Die vielen Hallen zwingen zu chaotischen Routen und suggerieren das Gefühl von Sprödheit. Auf die Frage hin, ob es noch Promobeutel oder Magazine gäbe, kommt nur die Antwort einer dezent minimalen Auflage, die anscheinend in der Planung keine Besucher berücksichtigt hat. Aber nun gut, vielleicht ist es auch nur der verregnete Tag, der einem die Mode in und um den Hallen nicht nahe legen mag.

Samstag

Über die Closing Party erfuhr ich durch die Arbeit in meiner Agentur, indem wir zu dem Event geladen wurden. Gut und nett, aber als ich las, dass diese dann im Felix ihren krönenden Abschluss finden sollte, verging mir dann doch ein wenig die Motivation. Über diese Party ist daher nicht viel zu sagen, falls das jemand anders empfinden sollte, sei dazu aufgerufen die Fashionweek an dieser Stelle aufzuwerten oder dem Trendtheater ein paar neue Züge zu verleihen. Denn vielleicht ist es genau das, was diese Messe gerade braucht. Neue Züge, bei denen es heißt: Hey Botox, bitte bleib beim nächsten Mal doch einfach zu Hause.

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Mount Rinjani

Eines Nachts im Oktober erwachte ich schweißgebadet in klirrender Kälte auf dem steinharten Boden eines Zeltes. Noch blind vor Schlaf, versuchte ich einen klaren Gedanken zu fassen und auszumachen, in welcher Umgebung ich mich tatsächlich befand, während meine Fingerspitzen mit verzogenen Mundwinkeln vorsichtig den Schlafsack tätschelten. „Mein Bett, es muss mein Bett sein!“, sagte mir mein Verstand unaufhörlich. Doch meine Sinne prophezeiten etwas anderes: Ich befand mich in einem organefarbenen Kinderzelt, welches in das helle Licht einer von der provisorischen Decke hängenden Taschenlampe getaucht wurde und furchtbar in den Augen schmerzte. Draußen vernahm ich Geräusche, die unweigerlich meine Härchen auf der Haut hochschießen ließen. In diesem Moment bewegte sich meine Hand blitzschnell auf die Taschenlampe zu und ließ diese zitternd erlöschen. Nun saß ich nach einem Schutzobjekt suchend, still da, atemlos und verfolgte gebannt, die immer näher kommenden Geräusche mit tiefgefrorenen Ohren, in der Hoffnung irgendwann doch noch aufzuwachen.

Gut geht, wer ohne Spuren geht

„Ach Kind, verarsch mich nicht!“, wiederholt meine Mutter zum zehnten Mal, als ich ihr mitteile, dass ich bei Punkt drei auf meiner Bucket-List die Besteigung eines Vulkans zu stehen habe. Der Begriff Besteigung muss folglich jedoch in Bekriechung revidiert werden. Ich habe nachgeschlagen, ein Wort welches im Duden bisher noch nicht aufgenommen worden ist. Unverständlich für mich und wahrscheinlich jene, die einmal einen Gipfel hoch gekrochen sind. „Läuft bei mir“, antworte ich lässig und lasse den Hörer langsam aus der Hand gleiten, um meinen prallen Rucksack mit aller Gewalt zuzuschnüren. „Ok Mutti, muss los!“, lasse ich es noch euphorisch verlauten und lege auf, als das Bergsteigertrupp vor mir auf den Jeep klettert und die Sachen wie Müll in die Ecken wirft.
Auf der Fahrt nach oben wird das erste Bier mit bunten Feuerzeugen geöffnet und die Zigaretten qualmen wie besorgniserregende Rauchschwaden über uns hinweg. Wir sind eine Gruppe von acht Leuten, so ziemlich aus allen Ländern und in jeder Altersklasse vertreten. Die Stimmung ist aufgeheizt und lustig, alle lachen über blöde Witze, während der Fahrer sich angestrengt seinen Weg durch Bäume und Geröll bahnt, dabei hüpfen wir auf der Ladefläche im Takt auf und ab. Nicht schlimm, wir trinken noch ein Bier.


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Eine Stunde später befinden wir uns auf 600 Meter Höhe des Mount Rinjani, dem zweithöchsten Vulkan der Insel Lomboks in Indonesien. 3.100 weitere Meter und drei Tage haben wir noch vor uns, erzählt der Tourguide vor Beginn des Aufstiegs und geht mit uns das Sicherheitstraining durch, welches darin besteht einen signalroten Ausweis mit beschriftetem Namen am Rucksack sichtbar zu befestigen und ja nicht zu verlieren. „Ist das etwa unser Totenschein?“, frage ich lallend von zwei Bieren, die in der brütenden Hitze schnell bei mir reinhauen und grinse doof in die Runde. Alle starren mich mit entgleisten Gesichtern an, von Freude keine Spur. „Ups“, sage ich kurz und fummele pfeifend an dem roten Ausweis rum, während der Guide die Gruppe weiter belehrt.

Aus dem Leben eines Esels

Nach dem ersten Aufstieg, stehe ich beweglos mit schwitzenden Kadaver fest an einen Baum geklammert und starre fassungslos den kilometerweiten Weg zurück. Ein kleiner Junge kommt mit einem Joint in der Hand zu mir gelaufen und reicht mir eine Flasche Wasser, auch ihn starre ich entsetzt an. Die Gruppe sitzt entspannt und essend am Feuer, während ich von dem Jungen erfahren muss, dass er unser tatsächlicher Guide ist und der Vater aufgrund seines besseren Englischs nur zur Unterrichtung der Gruppe diente. Er erzählt mir fröhlich, dass er Ady heißt, 16 Jahre alt ist und am Tage des Ausbruchs im Jahr 2010 auch auf dem Rinjani stand. Mein Mund schließt sich erst wieder, nachdem ich einen Löffel Reis hinein schaufele.

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Als der Abend schon dämmert, erblicke ich auf allen Vieren, wie ein getriebener Esel den Gipfel. Acht Stunden Schweiß, Dreck und Blut liegen nun hinter mir. Bewusstlos falle ich auf 2.600 Meter Höhe in mein Miniaturzelt und schlafe sofort ein, bis ich nachts erwache. Betäubt sitze ich im Zelt und höre Geräusche, knipse die vergessene Taschenlampe aus und spüre wie sich etwas schnurstracks auf mein Zelt zu bewegt. Mit blinzelnden Augen und abwehrender Tupperdose vor meinem Gesicht, lasse ich es geschehen. „Hey, schau dir das an!“, schreit Ady als er ungeniert in mein Zelt poltert und ich ihm die Tupperdose schockiert ins Gesicht werfe. Als er den Blick auf die Natur freigibt, um die anderen der Gruppe zu wecken, eröffnet sich vor meiner Iris ein Farbspiel der Superlative. Ich sitze am Gipfelrand und sehe den Kratersee bei Nacht durch die Glut rund herum leuchten, wie kleine rote Sterne tanzen einzelne Funken im Dunkeln. Doch das Spektakel ist schnell vorüber, denn nun geht es nach ganz oben.

Paradise City

Um 3 Uhr in der Früh, wagen wir die endgültige Bekriechung! Meine Taschenlampe mit tauben Händen schief auf dem Kopf befestigt, hält gerade so stand, als ich mich gelähmt aus dem Schlafsack erhebe und meine Knochen in die richtige Position renke. Ady geht kiffend voran, die Esel folgen. Jeder Schritt ist ein Kampf mit mir selbst, bei dem ich versuche nicht über Lavabrocken zu stolpern oder gegen Felsen zu rennen und trotzdem passiert es mir immer wieder. Als die Sonne langsam am Horizont aufsteigt, sind es noch einige Meter. Ady drillt uns wie im schlechten Film und ich frage mich was dieser Typ da eigentlich geraucht hat, dass er so springmausartig vor uns umher tänzeln kann. Und plötzlich sehe ich den Kraterrand, wir haben es geschafft. Die Sonne geht langsam am Horizont auf und der endlose See wird in ein farbenfrohes Licht getaucht. Ich sinke zu Boden und ein einziger Gedanke, der mir bleibt: „Ich lebe, aber wo ist das Bier?“

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Bei der Rückkehr zu den Zelten verdrücke ich schnell noch ein kleines Bintag, dass Dank eisiger Kälte die beste Temperatur aufweist und freue mich, dass es nun runter zu den Hot Springs zur Erfrischung geht, um die wunden Knochen im warmen Spa zu heilen. Auf dem finalen Weg bergab trinken wir frisches Quellwasser aus dem See, begegnen Rhesusaffen, die frech und mit ausgestreckten Mittelfingern unser Futter klauen und sehen die nächste Gruppe aufsteigen, die uns (offensichtlich) für Neandertaler hält. Mir bluten die Hände, als wir normalen Boden erreichen, ich eine Zigarette anzünde und reglos mit dem Sound von Guns´n´Roses „Paradise City“ in den Jeep sacke und dem Vulkan nachschauend mit einem breiten Grinsen den Rücken kehre. Oh ja, ich lebe und bin tatsächlich wach.

Kim Kardashian – ein neuer Planet?

Bis zu der gestrigen Rückkehr von meiner zweimonatigen Reise aus Südostasien, wog ich mich fest in dem Glauben die vollendete Erleuchtung auf meiner Expedition über Land und See, durch Menschen und Kulturen sowie in den Höhen der Berge, als auch in den Tiefen des Ozeans fernab des zivilisierten Lebens gefunden zu haben…und dann sah ich Kim Kardashian. Nackt.

Zwei Monate. Diese zwar recht spärliche, aber dennoch einprägsame Zeit scheint als wäre sie nie da gewesen, während ich auf das Schwarz meines Bildschirms starre. Der dunkle Fleck, der sich vor meiner Linse bildet, ist nicht wegzuwischen und die Müdigkeit, die kurz in mir durchsickert, ist plötzlich nur noch ein Hauch von Stille in meinem Kopf. Das Gehirn scheint wie ausgelöscht, Zeit und Raum sind verloren. Ein neuer Planet wurde entdeckt, denke ich gebannt.

Ich versuche den Tab zu schließen, doch finde den Lock-Button am Bildschirmrand nicht. Ich blicke auf den Planeten, doch er bewegt sich nicht. Langsam löst sich das rätselhafte Bild vor mir auf und noch bevor ich versuche den Rechner herunterzufahren, sehe ich es plötzlich ganz klar – Es ist DER Po (und ja, inzwischen auch DIE Brüste) Kim Kardashians, welche mir die Sicht auf die Hot Pants von Helene Fischer bei der Bambi-Gala, Jan Böhmermanns Einkauf im BDM und gar die Frisur von Angela Merkel beim G20-Gipfel versperren.

Wo fängt der Glaube an und wo hört er auf, frage ich mich just in diesem Moment. Und die Antwort erscheint gnadenlos und ohne Vorwarnung vor meinen Augen, als würde ich sie direkt vom Bildschirm ablesen, nur ohne zu lesen. Kim Kardashian – Eine Web-Herrschaft? Es ist etwas Neues, ein Trend, eine Saga, Battleship 24 oder „Der Tag, an dem sich mein Bildschirm verdunkelte“. Ein Phänomen, worüber Wissenschaftler noch streiten, könnte man meinen. Doch die nackte Wahrheit liegt offensichtlich auf der Hand.

Kim Kardashian, ihres Zeichens Gemahlin von Yeezus, bekleidet offensichtlich das Amt einer neuen Bewegung. Die Nacktheit des Menschen wird seit gestern neu definiert. Vergesst all eure Prinzipien, insofern ihr welche hattet und werft eure Rituale wie Lotto-Zahlenkombis 90-60-90 oder talentierte Sprüche wie „Wahre Schönheit KOMMT von innen“ (bitte nicht zu verwechseln mit dem sexuellen Akt) betrunken und zielsicher mit Anker über Bord, denn eure statistischen Body-Mass-Index-Geschichten interessieren im Internet schon lange niemanden mehr.

Eines ist jedoch sicher, Fluchtwege im Web sind ausgeschlossen  – also seht es endlich ein:

Kim Kardashian bekehrt euch fortan mit ihrem Po.

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